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Katzenelnbogen

Nach Überfall auf Tankstelle: Räuber (25) packt aus

Sie waren beste Freunde, rauchten gemeinsam Joints, tranken Wodka und träumten vom schnellen Geld. Jetzt steht die vierköpfige Jugendclique vor Gericht – und würdigt sich keines Blickes. Laut Anklage überfielen die jungen Männer am 13. Juli 2017 die Raiffeisen-Tankstelle in Katzenelnbogen, einer von ihnen bewaffnet mit einer Schreckschusspistole und vermummt mit dem Kopftuch seiner Mutter.

Bewaffnet mit einer Pistole, vermummt mit dem Kopftuch seiner Mutter: Am 13. Juli stürmte ein Räuber die Raiffeisen-Tankstelle in Katzenelnbogen, ein Komplize hielt am Eingang zwei Mädchen in Schach. Foto: Schweickert
Bewaffnet mit einer Pistole, vermummt mit dem Kopftuch seiner Mutter: Am 13. Juli stürmte ein Räuber die Raiffeisen-Tankstelle in Katzenelnbogen, ein Komplize hielt am Eingang zwei Mädchen in Schach.
Foto: Schweickert

Es war ein heikler Prozessauftakt in Saal 105 am Landgericht Koblenz. Anfangs brach einer der Angeklagten (21) in Tränen aus, schluchzte, er wolle seinen Vater umarmen. Dann verlas ein anderer (25) ein 20-seitiges Geständnis – und erhob schwere Vorwürfe gegen seine einstigen Kumpels. Das Resümee des 25-Jährigen: „Ich habe mich zu dieser Tat zwingen lassen.“

So gingen die mutmaßlichen Räuber laut Anklage vor: Die vier Männer fahren an jenem Julitag gegen 20.30 Uhr in einem Opel Corsa auf das Gelände der Tankstelle am Ortsausgang in Katzenelnbogen. Zwei von ihnen bleiben im Wagen, die anderen beiden stürmen 20 Minuten später maskiert und bewaffnet den Tankstellenshop. Der eine zielt seine Schreckschusspistole auf den Kopf der Kassiererin, der andere hält am Eingang zwei Mädchen in Schach, bedroht sie mit einem Messer. Nach wenigen Minuten rennen die Räuber mit einer Beute von 365 Euro zurück zum Auto – und fliehen in die Wohnung des Fahrers. Dort teilen sie das Geld auf. Doch am 28. Juli klicken die Handschellen. Seitdem sitzen drei der vier Männer in Untersuchungshaft.

Der Prozess drohte zu platzen, bevor er richtig begonnen hatte. Grund: Der 25-Jährige gestand am 4. Dezember plötzlich eine andere Straftat. Er erzählte Polizisten, dass sein 21-jähriger Kumpel Marihuana verkaufte. Dass dieser sein Drogengeld aber in seiner Wohnung lagerte. Und dass er dieses zwei Wochen vor dem Überfall in einer Spielothek verzockte. Der 21-Jährige soll die 6000 Euro zurückgefordert und ihm Schläge angedroht haben. Aus Angst davor habe er sich zu dem Raubüberfall auf die Tankstelle hinreißen lassen. Mit der Beute wollte er einen Teil seiner Schulden begleichen. Im Prozess sagte er: „Es ging mir nicht ums Geld. Ich wollte mehr Zeit.“ Der Anwalt des 21-Jährigen fühlte sich von dem Geständnis überrumpelt, wollte es mit seinem Mandanten besprechen – und beantragte die Hauptverhandlung auszusetzen. Doch die Kammer lehnte ab.

So erzählte der 25-Jährige seine Version der Geschichte: Im Frühjahr habe ihn seine Freundin betrogen und er wieder zu kiffen begonnen. Wenige Tage vor dem Überfall habe er seinen Job verloren, ein Antrag auf Sozialleistungen sei abgelehnt worden. Und dann seien da noch die Drogenschulden bei dem 21-Jährigen gewesen. Er habe keinen Ausweg aus seiner misslichen Lage gesehen. Bis ihm ein Kumpel vorgeschlagen habe, die Tankstelle auszurauben. Am Nachmittag des 13. Juli will er sich mit Wodka betrunken und sechs bis sieben Joints geraucht haben. Sein Geständnis beendete er mit den Worten: „Ich kann, will und werde mich ändern!“ Sein Anwalt Philip Grassl bekräftigte gegenüber unserer Zeitung: „Mein Mandant will jetzt wirklich reinen Tisch machen.“

Der Prozess geht am 11. Dezember weiter.

Von unserem Reporter Eugen Lambrecht

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