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Bingen

Binger Comedy Nights: Kabarett, Satire, Improvisation und höherer Blödsinn

Rainer Gräff

„Wir machen doch nur Blödsinn“, sagt der Franke im quietschbunten Sakko, dessen Anblick allein einem schon die Tränen in die Augen treibt. Dazwischen mischen sich Tränen vor Lachen, denn bei den Binger Comedy Nights treten Publikumslieblinge auf die Bühne, die es so richtig krachen lassen in Sachen Spaß, Klamauk und Humor. Beste Unterhaltung also für den, der's mag. Und dass die Zielgruppe erreicht wird, belegen die Verkaufszahlen der zweiten Auflage der Humoroffensive in der Alten Wagenausbesserungshalle im Park am Mäuseturm.

Nach dem Riesenerfolg der Premiere vor zwei Jahren haben sich das SWR-Fernsehen und die Stadt Bingen zur Neuauflage entschlossen – wieder vor der einmaligen Kulisse des Mäuseturms und der Ruine Ehrenfels über dem Rhein, durch die Glasfront stets präsent und auch von den Künstlern geschickt ins Programm eingebaut. Da wird die Ehrenfels zu „Neuschwanstein“, und ein wenig Spott gegen die hessischen Nachbarn aus Rüdesheim kommt in Bingen sowieso immer gut an. Mit Klischees spielt auch der erste Künstler am Donnerstagabend, bis das Publikum tief durchatmet und dann losprustet. Der Begge Peder in seiner Rolle als hässlicher Hausmeister versteht es routiniert, dem Alltag die kuriosesten Beobachtungen und Bewertungen abzuringen.

Irgendwie hat sie doch jeder schon mal erlebt, die irrwitzigen Szenen beim Einkauf und Beladen im schwedischen Möbelhaus, wo man „Kotböller“ isst, oder beim „Schachtel-Wirt“, wo die Jugend Hamburger mampft. Er stellt sich stets auf Mutter-und-Kind-Parkplätze („Mei Mutter is grad drin zum Inkaafe“), beschreibt Sammelbildchen für Raucher auf den Zigarettenpackungen („Tausche halbe Lunge gegen offenes Bein“), betrachtet die Welt durch die Biofäkalbrille („obbe gugge, unne lese“), schwadroniert vom Wertstoff-Günter und dessen fetter Frau Marlies, spottet über den veganen Nachbarn, der gern Wasser-Schorle (stilles mit sprudelndem Wasser gemischt) trinkt, und kann Kreuzfahrten auf der Aida („Plattenbau auf dem Meer“) nichts abgewinnen, wo „all inclusive“ ist – „Esse, Trinke, Scheißerei“. Ein derber, bisweilen platter Humor, der sein Ziel erreicht. Keiner der fernsehgartengestählten Besucher erwartet schließlich philosophischen, sozialkritischen Tiefgang.

Marco Laufenberg, langhaariger Anreißer im SWR-Auftrag, hat leichtes Spiel, die 870 Menschen in der fast ausverkauften Halle auf Touren und ins rechte Bild der allgegenwärtigen Kameras zu bringen. Die Comedy Nights haben eine nicht zu unterschätzende Werbewirkung für die Stadt, die die Veranstaltungen sponsort. In Einzelsendungen laufen die Aufzeichnungen hundertfach übers Jahr im SWR-Programm, stets mit dem unbezahlbaren Rheinpanorama. Dann betreten wahre „Abräumer“ die Bühne: „Waltraud und Mariechen“ alias Volker Heissmann und Martin Rassau, längst der fränkischen Fastnachtsbühne entwachsen, brillieren mit schräger Bekleidung und ebenso schrägen Sprüchen, die sie selbst als „richtig schee bleed“ titulieren. Herrlich, weil eben nicht bösartig, ist die Nummer mit den Sprachfehlern im Krankenhaus. Da kullern die Lachtränen, und „die ganze Bauernmalerei läuft weg“. Endlich verwandeln sich die Pointenkanonen dann in die legendären Witwen auf dem roten Sofa. Die Gags sitzen perfekt, die Mimik und das Zusammenspiel sind grandios. „Wer erben kann, der kann auch gießen“ ist die Wunsch-Inschrift auf dem Grabstein. Und Bingen bekommt auch noch einen mit: „Die haben das Rheingold nicht gefunden, sonst würde man es der Stadt ansehen.“ Fetzig wird's beim Abschlusslied mit Tanz „Die schönen Frauen von Fürth“. Donnernder Applaus – auch ohne Anheizer.

Von unserem Redaktionsleiter Rainer Gräff

Das weitere Programm

Am Samstagabend spielen (Einlass 18.30 Uhr, Beginn 19.30 Uhr):

  • Lars Reichow
  • Luise Kinseher
  • Maxi Gstettenbauer
  • Am Sonntagabend treten auf (Einlass 17.30 Uhr, Beginn 18.30 Uhr):

    • Bodo Bach
    • Marco Rima
    • Margie Kinsky

    Veranstalter ist die Stadt Bingen in Zusammenarbeit mit dem SWR. Bitte beachten: Die Alte Wagenausbesserungshalle im Park am Mäuseturm ist für Besucher der Veranstaltungen nicht direkt anfahrbar. Alle Informationen gibt es unter www.comedy-nights.de

    Restkarten für beide Veranstaltungen gibt es zum Ausdrucken unter www. ad-ticket.de

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