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Walporzheim

Sanct Peter: Ein Pilgerziel mit Historie (39)

Die automatische Tür im Eingangsbereich täuscht nicht darüber hinweg: Das Historische Gasthaus Sanct Peter in Walporzheim atmet Geschichte. Diesen Gedanken hatte auch Klaus Jungmann, Direktor des Sanct Peter, als er vor 27 Jahren nach beruflichen Stationen in Paris, London und der Schweiz seinen Dienst dort antrat. „Das Haus machte einen erhabenen Eindruck auf mich“, erzählt Jungmann, während er die Tür zum Wappenzimmer, dem ehemaligen Rittersaal, öffnet. „Das ist alles gewachsen, so was kann man nicht künstlich schaffen.“

Von unserer Mitarbeiterin Petra Ochs

Familie Brogsitter pflegt das Haus als Kleinod und scheut sich auch nicht vor Investitionen. Und so kommt es, dass das Haus mit „der größten Restaurantvielfalt des Ahrtals in einem Haus“ werben kann: Es gibt drei verschiedene Speisekarten, und die Gäste können sich wahlweise im Gourmetrestaurant oder dem Restaurant Weinkirche, auf der Gartenterrasse, in der Kaminstube oder in der Lounge kulinarisch verwöhnen lassen. Doch wo immer man sich auch beköstigen lässt: In der Küche geben die Köche Dirk Burger und Stefan Krupp den Ton an. Darüber hinaus sorgen knapp 40 weitere Mitarbeiter für das Wohl der Gäste.

Und diese kommen auch wegen des Weins. In der Sanct-Peter-Vinothek, die gleich neben der Rezeption in einem der ältesten Teile des Hauses angesiedelt ist, ist das komplette Brogsitter-Sortiment zu bekommen – und das zu Kellerpreisen. Gemütlichkeit wird im angrenzenden Kaminzimmer mit den uralten Schieferbruchsteinwänden großgeschrieben. Buntglasfenster filtern das Tageslicht. Das Wappen über dem Kamin, dunkles Holz, Kerzen und heimelige Lampen tun ihr Übriges zur gediegenen Atmosphäre hinzu.

Heller und holzvertäfelt präsentiert sich der Gourmetbereich des Hauses. Von dort ist es nicht weit zur modernen Loungebar, die vor sieben Jahren als Raucherbereich des Hauses entstanden ist.

Auf Tradition setzen die Brogsitters im Restaurant Weinkirche. „Die Weinkirche ist für viele Gäste der typische Sanct Peter“, sagt Jungmann. Und tatsächlich: Einiges erinnert hier an eine Kirche. Etwa die Galerie, die den hohen Raum umkränzt. Die Apostel tummeln sich auf den Kacheln des alten Ofens, der nicht mehr in Betrieb ist, weil er so raucht. Und eingelassen ins Fenster grüßt der heilige Petrus, Namensgeber des Hauses, mit dem Himmelsschlüssel im Arm.

Über die Galerie geht es zu weiteren Räumlichkeiten. Etwa dem Wappenzimmer. Das Besondere hier ist der Blick nach oben – denn der offenbart eine alte Weinkelter, die kopfüber an der Decke befestigt ist. Ebenfalls in der oberen Etage ist die Domherrenstube angesiedelt, die für geschlossene Gesellschaften und Tagungen genutzt wird. „Hier finden auch unsere Weinseminare statt“, erklärt Jungmann.

Zu Zeiten der Bonner Republik war das Gasthaus ein beliebter Anlaufpunkt für Minister und Co. Klaus Kinkel und Wolfgang Schäuble gehörten zu den regelmäßigen Gästen. Auch der Kanzler ließ es sich dort schmecken. Inkognito – soweit dies überhaupt möglich war. „Helmut Kohl hat immer hier in der Ecke gesessen“, plaudert Klaus Jungmann aus dem Nähkästchen. Alle sechs bis acht Wochen sei er in der gepanzerten Limousine vorgefahren, oft mit Ministern im Schlepptau. Ein Liebhaber abgehobener Genüsse sei Kohl aber nie gewesen, erinnert sich Jungmann: „Er hat gern einfach gegessen. Kalbsleber oder geschmorte Ente etwa.“

Der Regierungsumzug nach Berlin sei schon eine „bittere Pille“ gewesen, habe aber wirtschaftlich nicht sonderlich geschadet. Denn auch danach ist es nicht unbedingt stiller geworden im Gasthaus Sanct Peter, weil die Politiker und Regierungsangestellten von Managern und Mitarbeitern der großen Bonner Unternehmen wie Post und Telekom abgelöst wurden. Einige Gäste der Bonner Ära hat sich das Restaurant aber erhalten. Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher etwa ist nach wie vor Stammgast.

Ein ebensolcher war auch Thomas Gottschalk in der Zeit, als er Schloss Marienfels bewohnte. Ansonsten geht eine bunt gemischte Gästeschar aus dem Großraum Köln-Bonn, Düsseldorf, Rhein-Sieg-Kreis und dem Ruhrgebiet sowie den Beneluxstaaten im Sanct Peter ein und aus. Und auch viele Kreisstädter gönnen sich gern mal einen Besuch im Historischen Gasthaus direkt vor ihrer Haustür.

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