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Bad Kreuznach

Die Bad Kreuznacher Tafel: Von Essener Verhältnissen weit entfernt [Interview]

Seit Anfang des Jahres steht die Reling Bad Kreuznach unter Leitung von Rebekka Brenken (50). Im Rahmen der Umstrukturierung, die von den bisherigen Leitungskräften Sabine Altmeyer-Baumann und Daniela Essler längst geplant war, bot sich für Brenken die Chance die seit 2001 bestehende Reling zu leiten.

Rebekka Brenken liebt den Umgang mit den Gästen der Tafel. Foto:  Nürnberg
Rebekka Brenken liebt den Umgang mit den Gästen der Tafel.
Foto: Nürnberg

Ihr Aufgabenbereich umfasst dabei der Tagesaufenthalt mit täglich rund 60 Besuchern und die Tafel, die zurzeit etwa 1300 Kunden hat. Die neue Leiterin ist in Hopp-stätten geboren. Sie besuchte in Bad Kreuznach die Schule. Nach dem Abitur entschied sie sich für eine Krankenpflegeausbildung und arbeitete einige Jahre in der Kinderintensivabteilung. Anschließend hat sie ein Studium der Theologie und Philosophie in der Schweiz und in Frankreich abgeschlossen, ehe sie eines ihrer Hobbys zum Beruf machte und eine Gold- und Silberschmiedeausbildung absolvierte. Mit dem Meistertitel gründete sie ein Unternehmen und arbeitete bisher als Kunsthandwerkerin und Restauratorin. In den letzten Jahrzehnten lebte sie in Niederösterreich.

Frau Brenken, wie waren die ersten zwei Monate als Leiterin der Reling ?

Spannend – unglaubliche viele Begegnungen. Jeder hat sich bemüht, mir den Einstieg zu erleichtern. Das ist eine tolle Erfahrung.

Sie sind in Bad Kreuznach zur Schule gegangen und haben auch lange in Österreich gewohnt. Wie intensiv hat ihre Freundin Daniela Essler, langjährige leitende Mitarbeiterin der Reling , geworben, ehe sie an die Nahe zurückgekehrt sind?

Da muss ich schmunzeln. Meine Freundin ist seit der ersten Stunde der Reling mit dabei. Ich habe in all den Jahren ihr Engagement und ihre Freude, dort mitzuhelfen und mitgestalten zu können, mitbekommen. Ein bisschen möchte ich ihr Herz im Treffpunkt Reling weiterhin präsent halten. Und es macht mir Freude, mit ihr hier weiter zu arbeiten.

Sie haben die Aufgaben von Sabine Altmeyer-Baumann und Daniela Essler übernommen. Ist es sinnvoll, dass die Leitung nun in einer Hand liegt?

Ja, das denke ich schon. Der Situation geschuldet, dass eine Umstrukturierung nötig wurde, ist es auch eine Chance, Aufgaben noch mal neu anzuschauen, zu ordnen und zu definieren.

Wie reagieren denn die Gäste und Kunden auf die Neue?

Da war ich überrascht! Vielleicht gerade weil es hier ein so herzliches Miteinander gibt, wurde ich unkompliziert aufgenommen. Als Freundin von Daniela hatte ich sicher Bonuspunkte, nun muss ich sie auch einlösen.

Sie übernehmen die Leitung der Reling zu einer Zeit, da gefühlt die Kälte in der Gesellschaft weiter zunimmt. Wie kann die Reling ein wenig Wärme vermitteln?

Kälte der Gesellschaft zu verorten, würde ich nicht so pauschal sagen. Das muss man differenzierter sehen. Das Engagement in großen Organisationen bis hinunter zu dem, der Sprachunterricht gibt, der Wäsche oder Spielzeug spendet, der ein Ehrenamt übernimmt, der sich zu uns mit Spenden auf den Weg macht, ist enorm. Oft sieht man das nicht.

Immer wieder gerät der Staat in die Kritik, weil er Hilfesuchende nicht genug abfedert, so dass stattdessen die Tafeln einspringen müssen. Sind sie der Meinung, dass der Staat sich aus der Verantwortung mogelt?

Die Tafeln, private Initiativen, aber auch unser Trägerverein dürfen in keinem Fall ein Alibi sein, dass dem Staat erlaubt, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Ich möchte persönlich auch, wenn ich die Anfangszeit hier gut geschafft habe, den engeren Kontakt zur Stadt und zu staatlichen Stellen pflegen. Insbesondere möchte ich Themen wie die Gefahr des Ausgegrenztseins durch Armut ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken, Aufmerksamkeit erzeugen und so den Standpunkt der betroffenen Menschen sichtbar machen.

Könnten Sie sich analog des Falls der Essener Tafel, der für Schlagzeilen sorgte, eine ähnliche Situation auch bei der Reling vorstellen?

Eines muss man wiederholt sagen dürfen. Vielfach war der mediale Umgang zum Schaden des Ehrenamts und vor allem der Betroffenen. Das hat auch Frau Altmeyer-Baumann in den vergangenen Tagen in vielen Statements deutlich gemacht. Die Haltung der Tafel ist eindeutig. In unserem Haus sind die Menschen auch ein Stück weit zu Hause. Ich habe erfahren, dass hier auf sie gehört wird. Und durch das System in der Tafel, dass die Nummern rotieren und jeder mal zu einer anderen Zeit bedient wird, kommt es nicht zu diesen Konflikten.

Haben Sie schon Ideen, wie die Reling mit ihrem Tagesaufenthalt und die Tafel weiterentwickelt werden sollte?

Zwei Wünsche fallen mir spontan ein: Dass die Wartesituation vor der Lebensmittelausgabe verändert wird – dergestalt, dass die Wartenden ihre Nummer in unseren Räumlichkeiten sehen können und so nicht mehr draußen warten müssten. Der zweite Wunsch betrifft die Beobachtung, dass vor allem ältere und gesundheitlich beeinträchtigte Personen nicht mehr zur Tafel kommen können und einen Bringedienst bräuchten. Da müssen wir uns anschauen, wie der Bedarf wirklich ist und wie wir das dann organisieren können.

Konnten Sie für Ihre Aufgabe viel von der Erfahrung Ihrer beiden Vorgängerinnen lernen?

Natürlich! So eine Arbeit ist in vielen Jahren gewachsen und ich hab das Gefühl, ein Zwerg auf den Schultern von Riesen zu sein. Beide bieten mir jegliche Hilfe weiter an!

Sind Sie auch schon persönlich in Bad Kreuznach angekommen?

Durchaus ja.

Die Fragen stellte Josef Nürnberg

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