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Lahnstein

Stormy Monday in Lahnstein: Wolf Schubert-K. überzeugt mit seinem Country

Er gilt als ein Urgestein der alternativen Countrymusik im Land. Sein Germanicana-Sound ist an den erweiterten Musikbegriff Americana angelehnt. Wolf Schubert-K., vor einem Jahr viel beachteter Gastgitarrist beim vorzüglichen Auftritt von Biber Herrmann im Jugendkulturzentrum, kehrte jetzt nach Lahnstein zurück.

Hinter Wolf Schubert-K. ist die famose Geigerin Sue Ferrers zu sehen. Kontrabassist Willy Wagner war auch zu hören.  Foto: Michael Schaust
Hinter Wolf Schubert-K. ist die famose Geigerin Sue Ferrers zu sehen. Kontrabassist Willy Wagner war auch zu hören.
Foto: Michael Schaust

Im eingespielten Trio zeigt der Wahlhesse, wo der Country-Folk-Hammer hängt. Und von Anfang an gibt Kontrabassist Willy Wagner den idealen Pulsgeber auch für die solistischen Ausflüge des 55-Jährigen und der prima Geigerin Sue Ferrers. Die Einzelbeiträge sind erfreulicherweise zeitlich begrenzt. Weniger ist mehr. Da muss keiner zeigen, wie gut er auf den Saiten ist. Und schnell geht’s eh nur selten zur Sache.

Ein freier Geist schwebt über den Stücken, was besonders in den Titeln von Wolfs neuer CD „Free Spirit“ zum Tragen kommt. Mit „Parade“ eröffnet Schubert-K. das Konzert, was seine Affinität zu Neil Young offenbart. Zu dritt wird das Traditional „Wayfaring Stranger“ zelebriert, ein Lied, das im 18. Jahrhundert in Schottland entstand und dann den Weg ins neue Amerika fand. Die Violine lässt die Highlands hochleben. Den Titelsong hat der ehemalige Rock'n'Roller angesichts des islamistischen Terrors gegen die freie Presse (tödlicher Anschlag auf Mitarbeiter der Satirezeitung „Charlie Hebdo“ in Paris Anfang 2015) verfasst. Er ist dankbar, in einem freien Land aufgewachsen und mit guten Werten groß geworden zu sein.

Auch der Geist des Widerstands gegen Ausbeuter, Umweltzerstörer, Autokraten und Reaktionäre à la Donald Trump macht sich im Repertoire bemerkbar, ohne jedoch mit dem erhobenen Zeigefinger den Gutmenschen zu propagieren. So hat Wolf dem alten Gewerkschaftskampflied „Which Side Are You On“ auch neue Strophen verpasst. Neben den ursprünglichen Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen und dem feministischen Ringen um Gleichberechtigung wird auch die ökologische Frage in den Fokus gerückt.

„Frankfurts Antwort auf Keith Richards“, wie Schubert-K. in seiner wilden, ungesunden Zeit genannt wurde, schaut ebenfalls nach innen, auf sich selbst. Das kommt in „I Could It Be“ deutlich zur Sprache. Über den eigenen Tellerrand schauen, den Drogen die rote Karte zeigen und die Vielfalt der Musik auskosten, das hat der Musiker, der dem R&R-Klischee mit all seinen Verführungen verfallen war, mit der Zeit schätzen gelernt – auch als Therapie gegen die eigenen Teufel im eigenen Leib.

Apropos Stones, Wolf Schubert-K. ähnelt ein wenig Keith, obwohl der „Dirty Brother“ es länger und extremer mit den Rauschgeistern getrieben hat. Der Sound von Schubert-K. besitzt nicht selten den rockenden Countryflair, den Jagger, Richards, Mick Taylor und Ron Wood 1973 auf dem vergessenen, aber tollen Album von John Phillips, dem Mitbegründer von Mamas & Papas, verbreiten.

Längst hat Schubert-K. auch andere Vorbilder, so die Mädels von Dixie Chicks, unangepasste Musikerinnen, die den konservativen Kerlen aus der Nashville-Ecke auch politisch den Stinkefinger gezeigt haben. Die Jacke, die er in Lahnstein trägt, hat er im Anfall von Begeisterung nach einem Konzertbesuch der US-Band in einer Boutique für 460 Euro erworben. So was kommt beim ihm sonst nicht vor. Jedenfalls setzt er den Ladys mit „One Fine Day“ ein kleines Denkmal.

Die alten Recken kommen dann auch noch zu Ehren. Neil Youngs „Long May You Run“, ein Liebeslied für einen Leichenwagen, einem gebrauchten 1948er Buick Roadmaster, das Auto von dessen erster Band The Squires (1964), wird im Stil von Stills & Young mit Harp zum Besten gegeben – frei vom simplen Imitieren. Dazu ist schon die Stimme von Wolf Schubert-K. zu einprägsam.

Zum Schuss versprüht er solo Goldgräberstimmung im Lomax-Cover „Days of 49“, das zu den besseren Stücken auf Bob Dylans oft mit Strings vollgezuckerten Doppelalbum „Selfportrait“ (1970) zählt. Und im Trio gibt es zu guter Letzt noch einmal das viel umjubelte „Free Spirit“ – auf dass solche Künstler ihre Freiheit auch weiter zu einer solch herausragenden Performance nutzen können.

Von unserem Mitarbeiter
Michael Schaust

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