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    Bad Sobernheim

    Der Zerstörung der Landschaft Einhalt gebieten

    Der Widerstand gegen Windkraftanlagen wächst an vielen Orten: Auch in der Verbandsgemeinde Bad Sobernheim stoßen die vom Büro Gutschker und Dongus für den überarbeiteten Flächennutzungsplan untersuchten Potenzialflächen auf einige Kritik. Um diesen vielfältigen Stimmen eine Plattform zu geben, hatten Windkraftgegner zu einer Informationsveranstaltung gegen noch mehr Windkraft in die Gemeindehalle Meddersheim eingeladen. Und mehr als 100 Interessierte kamen.

    Der Volkswirt Uwe Pilgram aus Weisenheim am Berg ging auf die windigen Geschäftspraktiken ein, die mit Einführung der EEG-Umlage zu aus dem Boden schießenden Windenergieanlagen geführt hätten und nahm die von Eveline Lemke initiierte Werbebroschüre aufs Korn.  Foto: Sascha Saueressig
    Der Volkswirt Uwe Pilgram aus Weisenheim am Berg ging auf die windigen Geschäftspraktiken ein, die mit Einführung der EEG-Umlage zu aus dem Boden schießenden Windenergieanlagen geführt hätten und nahm die von Eveline Lemke initiierte Werbebroschüre aufs Korn.
    Foto: Sascha Saueressig

    Von unserem Redakteur

    Sascha Saueressig

    "Wir haben unabhängige Fachleute eingeladen, um den Wildwuchs der Windkraft aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten", erklärte Moderator Roland Zick.

    Die Organisatoren der Veranstaltung sind der Ansicht, dass es den Entscheidungsgremien an umfassender Information mangele, für einzelne Gemeinden stünden die Einnahmen im Vordergrund, Folgen würden kaum bedacht. Uwe Anhäuser von der Bürgerinitiative Energiewende mit Vernunft betonte eingangs, dass sich inzwischen mehr als 100 000 Menschen gegen den Zwang, Windräder in die Landschaft zu stellen, wehrten und sich organisierten. "Die EEG-Umlage ist eine gesetzlich verbriefte Garantie auf Einnahmen aus Wind- und Sonnenenergie", sagte er. Doch während einzelne profitierten, müssten alle das Verbauen des Panoramas und der Natur ertragen -, zudem werde der Gesellschaft langfristig gesehen der Rückbau der Windradruinen überlassen. Heutige Anlagen seien im Durchschnitt gerade einmal zu 28 Prozent ausgelastet - in Rheinhessen nur zu 20 Prozent. "Der Katzenjammer ist gewiss", kritisierte er. Anschließend erläuterte der Staudernheimer Biologe Michael Altmoos Auswirkungen der Windkraft auf Umwelt aber auch Energiewirtschaft. "Windkraft ist zu instabil und ineffizient. Obwohl es bundesweit 26 000 Anlagen gibt, steuern sie nur 9 Prozent zum Energiebedarf bei." Ohne vernünftige Speichertechnologien könne Windenergie weder Atomstrom noch Kohlekraftwerke ersetzen. Somit trügen die Windräder faktisch dazu bei, das Kohlenstoffdioxidproduzenten am Netz bleiben müssten. Altmoos wünschte sich, den Fokus auf die Kombination effizienterer Technologien zu legen. Altmoos zitierte zudem eine Studie, die windkraftfreier Landschaft einen Marktwert von 100 000 Euro pro Jahr durch touristische Nutzung beimesse. Dies wegen ein paar schneller Euro leichtfertig aufs Spiel zu setzen, sei eine vorsätzliche Schädigung des Wirtschaftsraums.

    Auf die Gefahren für Wildvögel und Fledermäuse ging die Tierärztin Sabine Bender ein. Ihre Ausführungen zu den unterschiedlichen nicht kalkulierbaren Gefahren für Tiere griff auch das VG-Ratsmitglied Jörg Maschtowski (CDU) auf. Der Bad Sobernheimer Tierarzt, ausgesprochener Windkraftgegner, berichtete von zahlreichen Kleinvögeln aus dem Raum Lettweiler, die mit Knochenbrüchen tot aufgefunden worden seien. "Einmal fanden wir sogar einen Kranich mit zwei gebrochenen Beinen im Stadtgebiet", erklärte er. Vergegenwärtige man sich die Fläche, die die Rotoren eines Windrads bestreichen - 13 200 Quadratmeter - sei es nicht verwunderlich, dass immer wieder Vögel tödlich verunglückten, betonte Sabine Bender.

    Einen sehr emotionalen Appell richteten Silke Müller-Althauser, Vorstandsmitglied der neu gegründeten Naturschutzinitiative, sowie die junge Mutter Sonja Ott an die Zuhörer. "Die Schönheit der Natur gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen", erklärte Müller-Althauser, die vor fast zwei Jahrzehnten in den Rhein-Hunsrück-Kreis zog. Der Volkswirtschaftler Uwe Pilgram befasste sich mit monetären Aspekten und erklärte, dass 80 Prozent der Betreiber von Windparks keine Gewinne einführen. "Überall wo Braunkohle abgebaut wird, klagen die Anwohner gegen den Eingriff in ihr Lebensumfeld", sagte er und fragte: "Wo soll der Unterscheid zu Windkraft sein?" Beispielhaft zeigte Pilgram anhand der Bilanzentwicklung Pfalzwind GmbH auf, wie mit 59 Windrädern viel Steuergeld versenkt wurde. Seine Ausführungen zur Sorgfaltspflicht des Bürgermeisters und der Räte und die daraus folgende mögliche Haftung, konnte Stadtbürgermeister Michael Greiner so nicht teilen: "Einige Einwürfe passen nicht auf unsere Situation hier." Die Ausarbeitung der gesetzlich geforderten Vorrangflächen im Flächennutzungsplan diene doch dazu, Rechtssicherheit zu schaffen.

    Uwe Anhäuser warb abschließend dafür, alles zu tun, Windenergie zu verhindern und kritisierte die etablierte Politik. Der Beigeordnete der VG Rhaunen appellierte an seine Mitstreiter, Bauvorhaben zu stoppen. "Es gibt eine Partei im Landtag, die gegen Windkraft ist", sagte er in Anspielung auf die AfD. Anhäusers Mitreferenten wollten dessen Äußerung so nicht stehen lassen: "Unser Ansatz ist ein anderer, die AfD hängt sich nur an das Thema dran", betonte Michael Altmoos. Der AfD-Landtagsabgeordnete Jürgen Klein war zwar im Plenum und sagte, dass sich jeder über genehmigte Anlagen auf den Internetseiten zum Landesentwicklungsprogramm IV informieren könne. Weiterer Aussagen enthielt er sich jedoch.

    Bad Kreuznach
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