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Bad Kreuznach

Vaillant-Werk macht zum 31. März endgültig dicht

Schlechte Aussichten für die Beschäftigten des Vaillant-Werks. Ende März wird die Produktion eingestellt und die meisten der Mitarbeiter entlassen. Nur für wenige haben sich neue berufliche Perspektiven ergeben.

Bad Kreuznach – Schlechte Aussichten für die Beschäftigten des Vaillant-Werks. Ende März wird die Produktion eingestellt und die meisten der Mitarbeiter entlassen. Nur für wenige haben sich neue berufliche Perspektiven ergeben.

In wenigen Wochen geht im Bad Kreuznacher Vaillant-Werk endgültig das Licht aus, doch bisher haben offenbar nur wenige der von der Werksschließung betroffenen Mitarbeiter eine neue berufliche Perspektive gefunden. Im April 2010 hatte die Konzernspitze das Aus für den Traditionsstandort und die Produktionsverlagerung nach Remscheid angekündigt (wir berichteten). 57 Mitarbeiter waren damals im Werk in der Alzeyer Straße beschäftigt, derzeit sind es nach Unternehmensangaben noch 54. Einem Drittel von ihnen wurde nach Angaben von Pressesprecher Jens Wichtermann zum 31. März gekündigt. Dann endet auch die Fertigung. Die meisten übrigen Mitarbeiter müssen zum 30. April gehen. „Ab Mai stehen die Gebäude zum Verkauf“, kündigte Wichtermann an.
Nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden Harald Wolffs hat nicht einmal eine Handvoll der Beschäftigten ein neuen Job gefunden. Nur zwei Produktionsmitarbeiter seien inzwischen in anderen Firmen tätig – „mit erheblichen Gehaltseinbußen“. Zwei Angestellte würden an andere Firmenstandorte wechseln, zwei weitere Mitarbeiter in Altersteilzeit gehen, so Wolffs. 37 Frauen und 16 Männer würde aber voraussichtlich arbeitslos. „Für viele dürfte es auf dem Arbeitsmarkt schwierig werden“, fürchtet er. Denn ihr Altersdurchschnitt liege bei knapp über 50 Jahren, die meisten seien im gewerblichen Bereich eingesetzt gewesen.
Der Sozialplan dürfte für viele Betroffene auf Dauer den Verlust des Arbeitsplatzes nicht abfedern, ist Wolffs überzeugt. Laut Wichtermann wurden Abfindungen für die Beschäftigten „über das gesetzlich festgelegte Niveau hinaus“ vereinbart, daneben die Auszahlung des Weihnachts- und Urlaubsgeldes für 2011 und ein Härtefallfonds – laut Wolffs 300 000 Euro, die an alle Mitarbeiter verteilt werden. „Schließlich sind wegen des Alters fast alle von uns Härtefälle“, sagt der Betriebsratsvorsitzende. Für seine Kollegen sei die Abfindung zwar eine Hilfe, „aber das Geld ist schnell aufgebraucht“, sagt Wolffs. „Viele werden später unweigerlich unter die Hartz-IV-Reglung fallen, das ist sehr traurig“.
Rund einem Dutzend Mitarbeiter hat Vaillant in den vergangenen Monaten den Gabelstaplerführerschein finanziert. Außerdem wurden für alle Beschäftigten Bewerbungstrainings organisiert. Auch die Agentur für Arbeit war zu einer Infoveranstaltung im Betrieb und die Vermittler bemühen sich nach Auskunft von Pressesprecherin Petra Bürkle intensiv um die Betroffenen. Bei einigen werde geprüft, ob eine Weiterbildung möglich sei, außerdem seien zahlreiche Vermittlungsvorschläge gemacht worden.
Die „heiße Phase“ beginne allerdings erst jetzt, da jahreszeitlich bedingt ab dem Frühjahr der Stellenmarkt für gewerbliche Beschäftigte wieder anziehe. „Aus unserer Sicht sind diese Mitarbeiter, die lange in einem angesehenen Betrieb erfolgreich gearbeitet haben und trotz dieses Rückschlags so aktiv und engagiert nach Perspektiven suchen, jedem Arbeitgeber nur zu empfehlen“, betont sie.
Trotz aller Unterstützung sind die verbliebenen Mitarbeiter angesichts der näher rückenden Arbeitslosigkeit „psychisch sehr angeschlagen“, sagt Wolffs. Zumal die Werksschließung bis heute für viele unverständlich sei. Leider habe es aber aus der Politik in der Stadt und im Land nicht genügend Rückhalt im Kampf um den Standort gegeben, kritisiert er. „Bei Delphi ist das anders, aber wir waren vielleicht zu klein und es war noch nicht Wahlkampfzeit.“

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