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Bad Kreuznach

29-Jähriger soll Obdachlose im Schlaf belästigt haben – und flüchtet anschließend fast nackt

Désirée Thorn

Ein weißes T-Shirt war das Einzige, was ein 29-Jähriger noch am Leib trug, als er im August des vergangenen Jahres in Bad Kreuznach von der Polizei aufgegriffen wurde. Jetzt steht er vor dem Amtsgericht. Die Anklage: Er soll eine widerstandsunfähige Frau sexuell belästigt haben.

„Er wirkte teilnahmslos, fast geistesabwesend“, berichtet ein Polizist aus der Tatnacht. Genauso sitzt der Angeklagte nun auch neben seinem Anwalt, den Blick starr nach vorn gerichtet. Ab und zu huscht ein Grinsen über seine Lippen, reden möchte er nicht.

Was ist in der Nacht passiert? Diese Frage muss jetzt ohne seine Aussage geklärt werden – und ohne das Opfer. Da die Geschädigte keinen festen Wohnsitz hat, konnte sie nicht zum Prozess vorgeladen werden. Die Anklage stützt sich hauptsächlich auf ihre erste Vernehmung direkt nach dem Vorfall.

Damals schilderte die Obdachlose, dass sie dem Angeklagten auf dem Weg zur Bahnhofsvorhalle begegnete. Er bot der Frau, die einen Trolley hinter sich her zog, seine Hilfe an. Obwohl sie das Angebot ablehnte, folgte er ihr in die Vorhalle. Misstrauisch machte sie das offenbar nicht: „Ich fühlte mich sicherer, dass mich jemand begleitet“, heißt es in der damaligen Aussage.

Sie legte sich auf einer Bank schlafen. Der ihr völlig fremde Mann setzte sich neben sie. Kurze Zeit später riss sie etwas aus dem Schlaf. Vor ihr stand der Unbekannte, fast vollkommen entblößt, und versuchte, ihr unsittlich näherzukommen. Sie schrie, der Unbekannte floh daraufhin.

Durch die Hilferufe aufmerksam geworden, bemerkten ein Zeuge und seine beiden Begleiterinnen den Täter, der in Richtung des Taxistands rannte. Der Mann nahm die Verfolgung auf, konnte den Fliehenden aber nicht mehr fassen.

Ein Taxifahrer alarmierte die direkt am Bahnhof stationierten Bundespolizisten, die sich sofort auf die Suche nach dem nackten Geflohenen machten – und ihn schnell fanden. „Er ist nach einer ersten Aufforderung ganz freiwillig auf uns zugelaufen und erschien fast dankbar, dass er jetzt weiß, wo er hin soll“, erzählt einer der Polizisten.

Zerstreut, aufgelöst, passiv und vor allem auch peinlich berührt sei er in der Situation gewesen. Im näheren Umkreis fanden sich schließlich auch seine Sachen: Neben Klamotten und Rucksack zählte dazu auch ein Buch mit dem Titel „Frauen aufreißen – schnell und erfolgreich – 100 Profitipps“.

Die Bundespolizisten übergaben den Festgenommenen an ihre Bad Kreuznacher Kollegen. Die kümmerten sich bereits um das Opfer, das zunächst am Bahnhof und später auf der Dienststelle aufgebracht, aber abgeklärt von dem Vorfall berichtete.

Fraglich bleibt, wie die Aussage der Frau gewertet werden kann. Von den Polizeibeamten wird die bekannte Obdachlose als teils verwirrt beschrieben. Diesen Eindruck hat sie auch auf der Fahrt zum Revier bei einer Polizistin hinterlassen: „Sie erschien mir in dem Moment wenig glaubhaft.“ Während ihrer Aussage sei sie hingegen ganz ruhig und klar gewesen. Nähere Eindrücke von der Tatnacht erhofft sich das Gericht nun von weiteren Zeugen, die zur Fortsetzung am Montag, 15. Januar, aussagen sollen.

Von unserer Reporterin
Désirée Thorn

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