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Bad Kreuznach

Ein Jahr nach den Turbulenzen: Ex-Lafer-Mensa soll nun auch ein wirtschaftlicher Erfolg werden

Demo auf Schulhof und Kornmarkt: Ein Jahr ist es her, dass Schüler, Eltern und Lehrer von Römerkastell und IGS Sophie Sondhelm für „FoodEducation“ auf die Straße gingen. Ohne Erfolg. Der Kreistag vergab den Mensa-Betriebsauftrag am 22. Mai 2017 an die Berliner MenüPartner (MP).

Zwischen 400 und 450 Essen verlassen seit gut zehn Monaten täglich die von Koch Jan Lehmann geleitete und mit sieben weiteren Mitarbeitern getragene Frischeküche der ehemaligen Lafer-Mensa – und damit 100 weniger als noch zu FoodEducation(FE)-Zeiten.

Diskussionen von 2017 hallen nach

Das liegt teils an Organisation und Unterrichtsnotwendigkeiten, aber eben auch an der nachhallenden Diskussion über das Aus der FE-Mensa 2017. Es bleibt dabei: „400 bis 450 Essen sind zu wenig, um wirklich rentabel zu wirtschaften“, macht MP-Regionalleiter Dako Dombrowski klar und redet dabei auch nicht um den heißen Mensa-Brei herum: „Wir sind am Kämpfen.“ Wen wundert's: Gering sind die Gewinnmargen an einem Essen, das stets nach bestem Frischestandard geboten und am Ende die Entgeltgrenze von 4,50 Euro – 3,50 Euro Eltern- und 1 Euro Kreisbeitrag – nicht überschreiten soll. Moderate Preisanhebungen? MenüPartner will sie nicht ausschließen, sieht aber auch keinen Automatismus.

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Zogen nach einem Jahr Bilanz (von links): Norbert Bohmeyer, stellvertretender Schulleiter des Römerkastell-Gymnasiums; Küchenchef Jan Lehmann; Dako Dombrowsky, Regionalleiter MenüPartner (MP); Kornelia Neumann, stellvertretende Leiterin der IGS Sophie Sondhelm sowie Michael Lanzendörfer und Anke Klengel von der MP-Unternehmenskommunikation.
Zogen nach einem Jahr Bilanz (von links): Norbert Bohmeyer, stellvertretender Schulleiter des Römerkastell-Gymnasiums; Küchenchef Jan Lehmann; Dako Dombrowsky, Regionalleiter MenüPartner (MP); Kornelia Neumann, stellvertretende Leiterin der IGS Sophie Sondhelm sowie Michael Lanzendörfer und Anke Klengel von der MP-Unternehmenskommunikation.
Foto: Stefan Munzlinge

m Ein-Jahr-Bilanz-Gespräch mit dem „Oeffentlichen“ betonen Dombrowski und MP-Kommunikationschef Michael Lanzendörfer: „Wir denken langfristig, wollen diese Mensa auch wirtschaftlich zu einem Erfolg machen.“ Nicht, dass sie die zunächst roten Zahlen überraschen: „Wenn man einen solchen bundesweit bekannten Standort mit einer Kücheneinrichtung, die uns total begeistert hat, eröffnet, dann ist die Rentabilität erst mal zweitrangig.“ Man wisse um Verantwortung, sehe, dass die Verzahnung mit allen Beteiligten in Mensa-Kommission, in Schüler- und Lehrer- wie Elternschaft immer besser greife.

Erster Vertrag läuft über drei Jahre

Die Geduld der Berliner ist längst nicht erschöpft, auch nach fast einem Jahr nicht (ihr Vertrag mit dem Kreis läuft ein weiteres Jahr, und sie haben eine Option, ein drittes Jahr zu verlängern). Von Anfang an fahren sie ein strenges Kostenmanagement. Das hat Priorität, denn: „An der Qualität der Ware oder an den Zutaten sparen wir nicht.“ Genauso wenig an der Kommunikation, wie die Schulleitungen beide immer wieder unisono betonen. Der beim Bilanzgespräch beschriebene Weg steht: Weiter dem Tagesgeschäft eines Unternehmens nachzugehen, das 400 deutsche Mensen betreibt: 200 in Schulen, 200 in Kindertagesstätten (davon 13 im Rhein-Main-Gebiet). Und das heißt: Das Essen noch attraktiver zu machen.

Bei Hotdogs und Burgern gleich 50 Esser mehr in der Mensa

Ernährungsberatung, Koch-Atelier, Wunschessen ... MenüPartner, das sagen die Kooperationspartner aus Röka, IGS und Kreis, gibt sich alle Mühe, das Essverhalten der Kinder und Jugendlichen zu formen. Allerdings: Gibt es Hotdogs oder Burger, steigt die Zahl der Esser sofort um 50 an. Pizzavariationen sind weniger gefragt, dafür Nudeln umso mehr. Credo: Junkfood darf sein, alle drei bis vier Wochen. Mehr nicht. Und: Kinder und Jugendliche sind zunehmend sensibel für gutes Essen. mz

Indem MenüPartner mit den Schülern und Lehrern vereinbarte Essenswünsche kontinuierlich umsetzt, indem die Caféteria neu bestückt und das Bistro länger öffnet, und indem man dem Ernährungsbewusstsein von Eltern, Kindern und Jugendlichen folgt und beispielsweise eine Naturjoghurtbar einrichtet: „Die kommt sehr gut an.“ Und indem die Berliner ab dem neuen Schuljahr die Fünftklässler mit der „vollen Ernährungsperformance“ umgarnen und deren Eltern überzeugen wollen. Und sie schwören auf ihre lokalen Lieferanten: die Lohners bei den Backwaren, Schwälbchen beim Frischedienst wie den Milchprodukten, mit dem Lebensmittelgroßhandel Chef Culinar aus Wöllstein, mit Daniel Elsners Seibersbacher Hühnerhof, Hills Früchte, dem KM Frischedienst mit Gemüse und Obst, mit Peter Hünten bei den Fleischwaren und dem Bad Kreuznacher Grumbach & Sohn-Getränkeservice.

Auf einer Skala von 0 bis 10 sehen diese Röka-Zwölftklässler das Essen in der von MenüPartner betriebenen Mensa bei 7 (von links): Lisa Medinger, Pauline Gaul, Dominique Metzen, Alina Krauchanka, Ronja Brosche und Niklas Ilin. „Schlechter als vorher bei FoodEducation, aber okay“, stellen sie fest.
Auf einer Skala von 0 bis 10 sehen diese Röka-Zwölftklässler das Essen in der von MenüPartner betriebenen Mensa bei 7 (von links): Lisa Medinger, Pauline Gaul, Dominique Metzen, Alina Krauchanka, Ronja Brosche und Niklas Ilin. „Schlechter als vorher bei FoodEducation, aber okay“, stellen sie fest.
Foto: Stefan Munzlinge

Mensa – ein pädagogisches Element

Mit am Tisch sitzen Kornelia Neumann von der IGS und Norbert Bohmeyer vom Röka-Gymnasium; beide sind stellvertretende Leiter ihrer Schulen und voll des Lobes für die Berliner. Das Essen sei „supertoll“, geboten überdies in einer traumhaften Mensa, schwärmt Frau Neumann. Immer wieder geht sie auf Werbetour für die Mensa, immer wieder erinnert sie Eltern ans täglich frische Essen. Die IGS hat 370 Ganztagsschüler (900 Schüler insgesamt), etwas mehr als 200 gehen regelmäßig in die Mensa, genau wie aus dem Röka (1100 Schüler insgesamt). Beide Schulen versuchen, mit ihren Unterrichts- und Kursplänen ein gemeinsames Essen der Klassen zu ermöglichen, Ziel: ein Ritual samt Benimmregeln schaffen, an dem alle teilnehmen, auch solche, die nicht fürs Essen gemeldet sind. Und so wird aus der Mensa, der reinen Verpflegungsstation, ein pädagogisches Element im Unterrichtskonzept von Röka und IGS.

Gutes Essen zahlt sich aus – für alle: Stefan Munzlinger zum Frische-Job der Berliner MenüPartner in Röka/IGS

Die Bilanz des ersten Jahres in der ehemaligen Lafer-, dann FoodEducation und sich seit 22. Mai 2017 etablierenden MenüPartner-Mensa klingt erfreulich oder ernüchternd – kommt ganz auf den Standort des Zuhörers an.

Stefan Munzlinger 
Stefan Munzlinger 

Kaufmännisch betrachtet müssen die Berliner mit ihrem „Frisch-Küche“-Programm bei der Kundenzahl um gut 20 Prozent zulegen, denn bei zu wenigen Essern werden auch sie nicht satt. Das bundesweit strahlende und einst von Land und Lafer initiierte und mit reichlich Staatsgeldern realisierte Referenzprojekt Röka-Mensa muss rasch in die Gewinnzone fahren.

Dass die Berliner sich nicht sofort auf schwarze Zahlen fixieren, ist vor allem eines: clever. Zu stark war die emotionale Bindung des FoodEducation-Teams um Johannes Zimmermann und Sebastian Rösler an die junge Röka- und IGS-Klientel. Damals kochte eine große Familie für sich selbst, heute sind die Rollen des Dienstleisters und seiner Kunden klar getrennt. Zwar klingt die Trauer um das FoodEducation-Aus nach, aber langsam auch aus.

Das Zukunftsrezept:

  • 1. Der Anspruch der Eltern und Esser darf nicht ins Kraut schießen.
  • 2. Die Berliner sollten sich hüten, die Röka-IGS-Mensa in ein emotionsloses Profitcenter umzustylen.

Geduld und (Essens-)Qualität zahlen sich langfristig aus – auch für sie.

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