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Heimersheim

Heimersheim: Zwischen Historie und Moderne (46)

Radfahrer, die gegen die Einbahnstraße fahren, sind in Heimersheim keine Seltenheit. Denn was andernorts ein Vergehen ist, ist hier per Gemeinderatsbeschluss erlaubt. Heimersheim war immer schon ein bisschen eigen. Gut 3000 Einwohner – die von Ehlingen dazugerechnet – zählt der Ort am Fuße der Landskrone.

"Und im Gegensatz zu Neuenahr und Ahrweiler stehen wir im Rheinischen Städteatlas", erklärt stolz Angelika Lüdenbach, die seit 1999 Ortsvorsteherin in Heimersheim ist. Der Ort sei auch schon immer reich und autark gewesen – Ackerbau und Viehzucht, Flachsanbau und Wein sei Dank.

Vom ehemaligen Stadtstatus sind noch einige sichtbare Spuren in Heimersheim geblieben. Zum Beispiel Teile der Stadtmauer. Ein Schmuckstück ist das Westtor, das zu Zeiten von Bürgermeister Rudolf Weltken neu aufgebaut wurde. Seit 1995 setzt sich der Weinort mit historischem Stadtkern und schönen alten Hofanlagen Jahr für Jahr besonders in Szene: Das traditionelle Weinfest wird seitdem sehr erfolgreich am dritten Augustwochenende als "Historisches Weinfest" gefeiert, um sich von den "normalen" Weinfesten abzusetzen. "Weil wir die Landskrone mit der Burgruine direkt über uns haben", erklärt Angelika Lüdenbach.

Eine lange Geschichte hat auch die Kirche St. Mauritius. Ein eigenes Kapitel darin hat die langwierige Restaurierung des Gotteshauses: Seit 2006 wird an der spätromanischen Emporenbasilika aus dem 13. Jahrhundert gewerkelt. Und das tat not: Das feuchte Erdreich hatte Mauerwerksschäden verursacht, sogar der Kirchturm war in Schieflage geraten. Ein Jahrzehnt dauerten die statische Sicherung und die Dacharbeiten. Mittlerweile wird die Kirche mit den spätromanischen Glasmalerei-Fenstern im Chor, die zu den ältesten Kirchenfenstern in Deutschland zählen, auch im Innern saniert.

Alte Ahrbrücke war Wahrzeichen

Neben Fachwerkhäusern sind im Ortskern verdächtig viele Backsteinhäuser vertreten. Grund: Im Heimersheim gab es einst eine Ziegelbrennerei. Apropos Brennerei: Schon seit 1859 wird hinter historischen Mauern in der Schnapsbrennerei Wilhelm Braun Erben Hochgeistiges produziert. Und einige Straßen weiter erinnert an einer Häuserwand eine Zeichnung an die alte Ahrbrücke, die beim Bau der B266 weichen musste.

Der Abriss der alten Brücke hat in Heimersheim eine Wunde gerissen, die auch der Brückenneubau an anderer Stelle nicht heilen konnte. Im Gegenteil: Als "Puckelbrücke" ist die neue Ahrbrücke bekannt. Sie ist die einzige fußläufige Verbindung zum Heimersheimer Bahnhof auf der anderen Ahr-Seite, jedoch so steil, dass viele lieber einen Bahnhof weiter mit dem Auto nach Bad Neuenahr fahren, als zu Fuß über die Brücke zu gehen, berichtet die Ortsvorsteherin.

Ihr Ort ist quasi umzingelt – von der Ahr, der Umgehungsstraße und den Bahngleisen. Quasi in Sichtweite ist die Autobahn. Das bringt aber auch eine gute Verkehrsanbindung mit sich. Und die ist es auch, die Heimersheim als Wohnort gerade für junge Familien so attraktiv macht. Dazu kommt die weitere Infrastruktur, die im Grunde keine Wünsche offenlässt: Es gibt eine Grundschule, zwei Kindergärten, Ärzte, Banken und auch einige Geschäfte.

Gewerbegebiet ist gefragt

Karnevalsgesellschaft und Schützen, Backesvereine, Gesangverein und Angelsportler, Taubenzüchter, Junggesellen, die TuS, der Tischtennisverein und auch die Heimersheimer Kellerkinder sorgen neben anderen Vereinen für ein reges Vereinsleben. Groß gefeiert werden kann in der Landskroner Festhalle. Nur der eigene Pastor fehlt irgendwie. "Wir sind eine richtige Diaspora geworden", kommentiert Angelika Lüdenbach über den Umstand, dass sich Heimersheim den Pfarrer mit anderen Pfarreien teilen muss.

Die Heimersheimer Wirtschaftsbetriebe fühlen sich im Gewerbegebiet wohl. So wohl, dass der Platz nicht mehr ausreicht. Die Ortsvorsteherin setzt auf eine Ausweitung der Gewerbeflächen in Richtung Heppingen. "Wir haben Jungunternehmer, die noch Platz brauchen", sagt sie. Doch das geplante neue Gewerbegebiet hat in Heimersheim längst nicht nur Befürworter, und das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Zur Historie

Im Jahre 893 wurde Heimersheim erstmals im Prümer Güterverzeichnis erwähnt. Die Nähe zur Rheinschiene brachte dem Ort seine strategisch bedeutsame Lage ein, die bereits im 15. Jahrhundert, vielleicht auch schon früher, durch eine Befestigung mit Tor und Turm gesichert wurde. Überbleibsel dieser spätgotischen Befestigung gibt es am wieder aufgebauten Westtor und auch am Alten Backhaus. Eine förmliche Stadterhebung ist laut Rheinischem Städteatlas nicht überliefert, Heimersheim erscheint ab 1642 aber unter den Jülichschen Städten. Während des 30-jährigen Krieges wurde Heimersheim im Juli 1646 von Weimarischen Truppen besetzt und geplündert. 323 Jahre später, am 7. Juni 1969, wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde in die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler eingegliedert.

Petra Ochs

Bad Neuenahr-Ahrweiler
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