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Limburg

Angebot an Limburger: "Demokratie leben"

Limburg gehört zu den Kommunen, die an dem Förderprogramm „Demokratie leben“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend teilnehmen. Mit einer „Demokratiekonferenz“ fiel in der Domstadt nun der Startschuss.

Angst, Freude, Heimweh: alles Gefühle, die Menschen begleiten, wenn es darum geht, eine neue Heimat zu finden, und auch wenn angesagt ist, eine neue Heimat zur Verfügung zu stellen.  Fotos: Dominique Jakobi
Angst, Freude, Heimweh: alles Gefühle, die Menschen begleiten, wenn es darum geht, eine neue Heimat zu finden, und auch wenn angesagt ist, eine neue Heimat zur Verfügung zu stellen. Fotos: Dominique Jakobi

„Limburger ist, wer Limburger sein will“ wandelte Bürgermeister Dr. Marius Hahn ein Zitat des hessischen Ministerpräsidenten Georg August Zinn um, der aufgrund seiner Erfahrung im Zusammenhang mit der Integration von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg gesagt hatte: „Hesse ist, wer Hesse sein will.“ Die Herkunft spielt also keine Rolle. Die Herkunft der heutigen Limburger Bürger ist vielfältig und bunt, Menschen aus rund 120 Nationen sind auf diesem kleinen Fleckchen Erde versammelt.

Demokratie leben: Kontakte knüpfen, Gespräche führen, Inhalte vermitteln – die Demokratiekonferenz im Kolpinghaus bot vielfache Möglichkeiten des Austauschs.
Demokratie leben: Kontakte knüpfen, Gespräche führen, Inhalte vermitteln – die Demokratiekonferenz im Kolpinghaus bot vielfache Möglichkeiten des Austauschs.

Das Zusammenleben gestalten, die Werte von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu wahren oder gar zu verteidigen, sich aktiv in die Zivilgesellschaft einbringen, das alles sind Ziele des Bundesprogramms „Demokratie leben“. Die Stadt Limburg ist mit dabei, gehört zu den vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Kommunen und startete mit einer Demokratiekonferenz. Startort war das Kolpinghaus, in dem sich rund 70 Vertreter von Einrichtungen und Institutionen eingefunden hatten, die sich aktiv einbringen und „Demokratie leben“ wollen.

Wie so etwas geht, was sich da machen und auf die Beine stellen lässt, das verdeutlichte Rochsane Mentes von der Koordinierungs- und Fachstelle BUNTerLEBEN der Mittleren Wetterau. BUNTerLEBEN gibt es seit dem Jahr 2011 und ist ins Leben gerufen worden aufgrund von Vorfällen rund um einen Rechtsextremen, der als „der Schlitzer“ bekannt wurde und gegen den sich eine Bürgerinitiative zusammenschloss. Der Gründung von BUNTerLEBEN folgten mittlerweile mehr als 100 Projekte wie der „Lauf für Vielfalt und Respekt“, ein Fest der Kulturen, Bandwettbewerbe, Ausstellungen, Graffiti-Wandgestaltungen und vieles mehr. „Es ist gelungen, BUNTerLEBEN als Marke zu etablieren, die durch einheitliches Logo, Homepage, Facebookauftritt und Pressearbeit einen Wiedererkennungseffekt erzeugt“, so Rochsane Mentes. Nach ihrer Einschätzung kann eine „Partnerschaft für Demokratie“ nur dann erfolgreich sein, wenn sie zur Chefsache erklärt wird. Die Vertreterin von BUNTerLEBEN sieht in der Verteidigung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit eine dauerhafte Herausforderung, die nur im Zusammenwirken von allen staatlichen Institutionen und der Zivilgesellschaft bewältigt werden kann.

Dieser Aufgabe wollen sich in Limburg zahlreiche Institutionen und Einrichtungen stellen, die nach dem offiziellen Teil noch einige Impulse vermittelt bekamen. Die Band Eve's Temptation gab Anregungen auf musikalische Art, eine szenische Lesung aus den Theaterstücken „Auf dem Weg“ und „Kaleidoskop“, die Cara Basquitt, Theaterpädagogin und Referentin für Integrationsdienste des Malteser Hilfsdienstes, mit geflüchteten und einheimischen jungen Menschen erarbeitet hatte, vermittelte Impulse mit Worten. Anregungen gab es auch durch das Limburger Theater- und Musikprojekt „GG – 8 Artikel BRD“ sowie durch verschiedene literarische Beiträge der Wortwerkstatt Limburg.

Bürgermeister Hahn wies auf Veränderungen in der Gesellschaft hin, die die Demokratie auf eine harte Probe stellten – auch in Limburg. Die anfänglich euphorische Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen sei einem nüchternen Blick gewichen. Und darüber hinaus gebe es eine Auseinandersetzung um Integration und Aufnahme von Flüchtlingen, die das politische und gesellschaftliche Klima spürbar verändert hätten.

Die Stadtverwaltung hat nach seinen Angaben in den vergangenen Jahren einige Anstrengungen unternommen, um deutliche Zeichen für Toleranz und gegen Gewalt und menschenverachtende Einstellungen zu setzen. Mit der Beteiligung am Bundesprogramm „Demokratie leben“ werde nun ein Weg eingeschlagen, der darauf ziele, auch die Bürger in einer „Partnerschaft für Demokratie“ mit einzubeziehen. Damit soll das demokratische Miteinander gestärkt werden.

Ansprechpartner für das Programm "Demokratie leben"

Das Programm „Demokratie leben“ in Limburg wird organisiert vom Amt für Soziale Betreuung in Zusammenarbeit mit Tobias Kurth, der die Koordinierungs- und Fachstelle leitet, die sowohl für Antragsteller als auch Bürger als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Es gibt schon einige Projekte, die bewilligt und angelaufen sind. Dazu gehörten die Lahn Artists mit ihrer Jahresausstellung und der Einbindung von Geflüchteten in die künstlerische Arbeit, der SV Poseidon mit seinem Anti-Mobbing-Training, die Gewaltprävention von männlichen Geflüchteten durch Hephata oder ein Theaterprojekt an der Reichwein-Schule.

Vereine und Institutionen können weiterhin Projektideen einreichen (Ansprechpartner ist Tobias Kurth, Adresse: Kulturenwerkstatt, Tobias Kurth, Bahnhofsplatz 2a, 65549 Limburg, Tel. 06431/944 15 65, Mail info@pfd-lm.de, Internet www.demokratie-leben.de, über deren Genehmigung dann im ersten Quartal des kommenden Jahres entschieden wird. Gesucht werden Ehrenamtler, die Interesse haben, an einem regelmäßig tagenden Runden Tisch neue Projekte zu erarbeiten. Das läuft unter dem Stichwort „Vielfalt verbindet“.

Diez
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