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    Weilburg

    Er stand schon auf vielen Bühnen dieser Welt

    Er hat in 62 Opernhäusern auf der ganzen Welt gesungen, steht im Guinnessbuch der Rekorde und bildet seit 2001 Sänger aus - Kammersänger Erwin Stephan ist auch in der Region kein Unbekannter. Regelmäßig inszeniert er Opern und Operetten im Komödienbau in Weilburg.

    Erwin Stephan hat bereits über 50 Sänger ausgebildet. Er schult sie in Gesangsstudios in Waldmühlen (Verbandsgemeinde Rennerod) und Wetzlar.  Foto: Gorenflo
    Erwin Stephan hat bereits über 50 Sänger ausgebildet. Er schult sie in Gesangsstudios in Waldmühlen (Verbandsgemeinde Rennerod) und Wetzlar.
    Foto: Gorenflo

    Von Sabine Gorenflo

    Vor acht Jahren hat sich der Kammersänger das Studio im Gebäude des Kulturzentrums Franzis in Wetzlar eingerichtet. Quer im Raum steht ein elektronisches Klavier. An den Wänden zeugen viele Plakate, Fotos und Urkunden von den Auftritten des Kammersängers in aller Welt. Überall liegen Gesangbücher und Arienalben. Stephan sitzt am Klavier, vor ihm steht Ulrike Sukkau, die Hauptdarstellerin des Musicals "Kaiserin Elisa". Das Stück hat Stephan geschrieben und mit seinen Schülern im Komödienbau uraufgeführt.

    Seit drei Jahren kommt die junge Frau zwei Mal in der Woche zum Unterricht nach Wetzlar. "Sie war am Anfang schüchtern, doch nun macht sie große Fortschritte und entwickelt sich gut", sagt der Lehrer über seine Schülerin. "Als klassischer Sänger sollte man jeden Tag mindestens 20 Minuten lang singen, damit die Stimme jederzeit parat ist", erklärt Stephan. Die Schüler müssten auch zu Hause üben, denn im Unterricht könne man nicht auf alles eingehen.

    "Ich habe schon immer gerne gesungen", erklärt der 66-Jährige. Er machte als junger Mann bei einem Gesangswettbewerb mit, Moderator war Dieter Thomas Heck. Der fand seine Stimme so gut, dass er ihn zum Sieger kürte. Heck riet ihm, Gesang zu studieren. "Ich sang dann in Berlin vor und bekam ein Stipendium", erinnert sich Stephan. Seine Ausbildung zum Sänger erfolgte am Dr. Hochs Konservatorium in Frankfurt, im Opernstudio Berlin-Zehlendorf, an der Indiana-University in den USA und an der Musikhochschule München. Daneben absolvierte er unter anderem Meisterkurse bei dem amerikanischen Heldentenor James King und bei Mario del Monaco in Italien.

    Seine Bühnenkarriere startete 1978 am Theater von Flensburg. Danach sang Stephan am Stadttheater von Lüneburg, am Landestheater Coburg und am Stadttheater Gießen vor allem Operettenpartien. Als erster Heldentenor wurde er 1982 am Staatstheater Saarbrücken engagiert. Seine Antrittsrolle war der Florestan in "Fidelio". Dort spielte er auch den Don José in "Carmen".

    In dieser Rolle konnte man ihn unlängst auch in Weilburg sehen. Den Titelhelden in "Tannhäuser" sang er 1985 an den Theatern von Mainz, Dortmund und in Bremen, am Grand Theatre Geneve abwechselnd mit René Kollo. Die gleiche Rolle sang er auch in Paris, Wien und an der Met in New York.

    Und überall überschlugen sich die Kritiken, der Sänger wurde weltweit für seine Stimme gefeiert. Unter anderem wurde er "Ritter des hohen C genannt". Stephan kann das hohe C über 13 Sekunden halten. Das hat bisher niemand geschafft und war einen Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde wert.

    "Meine liebsten Rollen waren der Tannhäuser und Othello, weil sie Charakterköpfe sind und weil in den Stücken ein wildes und interessantes Leben dargestellt wird", meint der Kammersänger. Wagner mag er sehr, dagegen hat er mit Strauß Schwierigkeiten. Die Partien seien gesanglich anstrengend, und die Melodien gäben ihm nicht so viel. Dramatische Rollen dagegen liebt er.

    Besonders gern hat Stephan Robert-Stolz-Lieder gesungen. 1986 nahm er eine LP mit dem Titel "Ein Abend mit Robert Stolz" auf. Auf Anregung der Witwe Einzi Stolz sei ihm der Titel "Österreichischer Kammersänger" verliehen worden, da war er 32. Später bekam er noch den Titel des Deutschen Kammersängers - ein Ehrentitel für Sänger, mit dem die bisherige künstlerische Arbeit oder das Lebenswerk ausgezeichnet wird. Als er jünger war, sei ihm dieser Titel nicht wichtig gewesen. Heute sei er stolz darauf. Wer auf fast allen Bühnen der Welt gesungen hat, der wurde auch gut dafür entlohnt. Als junger Tenor habe er 2500 Mark im Monat bekommen, später bis zu 6000 Mark. Beim Tannhäuser Festival Orange 1986 bekam Stephan für einen Abend sogar 40 000 Franken und an der Met in New York 38 000 Dollar pro Monat. "Bei der Höhe der Gage kommt es immer auf die Verhandlungen an", sagt der Kammersänger. Davon kassiere der Manager jedoch 20 Prozent.

    1987 unternahm Stephan eine große Konzerttournee durch alle europäischen Staaten, sang in Vietnam, Japan, USA, Namibia und in Südamerika. Er sang den Freischütz, den Fidelio, Tannhäuser, Oberon und zahlreiche andere Rollen. Ein paar Wunschpartien sind indes noch offen. Gerne hätte er noch die eine oder andere Rolle gesungen. Zumindest der Canio aus der Oper "Bajazzo" steht noch auf seiner Liste, den übt Stephan im Moment ein. Dazu müsse er erst die Musik hören, dann den Text lernen. "Im Fachjargon heißt das ‚die Partie in die Schnauze singen‘", meint Stephan.

    Seit 15 Jahren gibt Stephan in seinen Studios in Wetzlar und Waldmühlen Gesangsunterricht. Allein in Wetzlar hat er mehr als 50 Sänger ausgebildet. Dabei legt Stephan besonderen Wert auf Ausdruck und Darstellung. Damit sich seine Schüler in der Öffentlichkeit präsentieren können, übt er mit ihnen immer wieder verschiedene Stücke, wie "Eliza", "Carmen" oder "Schwarzwaldmädel" ein, die dann aufgeführt werden.

    Am 12. April führt das Siegbrunn Musiktheater, das Stephan mit seiner Frau Karen Eltred-Stephan gegründet hat, im Kulturzentrum Wetzlar ein Pop-Musical auf. Am 16. April gibt es um 19.30 Uhr ein Benefizkonzert für Flüchtlinge im Komödienbau in Weilburg.

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