40.000
Aus unserem Archiv
Bad Kreuznach

Opfer durchlebt Mordanschlag durch Maskentäter noch einmal

Bevor der Mann mit der „Jigsaw"-Maske am 25. März versuchte, eine 46-Jährige in ihrer Wohnung mit einem Messer umzubringen, hatte es bereits andere Pläne dieser Art gegeben. Beim Opfer kommen unterdessen verdrängte Bilder durch den Prozess wieder hoch.

Maske
Eine solche Maske trug der Täter.
Foto: Polizeipräsidium Mainz

Von Kurt Knaudt

Die 43-jährige mutmaßliche Auftraggeberin für den versuchten Mord an ihrer Nebenbuhlerin muss sich möglicherweise noch wegen weiterer Straftaten verantworten: Ihren Sohn und dessen Freundin soll sie überredet haben, der Konkurrentin durch eine mit Amphetaminen präparierte Zigarette zumindest erheblich zu schaden.Staatsanwalt Dr. Claus-Nils Leimbrock will die Anklage deswegen noch um versuchte Anstiftung zum heimtückischen Mord aus niederen Beweggründen und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz erweitert sehen – worüber das Gericht noch befinden wird.

Besagter Vorfall ereignete sich am 28. Januar in Bingen: Der 21-jährige Sohn und dessen Freundin suchten die 46-Jährige an ihrem Arbeitsplatz auf. Der Plan konnte jedoch nicht verwirklicht werden: Sie hatte schlicht keine Zeit, um mit nach draußen zu gehen und die ihr angebotene Zigarette zu rauchen.

Für den Sohn der Auftraggeberin sieht der Staatsanwalt nach den bisherigen Erkenntnissen im Prozess den Tatbestand der unmittelbaren Beihilfe zur Tat erfüllt, wie er am vierten Verhandlungstag deutlich machte. Der 21-Jährige hatte dem Täter unmittelbar vor dem versuchten Mord neben der „Jig-saw"-Maske auch den nachgemachten Schlüssel für die Wohnung des Opfers übergeben.

Dort wartete der Maskenmann im Schlafzimmer, bis die Frau vom Einkaufen zurückkam. Mit den Worten „Na, du alte Schlampe" attackierte er die 46-Jährige mit einem Messer, das er über ihren Hals zog. Mit einem Kugelschreiber demonstrierte sie vor Gericht, wie der Täter den Schnitt ausführte. Als sie, anders als von ihm erwartet, nicht sofort umfiel, sondern sich wehrte und ihm dann sogar die Maske vom Gesicht riss, sei ihm erst bewusst geworden, was er getan habe, sagte der 22-Jährige aus. Die Frau leidet psychisch bis heute unter den Folgen der Tat, die sie nur durch glückliche Umstände überlebte. Die Wunde am Hals ist verheilt, „aber ich habe immer noch Angst, wenn ich allein in der Wohnung bin. Die Bilder verfolgen mich." Damit sie sich sicherer fühle, habe sie sich einen Hund angeschafft.

Der Prozess hat das traumatische Ereignis noch einmal ganz nah herangeholt und manches wieder aufgewühlt. Sie durchlebt den Mordanschlag noch einmal. Zudem erfuhr sie an den ersten Verhandlungstagen, wie die Angeklagten Möglichkeiten durchspielten, um sie zu töten. „Es geht mir nicht gut. Mein Verdrängungsmechanismus funktioniert nicht mehr", berichtete sie. Zugleich aber machte die 46-Jährige, die sich in psychologischer Behandlung befindet, deutlich: „Ich kämpfe. Ich will mir dadurch nicht mein Leben kaputtmachen lassen." Der Prozess wird am Donnerstag, 30. Oktober, um 9 Uhr fortgesetzt.

Bad Kreuznach
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional

Bettina TollkampBettina Tollkamp
Chefin v. Dienst
Online
E-Mail

News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
UMFRAGE
Markt am Samstag?

Das Mainzer Markt-Frühstück ist ein Kult-Event. Wäre das auch etwas für Bad Kreuznach?

Anzeige
Regionalwetter
Mittwoch

15°C - 29°C
Donnerstag

16°C - 29°C
Freitag

8°C - 23°C
Samstag

11°C - 19°C
epaper-startseite