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Aremberg/Kreis Ahrweiler

Wo ist Rauhaardackel Andi? Ein Frauchen verzweifelt

Celina de Cuveland

Birgit Pellenz ist verzweifelt, sie vermisst Andi wie einen geliebten Menschen. Doch Andi ist ein Hund, ein Rauhaardackel. Es gibt Menschen, die deshalb über Birgit Pellenz die Stirn runzeln. „Manche sagen, ich sei bekloppt“, sagt sie selbst. Ist es so einfach?

Als Andi spurlos verschwand, begann für Birgit Pellenz eine nicht enden wollende seelische Tortur. Zwei Jahre ist das jetzt her – zwei Jahre, in denen die verzweifelte Frau aus Aremberg nichts unversucht ließ, ihren Andi wiederzufinden. Ihre Suchaktion zog Kreise, vor allem im Internet. 10.000 Euro Belohnung sind ausgesetzt, noch immer. Doch Andi ist immer noch weg. Wir haben sein Frauchen besucht.

Birgit Pellenz sitzt auf ihrer Couch. Oder vielmehr auf einer Decke, die die Couch vor Hundehaaren schützt. Die Couch ist breit, Birgit Pellenz schmal. Zerbrechlich wirkt die 64-Jährige, wenn sie so in ihrem Sofa versinkt. Um ihre Beine herum tollen zwei Rauhaardackel: Athos und Bella, Bruder und Mutter von Andi. „Unser Rudel ist einfach nicht mehr vollständig“, erzählt die pensionierte Grundschullehrerin.

„Die Bella, die hat damals ganz lange an der Stelle verharrt, wo wir Andis Halsband gefunden haben.“ Der Rüde war auf dem Rückweg von einem Spaziergang samt Leine und Halsband in den Wald gelaufen, einer Wildfährte hinterher. Fünf Monate später fand man die leuchtend orangefarbene Leine und das rote Halsband in der Nähe eines Weges. Die Leine hatte sich in einem Gestrüpp verfangen, das Halsband war durchtrennt, das Mittelstück fehlte. Birgit Pellenz hat das Halsband sogar kriminaltechnisch untersuchen lassen, Ergebnis: Das Band sei eindeutig zwei Mal durchschnitten worden. Für Birgit Pellenz ein wichtiger Hinweis, dass ihr Andi noch lebt. Dass er nicht einfach in einen Fuchs- oder Dachsbau gelaufen ist oder irgendwo im Wald verendet ist.

„Es muss ihn jemand losgeschnitten haben.“ Die Rentnerin spricht hektisch, ihre Stimme wird lauter. Sie hebt die Hände, die bislang in ihrem Schoß geruht haben, lässt sie wieder sinken. Die Suche erschöpft Birgit Pellenz. Auf alten Fotos, die sie für die Suche nach Andi in einem Briefumschlag aufbewahrt, strahlt sie mit rosigen Wangen in die Kamera. Jetzt ist ihr Teint fahl, ihr Blick müde. „Wahrscheinlich dachte jemand, Andi sei ausgesetzt worden und hat ihn in guter Absicht mitgenommen.“

Dass ausgerechnet drei Tage vor Heiligabend ein Mensch durch die Wälder um Aremberg streift, der es darauf abgesehen hat, Hunde zu stehlen und weiterzuverkaufen, erscheint Birgit Pellenz unrealistisch. „Ich hab ja auch sofort eine Belohnung ausgesetzt“, sagt sie. „In einer Höhe, dass sich der Verkauf von Andi weniger gelohnt hätte als ihn einfach zurückzubringen.“ Sie glaubt, dass sie ihren Andi noch am 22. von ihrer Wohnung aus hat bellen hören. Doch zwei Helfer, die nachsahen, fanden den kleinen Rüden nicht. „Vielleicht hätte ich selbst gehen sollen“, murmelt sie leise. Sie macht sich Vorwürfe.

Aber jemand muss ihn losgeschnitten haben, wiederholt sie dann. Weil sich die zierliche Frau an den Gedanken klammert, dass jemand ihren Andi noch nach seinem Verschwinden gesehen haben muss, lässt sie seit Weihnachten 2015 nichts unversucht, um ihr Dackelchen zu finden. Sie beginnt, sich mit Facebook und Whatsapp vertraut zu machen, gründet Gruppen, erreicht Menschen. Dann schreibt sie zahlreiche Prominente an, „die sich den Tierschutz auf die Fahnen geschrieben haben“. Mit mäßigem Erfolg. Bis eine Frau auf die Suchaktion aufmerksam wird, die Kontakt zu Jürgen Drews herstellen kann. Der Schlagersänger („Ein Bett im Kornfeld“) verbreitet Birgits verzweifelte Suche über seine Social-Media-Accounts, Tausende teilen den Suchaufruf. Zeitungen, Radio und Fernsehen veröffentlichen Artikel, Youtube-Videos werden gedreht, immer wieder verteilt Birgit Pellenz’ Flyer. „Ohne die Medien hätte ich doch gar keine Chance“, begründet sie ihre Bemühungen.

Quelle: YouTube (erweiteter Datenschutzmodus)

Inzwischen winkt demjenigen, der Andi zu seinem Frauchen zurückbringt, eine für ein Tier astronomisch hohe Belohnung. 10.000 Euro hat ein Spender anonym bei einem Augsburger Anwalt hinterlegt. Doch Andi bleibt verschwunden.

„Ich denke, dass der, der ihn losgeschnitten hat oder auch die Person, bei der Andi jetzt lebt, nicht mitbekommen hat, dass ich ihn suche“, mutmaßt Birgit Pellenz. „Ich treffe immer wieder auf Spaziergänger, die, obwohl sie aus der Gegend kommen, nichts von der Suchaktion wissen.“ Auch das treibt sie an, weiterzumachen.

Wenn sie über Andi spricht, stockt ihr Redefluss. Das Video, das ein Amateurrapper über die Suche nach Andi gedreht und auf der Videoplattform Youtube veröffentlicht hat, kann sich die 64-Jährige nicht ansehen. Der Verlust wiegt schwer. So schwer, dass manche Menschen schon lange nicht mehr nachvollziehen können, warum Birgit Pellenz auch zwei Jahre nach dem Verschwinden immer noch krampfhaft nach ihrem Andi sucht. „Manche sagen, ich sei bekloppt. Andere sagen: ,Jetzt ist es aber langsam mal gut‘ und wieder andere entfernen meine Flyer. Warum, verstehe ich nicht. Ich schade doch niemandem mit meiner Suchaktion.“

Andi wäre inzwischen sechs Jahre alt. Dackel können bis zu 16 Jahre alt werden. Birgit Pellenz will die Suche nach ihrem Andi auch in diesem Jahr nicht aufgeben. „Niemand hat damit gerechnet, dass ich wegen einem Dackel so ein Fass aufmachen würde“, sagt sie. Und etwas leiser fügt sie hinzu: „Ich würde meinen letzten Pfennig geben, um Andi zu finden.“

Von unserer Mitarbeiterin Celina de Cuveland

Chronologie von Andis Verschwinden

21. Dezember 2015: Gegen 5 Uhr will Birgit Pellenz ihren Andi nach einem Waldspaziergang bei Aremberg auf einem Parkplatz wieder in ihr Auto bringen, um nach Hause zu fahren. Der Rüde wittert eine Wildspur, prescht samt Leine und Halsband in den Wald. Birgit Pellenz ruft nach dem Hund, beginnt die Umgebung abzusuchen, informiert Feuerwehr und Bekannte, die sie bei der Suche unterstützen könnten. In der Nacht regnet und stürmt es.

22. Dezember 2015: Eine Hundestaffel sucht nach Andi, erfolglos. Birgit Pellenz durchkämmt mit Helfern den Wald. Am Abend glaubt sie, unweit ihrer Wohnung ein Bellen von Andi zu hören. Zwei Helfer ziehen los, suchen nach dem Rüden – ohne Erfolg.

13. Mai 2016: Leine und Halsband von Andi werden etwas abseits eines Weges am Rand von Aremberg gefunden. Seitdem fehlt jede Spur von dem Rüden. dcc

Wer Hinweise darauf geben kann, was mit Andi passiert ist, wird gebeten, sich unter 0151/659.092 64 oder per Mail an info@andi- verzweifelt-gesucht.de zu melden. Die Hinweise werden auch anonym entgegengenommen.

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