40.000
Aus unserem Archiv
Nievern

Nieverner Kirmes: Ortsring stemmt das Dorffest

Michaela Cetto

Rummel, Feuerwerk und Livemusik: Die Nieverner Kirmes hat viele Fans nicht nur im Ort selbst, sondern auch in den Nachbargemeinden. Dieses Jahr stand das Traditionsfest fast auf der Kippe. Jahrzehntelang hatte der Nieverner Schützenverein die Kirmes in der Lahngemeinde ausgerichtet – ein Riesenjob für einen einzigen Verein. Verständlich, dass die Schützen das Zepter aus der Hand geben und sich zumindest als Hauptakteure aus der Organisation des Festes zurückziehen wollten.

Der Vorsitzende des Ortsringes Nievern, der von nun an die Kirmes ausrichten soll, Michael Bilo (links), besuchte mit Ortsbürgermeister Lutz Zaun die Redaktion, um die neue Organisation vorzustellen.
Der Vorsitzende des Ortsringes Nievern, der von nun an die Kirmes ausrichten soll, Michael Bilo (links), besuchte mit Ortsbürgermeister Lutz Zaun die Redaktion, um die neue Organisation vorzustellen.
Foto: Michaela Cetto

„Für uns stellte sich zunächst die Frage, ob wir unsere Kirmes behalten wollen“, sagt Ortsbürgermeister Lutz Zaun. Der Ortschef selbst ist leidenschaftlicher Verfechter von Dorffesten. „Wir müssen unsere Traditionen pflegen“, ist Zaun überzeugt. „Das stärkt den Zusammenhalt in der Dorfgemeinschaft.“ Und weil auch der Gemeinderat dieser Ansicht ist, suchten Zaun und seine Mannen nach einer Möglichkeit, die Kirmes-Organisation auf sichere Füße zu stellen und damit das Traditionsfest für die Zukunft zu bewahren.

Die Lösung: ein Ortsring, in dem alle elf eingetragenen Vereine und einige Clubs der Gemeinde vertreten sind. „Der Ortsring hat nur eine Aufgabe: die Ausrichtung der Kirmes“, betont Michael Bilo, der den Vorsitz übernommen hat. Und diese Aufgabe hat die rührigen Mitglieder in der Vorbereitung schon mehr als einmal vor knifflige Situationen gestellt. Allein der Zeltaufbau in den vergangenen Tagen erwies sich als große Herausforderung, obwohl an die 30 Helfer am Start waren. „Das ist wie Tetris im richtigen Leben“, meint Lutz Zaun. „Zum Glück stehen uns die Schützen mit Rat und Tat zur Seite.“

Das neue Orga-Team bringt auch frischen Wind in die Kirmes selbst. Der Heckebock-Rock, der in den vergangenen drei Jahren am Freitagabend den Auftakt zur Kirmes bildete, wird als eigene Veranstaltung des Schützenvereins aus dem Rahmenprogramm herausgenommen und auf einen späteren Termin im Jahr geschoben. Dafür feiern die Schützen am Freitag zum ersten Mal wieder ausgiebig ihr Königsschießen im Schützenhaus. Ehrensache, dass das Kirmes-Team hier mit von der Partie ist.

Die eigentliche Kirmes beginnt dann erst am Samstag um 14 Uhr mit Fassanstich und Hochziehen der Eierkrone. Schon kurz darauf wartet das erste Highlight auf die Kinder: Im Festzelt ist die Wiesbadener Puppenbühne „Traumkiste“ zu Gast. „Wir haben an jedem Tag Attraktionen für kleine und große Gäste im Programm“, sagt Zaun. „Und wir haben darauf geachtet, dass es keine Leerzeiten im Zelt gibt.“ Denn allein das Festzelt kostet die Gemeinde 2500 Euro. „Dann muss man das auch richtig nutzen.“

Dementsprechend gibt es am Samstagabend eine Abtanzparty mit der Chart-Band Noise. Am Sonntag feiern die Kirmesbesucher den Frühschoppen mit Vorstellung der Schützenkönige im Festzelt, und am späten Nachmittag steigt dort die Heckebock-DJ-Party. Montags werden beim bayrischen Brunch Spezialitäten von Krustenbraten bis Weißwurst serviert, und auch die beliebte Kirmestombola findet im Festzelt statt – pralles Programm unter Planen und Zeltstangen also. Und auch unter freiem Himmel ist einiges los in Nievern.

Viele frische Ideen, teils inspiriert von Nachbargemeinden, bereichern die Kirmestage. Neu ist zum Beispiel die Heckebock-Verlosung ausschließlich für Nieverner. „Da haben wir tolle Preise am Start“, freut sich Zaun. Eine Ballonfahrt zum Beispiel. Oder eine Weinprobe für eine kleine Festgesellschaft. Neu ist ebenfalls der Kirmesumzug der Kinder am Sonntagmorgen, bei dem der Nachwuchs mit bunt geschmückten Fahrrädern, Laufrädern, Rollern oder auch Kettcars durch den Ort zieht. Auch der bayrische Brunch im Festzelt ist eine Innovation. „Früher haben wir uns traditionell montagmorgens im Bürgerhaus getroffen, und der Kirmesplatz war leer“, erinnert sich Zaun. „Nun verlagern wir das einfach.“

Und schließlich hat das Orga-Team auch noch das Brillant-Feuerwerk nicht nur zeitlich vom Samstagabend auf den Sonntag geschoben, sondern auch örtlich von der Nieverner Brücke ans Fachbacher Lahnufer. Zur Begründung: „Wir können ja nicht Samstagsabends eine teure Band im Festzelt spielen lassen, und alle stehen draußen und schauen sich das Feuerwerk an.“ Außerdem spare man zahlreiche Sicherheitskräfte, wenn man das Feuerwerk nicht von der Brücke aus abschieße. „Da waren jedes Jahr 80 Feuerwehrleute im Einsatz“, so Zaun. Das THW schipperte zusätzlich die Leute über die Lahn nach Nievern und zurück, weil die Brücke gesperrt werden musste. „Ein immenser Aufwand“, resümiert der Ortschef. „Wir hoffen, dass das Feuerwerk an der neuen Stelle und zum neuen Zeitpunkt genauso viele Freunde findet.“ Dass das Spektakel überhaupt stattfinden kann, ist übrigens einer Nieverner Privatinitiative zu verdanken, die die Kosten übernommen hat.

Derzeit gehen die letzten Handgriffe auf dem Kirmesplatz über die Bühne, und dann müssen die Gäste einfach bloß Spaß haben. „Wir sind gespannt, wie das neue Konzept ankommt“, sagt Michael Bilo abschließend.

Die Kirmes geht von Samstag, 14. April, bis Montag, 16. April, auf dem Kirmesplatz und im Festzelt an der Lahn über die Bühne. Das Königsschießen des Schützenvereins im Schützenhaus stimmt am Freitag, 13. April, auf das Spektakel ein.

Von unserer Redakteurin Michaela Cetto

Bad Ems Lahnstein
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Markus Eschenauer Markus Eschenauer (me)
Online regional
Tel. 02602/160474
E-Mail
Anzeige
Regionalwetter
Montag

6°C - 17°C
Dienstag

4°C - 17°C
Mittwoch

6°C - 20°C
Donnerstag

9°C - 24°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
epaper-startseite