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Oberwinter

Es brodelt: Oberwinterer kämpfen um ihren Bahnhof

Judith Schumacher

Für 5,2 Millionen Euro soll der Oberwinterer Bahnhof umgebaut werden. Die Arbeiten verzögern sich, wie die Deutsche Bahn jetzt der Stadt Remagen mitgeteilt hat. Der Grund: Die Ausschreibung sei „unfruchtbar“ verlaufen. In Oberwinter brodelt es. Nicht nur deshalb.

Die Überdachung der Bahnsteige in Oberwinter soll verschwinden und durch Wartehäuschen ersetzt werden. Jetzt regt sich Groll.
Die Überdachung der Bahnsteige in Oberwinter soll verschwinden und durch Wartehäuschen ersetzt werden. Jetzt regt sich Groll.
Foto: Judith Schumacher

Nun gründet sich eine Bürgerinitiative, die sich dafür einsetzt, dass der Umbau „kundenfreundlicher“ geplant wird. Dazu gibt es eine Strafanzeige gegen die Deutsche Bahn wegen Vandalismus.

Doch der Widerstand kommt spät. Denn die Pläne sind kurz vor der Umsetzung.

Einer der Widerständler ist Ingo Konrads, auch bekannt als Weinkabarettist. Er erinnert daran, dass Oberwinter schon den ersatzlosen Wegfall eines Drittels der Zugverbindungen verkraften muss. Mit der Folge, dass Berufspendler auf das Auto umgestiegen sind und die B 9 sich jeden Morgen mit Elterntaxis füllt, die ihre Kinder zur Schule fahren und später abholen.

Konrads sagt: „Und jetzt sollen auch noch die völlig intakten Bahnsteigdächer, wie Sinzig sie für den Bahnhofsumbau neu bekommt, abgebaut werden.“ 1500 Fahrgäste täglich nutzten den Bahnhof. Dort steigen nicht nur die Oberwinterer ein und aus, sondern auch viele Fahrgäste aus Bandorf, Oedingen, Unkelbach und Rolandseck.

Bei schlechtem Wetter boten ihnen die Dächer bislang Schutz. Das Vorhaben, diese bewährten Überdachungen auf den zwei Gleisen durch Glashäuschen zu ersetzen, hält Konrads für unsinnig. Auch weil Überdachungen keinen Reiz auf Vandalen ausüben, bei Wetterschutzhäuschen ist das anders. Der Oberwinterer Wolfhart von Stackelberg wertet den geplanten Abbruch der Dächer gar „als Vandalismus“. Er hat deshalb bei der Staatsanwaltschaft Koblenz Strafanzeige gestellt gegen die Deutsche Bahn und alle sonst noch für diese Planung verantwortlichen Gremien, wie er der RZ mitteilt.

Zu den Gründern der Bürgerinitiative gehören neben Konrads Philipp Rosenthal und der in Oberwinter lebende Student Robert Schittko. Letzterer hat Infoblätter verteilt und eine Internetseite zum Bahnhof geschaltet, die sich zum Sammelbecken von frustrierten Bahnkunden entwickelt hat. Über diese Seite sind 25 Beschwerden gesendet worden: an die Bahn, die Stadt Remagen und den Kreis Ahrweiler. Dazu ärgern sich die Widerständler auch über folgendes Detail, sagt Konrads: „Anstatt eine 100 Meter lange Behindertenrampe als Zugang zu den Gleisen zu bauen, wären Aufzüge optimal und auch nicht teurer im Bau.“

Wichtig ist den Gründern der Initiative nachhaltiges Denken. Dazu gehört, wieder bessere Verbindungen herzustellen: „Wir werden es sicher nicht schaffen, dass der Rhein-Express 5 wieder hier hält. Aber wir können jetzt noch konstruktive Ideen bündeln.“

Eine davon wäre, die Regionalbahn 48, die von Wuppertal bis zur Endstation Mehlem fährt und dort über Nacht bleibt, bis Remagen fahren zu lassen und nachts in Oberwinter zu parken. Das könnte erst geschehen, wenn die Bahn wie geplant die beiden stillgelegten Bahngleise in Oberwinter wieder hergestellt hat. Das Gleis 3 (Richtung Remagen) könnte so nach einem Wiederaufbau nicht nur als Ausweichgleis für Güterzüge genutzt werden. Sondern es könnte auch mit dem Halt der RB 48 für einen guten Ersatz des wegfallenden RE 5 in Richtung Köln sorgen.

Die Macher der Internetseite meinen: „Die Abfahrt der RB 48 in Oberwinter wäre zur Minute '37 möglich. Dadurch wäre der Umstieg auf den RE 5 oder den für 2019 geplanten Rhein-Ruhr-Express in Bonn gewährleistet.“ Beim Schüler- und Pendlerverkehr sei es hilfreich, wenn die Ahrtalbahn morgens eine Stunde früher fahren würde. Gerade auch, weil immer wieder gefordert werde, den ÖPNV weiter auszubauen.

Konrads fragt: „Wie kann der Plan der Bundesregierung, bis 2030 die Anzahl der Schienennutzer zu verdoppeln, aufgehen, wenn in der Fläche die Orte abgehängt werden?“ Es könne nicht angehen, dass Rhein-Anlieger alle Nachteile der Bahn wie den Lärm zu ertragen hätten, die Vorteile aber nicht nutzen könnten.

Die Gründungsversammlung der Bürgerinitiative findet statt am Freitag, 25. Mai, um 20 Uhr im katholischen Pfarrheim, Laurentiusstraße in Oberwinter. Weitere Infos unter www.bahnhof-oberwinter.de

Von unserer Mitarbeiterin Judith Schumacher

Stadt Remagen: Keine Möglichkeit, auf Umbau einzuwirken

Mit ihrem Protest ist die Bürgerinitiative spät dran. Denn: Die Umbaupläne stehen kurz vor der Umsetzung. Die Stadt Remagen hat den Initiatoren der Bürgerinitiative mitgeteilt, dass es weder bei der Auslegung der Pläne noch bei einer Infoveranstaltung Einsprüche von Bürgern gegeben habe.

Zudem könne die Stadt nicht auf das Bauverfahren einwirken und sei gesetzlich verpflichtet, einen Teil der Baukosten zu übernehmen. Sie finanziert für rund 750.000 Euro den Zugang zu den Gleisen (Rampen), die Modernisierung der Personenunterführung und den Dachabriss. Die Dächer sind laut Bahn in Teilen marode, ein Wiederaufbau sei zu teuer. Gleichwohl hat Remagens Bauamtsleiter Gisbert Bachem die Bahn aufgefordert, besonders zu den Dächern konkret Stellung zu nehmen. Zudem hat die Stadt rund 100 Beschwerdebriefe der Bürger an die Bahn weitergeleitet; diese werde sich äußern. ith

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