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Ergeshausen

Hochzeit am Valentinstag: 65 Jahre voller Glück, Leid und viel Lebensfreude

Uschi Weidner

Am Valentinstag feiert Anni Pfeifer ihren 85. Geburtstag. Gleichzeitig hat sie mit ihrem Mann Kurt Eiserne Hochzeit, ihr Hochzeitsdatum jährt sich zum 65. Mal. Das Paar kannte sich, weil beide in den Jahren nach dem Krieg die Landwirtschaftliche Schule in Katzenelnbogen besuchten. Am 1. Februar 1950 in „Gemmers Saal“ in Klingelbach feierten die Landwirtschaftsschüler Fasching und kamen sich näher. Am Wochenende darauf besuchte Kurt seine Anni erstmals in Mudershausen, wo sie mit ihren Eltern wohnte. Noch heute erinnert sie sich daran, dass er ihr eine Tafel Schokolade mitbrachte – damals etwas Besonderes. „Wenn du 20 Jahre alt wirst, heiraten wir“, hatte Kurt ihr gesagt, als sie sich eine Weile kannten. Anni hielt das zunächst für einen Scherz. Doch Kurt ließ seine Anni niemals mehr los und heiratete sie tatsächlich am Valentinstag 1953. Seit 65 Jahren lebt das politisch und sozial sehr engagierte Paar glücklich zusammen. Früher führten sie einen großen landwirtschaftlichen Betrieb und hatten 2500 Hühner. Sie haben zwei Kinder, vier Enkelkinder und fünf Urenkel. Zwei davon leben im Haus mit ihnen.

Ein typisches Foto des Jubelpaares und ihres großen privaten Glücks: Anni und Kurt Pfeifer wollten bewusst keine klassische Aufnahme auf dem Sofa, sondern ein Symbol für Lebensfreude trotz Behinderung. Foto: Uschi Weidner
Ein typisches Foto des Jubelpaares und ihres großen privaten Glücks: Anni und Kurt Pfeifer wollten bewusst keine klassische Aufnahme auf dem Sofa, sondern ein Symbol für Lebensfreude trotz Behinderung.
Foto: Uschi Weidner

Es gibt wohl kaum jemanden im Einrich, der das Ehepaar nicht kennt. Anni Pfeifer war lange Beigeordnete der VG Katzenelnbogen, Gründerin und Vorsitzende des Seniorenbeirates. Vor elf Jahren verlieh ihr der damalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz den Generationenpreis. 22 Jahre lang hatte sie den Vorsitz bei den Landfrauen, gründete 1967 die Gymnastikgruppe Herold-Ergeshausen. Der Dekanatssynode gehörte sie 22 Jahre lang an, sechs Jahre lang im Vorstand, fast 20 Jahre im Kirchenvorstand Klingelbach. Das Landesverdienstkreuz bekam sie 1995.

Anni Pfeifer hat Temperament für zwei und eine enorm positive Einstellung. Diese Kraft half ihr über schwere Erkrankungen hinweg und sichert ihr die Bewunderung vieler Menschen. War sie immer schon wegen ihrer Fröhlichkeit beliebt, ist sie auch eine einfühlsame Zuhörerin. Wenn sie einen Rat gibt, weiß sie, wovon sie spricht. Anni fährt seit neun Jahren mit ihrem Elektroskooter durch den Einrich. Nachdem auch Kurt vor zwei Jahren ein solches Fahrzeug bekam, fahren sie zu zweit – oder zu dritt mit Dr. Adolf Föhrenbacher. Gemeinsame Exkursionen führen zu besonderen landwirtschaftlichen Flächen, die Adolf Föhrenbacher erklärt oder ganz profan zu den Erdbeerfeldern.

Kurt Pfeifer war Vorsitzender der Raiffeisenbank Einrich. Er führte vormittags die Zweigstelle in Herold, zweimal am Nachmittag die Zweigstelle in Kördorf. Nach der Fusion mit der Volksbank übernahm er die Zweigstelle in Herold und leitete sie bis 1997. Ortsbürgermeister war er von 1989 bis zur letzten Kommunalwahl. 24 Jahre lang war er Vorsitzender des Schützenvereins Ergeshausen, 18 Jahre im Kirchenvorstand und lange im Kreisvorstand des Schützenvereins. Die Verdienstmedaille des Landes erhielt er 2010. Die Tätigkeit als Ortsbürgermeister war Kurt Pfeifer ebenso eine Herzensangelegenheit wie Nachbarschaftshilfe.

Er liebt den Wald und die Arbeit mit Holz. Mit seinem handwerklichen Geschick hat er schon manche Bank oder Sitzgruppe für Kindergärten oder Gemeinden hergestellt. Weitere Objekte seines künstlerischen Schaffens sind Figuren aus Holz. Ein ganzer „Streichelzoo“ aus Holzfiguren steht im Hof. Im Sommer 2017 hat er für die Hochzeit seiner Enkelin Louisa 150 Namensschilder aus Birkenholz angefertigt.

Zur Eisernen Hochzeit betonen sie, dass das Leben auch im Alter schön sein kann. Sie haben keine Langeweile, Kurt hat seinen Privatwald und damit genug Holz, aus dem seine Kunstwerke entstehen. Anni liest täglich die Rhein-Lahn-Zeitung, zwei Stunden am Morgen studiert sie diese und löst das Kreuzworträtsel, nachdem sie mit ihrem Kurt gefrühstückt hat. Dafür steht er täglich um 6 Uhr auf und bereitet ihr leckere Brote. Jeden Freitag, wenn ihr Enkel Sebastian traditionell zum Kaffee kommt, backt Anni einen Kuchen.

Das Jubelpaar ist am Valentinstag nicht zu Hause. Die beiden laden aber alle Gratulanten für Samstag, 17. Februar, von 9.30 bis 12 Uhr in das Gasthaus Dörsbachhöhe nach Herold ein. Statt Geschenken oder Blumen freuen sie sich über eine Spende, die sie an eine soziale Einrichtung weiterleiten wollen.

Von unserer Mitarbeiterin Uschi Weidner

Diez
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