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    KasdorfKrawall setzt Maifest unrühmliches Ende: Polizist erleidet Rippenbruch bei Einsatz

    Ein paar plattgefahrene Kronkorken liegen auf dem angrenzenden Waldweg nahe der Schutzhütte Hohe Buchen bei Kasdorf, mehr nicht. Drei gefüllte Müllsäcke aneinandergereiht, die Zelte kurz vor dem Abbau – alles sieht wieder sehr ordentlich aus. Und doch ist es dort in idyllischer Lage hoch über dem Dorf am Maifeiertag zu Auswüchsen gekommen, die nun die Justiz beschäftigen.

    Die letzten Aufräumarbeiten für das Maifest hat der Freizeitclub der Kasdorfer Buben im Griff. Doch im kommenden Jahr wird die Veranstaltung ins Wasser fallen. Alkoholisierte junge Leute hatten auf dem Fest randaliert. Foto: Thorsten Stötzer
    Die letzten Aufräumarbeiten für das Maifest hat der Freizeitclub der Kasdorfer Buben im Griff. Doch im kommenden Jahr wird die Veranstaltung ins Wasser fallen. Alkoholisierte junge Leute hatten auf dem Fest randaliert.
    Foto: Thorsten Stötzer

    Gegen einen 23-Jährigen aus der Umgebung, der beim Fest gewalttätig wurde, laufen zwei Strafanzeigen, erklärt Wolfgang Best, der Leiter der Polizei-Inspektion in St. Goarshausen. Die schlimmste Folge davon ist, dass ein Polizist durch einen Tritt einen Rippenbruch erlitten hat. Auch ein Polizeihund wurde getreten, wobei er einen Maulkorb aufhatte. Acht Beamte hatten viel Arbeit bei dem Einsatz.

    Der „Freizeitclub der Kasdorfer Buben“, bekannt als KaBu, hat als Veranstalter des Maifestes selbst von den eskalierten Vorfällen berichtet. Sie schreiben von Schlagstöcken und Pfefferspray, das laut Best aber nur gegen den Täter verwendet wurde. Minderjährige seien „sturzbetrunken, streitsuchend, orientierungslos und definitiv ohne jeden Anstand“ aufgefallen. Gemäß der Schilderung wurde einem Passanten die Brille vom Kopf geschlagen und auf Motorhauben herumgesprungen.

    Aufgrund dieser Entwicklung endet zumindest auf absehbare Zeit eine Tradition: 2018 wird die Veranstaltung nicht mehr im Kalender stehen. Seine Anfänge nahm das Fest 2002, dem Gründungsjahr der KaBu, „einfach mit 60 Kasdorfern“, erzählen der Vereinsvorsitzende André Fäseke, sein Stellvertreter Florian Bonn und Kassierer Christopher Opel. Rasch wuchsen Gästezahlen und Ausstattung.

    Der Verein kaufte Zelte und gab die Kuchentheke an den Turnverein ab, als die Aufgaben immer größer wurden. Stattliche 15 auf 15 Metern maß die Hüpfburg. Über 30 Helfer leisteten Schichtdienst. Nach eigenen Schätzungen waren zuletzt bei günstigem Wetter 1000 Menschen zu Gast an den Hohen Buchen. „Das sollte ein Familienfest sein“ an der gemeindeeigenen Schutzhütte, so Fäseke.

    Bei Dauerregen kamen dieses Jahr noch über 300 Leute ab der Mittagszeit zum beliebten Fest. Am frühen Nachmittag stieß die problematische Klientel zu, die sich gar nicht auf dem Festplatz aufhielt, erläutern die KaBu. Man habe beim Thekendienst nicht gesehen, was sich hinter der Hütte abspielte, wo sich jemand „in betrunkenem Kopf“ selbst verletzt habe und die Wegekreuzung blockiert wurde.

    Offenbar waren morgens Jugendliche losgezogen und hatten sich nicht mit Radler und Pils aus einem Kasten im Bollerwagen versorgt, sondern direkt zu harten Spirituosen gegriffen. Von 80 bis 100 meist heillos alkoholisierten jungen Leuten gehen die Organisatoren aus. Das Maifest in Kasdorf war wohl in gewisser Weise ein Anlaufpunkt für sie, auch wenn sie das Veranstaltungsgelände selbst nicht gezielt besuchten. Trotzdem habe es Versuche gegeben, auf die Kinder-Hüpfburg zu stürmen.

    „Die Gäste, die das Fest großgemacht haben, schreckt so etwas ab“, stellt Christopher Opel fest. Überlaute Musik, die mitgebrachten harten Getränke und „einige Chaoten, die stark sein wollten“, machten die Lage immer prekärer. Gruppendruck dürfte die aggressiven Gebärden weiter angefacht haben. Die Veranstalter fürchteten um die Sicherheit ihrer Gäste und speziell der Kinder. Vorzeitig endete das Fest.

    Hätten die Kasdorfer Buben nicht selbst auf eine Wiederholung im nächsten Jahr verzichtet, wären ihre Chancen auf eine Genehmigung ohnehin gering gewesen. Die Polizei hätte das gegenüber dem Ordnungsamt nicht befürwortet, sagt Best. Andere Veranstalter erhielten künftig womöglich die Auflage, einen Security-Dienst zu engagieren, obwohl die Polizei so etwas nicht grundsätzlich wolle.

    „Wir werden uns das genau ansehen“, kündigt Best an. Weiterhin beschreibt er die Stimmung als sehr feindselig, die seinen Kollegen in Kasdorf von Seiten der Störenden entgegenschlug. Es hätten sich Gruppen gebildet, viele hätten unablässig Handy-Videos gedreht. „Das ist ziemlich aus dem Ruder gelaufen, was für uns nicht vorhersehbar war“, bilanziert der Dienststellenleiter den Tag.

    Grundsätzlich sei der 1. Mai ein Datum, das mal unauffällig und mal arbeitsreich für die Polizei verlaufe. Größere Probleme habe es vor Jahren an der Plätzer Mühle bei Obertiefenbach gegeben. Florian Bonn von den KaBu vermutet, dass sich von dort die auffällig Gewordenen immer stärker nach Kasdorf orientiert haben. Schon im vergangenen Jahr sei der Platz extrem vermüllt gewesen. Jetzt ist die Lage weiter eskaliert.

    Von unserem Mitarbeiter Thorsten Stötzer

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