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Bad Kreuznach

Auf der Spur des Philosophen: Karl Marx und seine Zeit in Bad Kreuznach

Vor 200 Jahren wurde der deutsche Philosoph und Mitbegründer des Marxismus, Karl Marx, in Trier geboren. Der Denker ist nach wie vor umstritten – das zeigt sich auch an der aktuellen Debatte zu seinem 200. Geburtstag – vor allem im Umgang mit seinem politischen Erbe. Ganz unumstritten aber: Marx hielt sich in den Jahren 1842 und 1843 mehrmals in Bad Kreuznach auf und erlebte ein ganz besonderes Ereignis hier.

Die neue Stadtführung mit den Stationen von Karl Marx: Stadthaus (1), Pauluskirche (2), Kreuzstraße 26 (3), Heimatwissenschaftliche Bibliothek (4), Salinenstraße (5)
Die neue Stadtführung mit den Stationen von Karl Marx: Stadthaus (1), Pauluskirche (2), Kreuzstraße 26 (3), Heimatwissenschaftliche Bibliothek (4), Salinenstraße (5)
Foto: maps4news

Ein wichtiges Datum in seinem Leben ist der 19. Juni 1843. An diesem Tag heiratete er hier Jenny von Westphalen. Er arbeitete hier aber auch: In der Vorgängerbibliothek des Gymnasiums an der Stadtmauer, die heutige Heimatwissenschaftliche Bibliothek, entstanden die Kreuznacher Exzerpte, die in der Marx-Engels-Gesamtausgabe zu finden sind.

In der Kurstadt lassen sich fünf Stellen finden, an denen sich Marx sowie Jenny von Westphalen und ihre Familie damals aufgehalten haben. Bislang erinnert aber nichts an die Kreuznacher Stationen im Leben von Karl Marx. Zum 200. Geburtstag des weltbekannten Philosophen und Gesellschaftskritikers und aus Anlass dessen 175. Hochzeitstages will das die Gesundheit und Tourismus für Bad Kreuznach GmbH nun ändern und ab diesem Sommer eine neue Stadtführung „Auf den Spuren von Karl und Jenny“ anbieten.

Die Kreuznacher Wilhelmskirche mit Kirchenschiff nach dem Brand von 1861. Links ist das damalige neue Pfarrhaus zu sehen. Möglicherweise hat sich Karl Marx im Juni 1843 hier trauen lassen. Die Pauluskirche auf der anderen Seite des Mühlenteichs jedenfalls wurde seit 1842 renoviert.  Foto: Sammlung Steffen Kaul
Die Kreuznacher Wilhelmskirche mit Kirchenschiff nach dem Brand von 1861. Links ist das damalige neue Pfarrhaus zu sehen. Möglicherweise hat sich Karl Marx im Juni 1843 hier trauen lassen. Die Pauluskirche auf der anderen Seite des Mühlenteichs jedenfalls wurde seit 1842 renoviert.
Foto: Sammlung Steffen Kaul

Zum Hochzeitsjubiläum führt das Nahe Theater außerdem seine neue Produktion zu einem historischen Thema auf. Das Stück heißt „Karl & Jenny – der 175. Hochzeitstag“. Seine Premiere in der Pauluskirche ist am Jubiläumstag, Dienstag, 19. Juni, 20 Uhr. Im Anschluss gibt es drei weitere Aufführungen: am 22., 23. und 24. Juni. Ab 18.30 Uhr gibt es eine kleine Bewirtung. Für alle Termine sind bei der Touristinfo im Haus des Gastes, Kurhausstraße, Telefon 0671/836 00 50, im Vorverkauf noch Karten zu bekommen. Der Eintritt inklusive Programmheft kostet 17 Euro, 19 Euro und 22 Euro (ermäßigt 13, 15 und 18 Euro).

Harald Gebhardt

Harald Gebhardt kommentiert: Kreuznach hat das Thema Marx verschlafen

Man muss ihm an der Nahe ja nicht gleich ein Denkmal setzen wie in seiner Heimatstadt Trier. Aber als Stadt mit Karl Marx werben, um Touristen anzulocken, könnte man schon. Dazu würden schon ein paar Hinweisschilder an seinen historischen Aufenthalt in Bad Kreuznach genügen.

Harald Gebhardt
Harald Gebhardt

Immerhin hat er – das ist unstreitig – vor 175 Jahren hier geheiratet. Ja mehr als das: Es lassen sich weitere Spuren des weltbekannten Philosophen finden: Er war 1842/1843 mehrmals in Bad Kreuznach, hat für kurze Zeit hier gelebt und gearbeitet. Auch seine Frau Jenny von Westphalen bezog mit ihrer Familie eine Zeit lang eine Wohnung in der Hochstraße.

Insgesamt gibt es fünf Stellen in der Stadt, an denen sich Marx nachweislich aufgehalten hat. Leider findet sich bislang nirgendwo ein Hinweisschild darauf. Bislang wurde das Thema schlicht verschlafen. Das ist schade. Denn Marx ist eine welthistorische Figur. Er mag zwar umstritten sein – vor allem sein politisches Erbe –, doch das, was später in seinem Namen geschah, kann man ihm nicht ankreiden.

Keine Angst! Niemand will den Titel Marx-Stadt anstreben wie im Falle von Faust. Doch während sich Marx' Aufenthalt hier belegen lässt, verhält es sich bei der Faust-Legende etwas anders. Und: Das historische Fausthaus ist schon lange geschlossen, es gibt nur ein kleines privates Faustmuseum unterhalb der Brückenhäuser.

Da lässt sich Marx touristisch eindeutig besser ausschlachten – mit der neuen Stadtführung macht die Tourismus GmbH endlich den Anfang. Spät zwar ist man aufgewacht (die hätte eigentlich schon zum 200. Geburtstag fertig sein müssen), aber vielleicht noch nicht zu spät. Zurzeit ist Marx noch wieder „in“.

E-Mail: harald.gebhardt@rhein-zeitung.net

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