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Diez

Museum im Grafenschloss: Traditionsreiche Handwerkskunst präsentiert

Rolf Kahl

Mit dem internationalen Museumstag versuchen die rund 6500 Museen in Deutschland auf die thematische Vielfalt und das breit gefächerte Spektrum der Museumsarbeit aufmerksam zu machen. Den Mitarbeitern der Museen soll die Möglichkeit gegeben werden, auf ihre Arbeit und deren Bedeutung für das kulturelle und gesellschaftliche Leben hinzuweisen.

Sie sind nicht nur Meister ihres Faches, sondern auch humorvolle Zeitgenossen. Gerhard Höhler (rechts) und Wolfgang Höhler legten sich für den Fotowunsch eines Besuchers Fußfesseln mit schweren Eisenkugeln an – genauso, wie sich die Zuchthäusler noch vor knapp 100 Jahren im Grafenschloss bei der Arbeit bewegen mussten.  Foto: Rolf Kahl
Sie sind nicht nur Meister ihres Faches, sondern auch humorvolle Zeitgenossen. Gerhard Höhler (rechts) und Wolfgang Höhler legten sich für den Fotowunsch eines Besuchers Fußfesseln mit schweren Eisenkugeln an – genauso, wie sich die Zuchthäusler noch vor knapp 100 Jahren im Grafenschloss bei der Arbeit bewegen mussten.
Foto: Rolf Kahl

Auch das Museum im Grafenschloss Diez lud dazu ein und stellte die Bearbeitung von Lahnmarmor und anderen Natursteinen in den Mittelpunkt. Im Grafenschloss liegt seit mehr als 100 Jahren die größte Manufaktur für Lahnmarmor. Bekanntermaßen befand sich in dem weithin sichtbaren Wahrzeichen der Stadt Diez von 1785 bis 1927 – genau 142 Jahre lang – ein Zuchthaus. Zigarren herstellen, Schneiderarbeiten, Wolle spinnen, sowie die Verarbeitung von Lahnmarmor gehörten zu den damaligen Tätigkeiten der Inhaftierten.

Insbesondere für die letztgenannte Tätigkeit, bei der die Gefangenen im großen Umfang die in der Region gewonnenen Kalksteine verarbeiten mussten, galt es erfahrene Handwerksmeister ins Zuchthaus zu holen, die die Inhaftierten in der Bearbeitung der Naturgesteine anleiten konnten. Einer von ihnen war der Villmarer Marmormeister Simon Leonhard, der im Jahr 1817 die Stelle als Werkmeister des Marmorbetriebs im Zuchthaus Diez übernahm. Auch nach seiner Pensionierung 1831 blieb er bis zu seinem Tode als Berater seines Nachfolgers Franz Schneiders im Grafenschloss Diez tätig. Leonhard war ein hervorragender Kenner aller Marmorgruben im Lahngebiet.

„Eines war uns für den Museumstag ganz besonders wichtig. Wir wollten die handwerkliche Kunst – die Verarbeitung des Lahnmarmors und anderer Naturgesteine – den Besuchern praktisch demonstrieren“, so Museumsleiter Alfred Meurer am Sonntag gegenüber unserer Zeitung. Und was lag da in der Vorbereitung des Museumstages näher, als sich mal in Villmar umzusehen. Mit den beiden pensionierten Steinmetzen und Hobbykünstlern Gerhard Höhler (76) und Wolfgang Höhler (82) fand man zwei Personen, die ihre Arbeit im Hof des Museums nicht nur präsentierten, sondern den gesamten Nachmittag auch bereitwillige jede Frage rund um einen der ältesten handwerklichen Berufe der gesamten Menschheitsgeschichte (es gibt ihn bereits seit der Altsteinzeit) zu beantworten wussten. Man denke hierbei insbesondere an die Pyramiden in Ägypten oder an das Kolosseum in Rom – diese Bauwerke sind mehr als 2000 Jahre alt und stehen noch immer.

Ohne die geübten Hände von Steinmetzen, die lediglich mit Hammer und Meißel ausgerüstet Tausende von Felsbrocken zu geometrischen Steinquadern bearbeiteten, hätten sie wohl kaum die Zeit überdauert. „Unser Handwerk ist sozusagen in Stein gemeißelt: Unseren Beruf gibt es schon seit Jahrtausenden – und es wird ihn auch zukünftig geben“, sagten die beiden Villmarer mit Stolz.

Von unserem Mitarbeiter
Rolf Kahl

Diez
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