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VG Loreley

Konzept beschlossen: Verbandsgemeinde Loreley will den Einzelhandel weiterentwickeln

Andreas Jöckel

Ein Einzelhandelskonzept für die Verbandsgemeinde Loreley hat der VG-Rat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig bei vier Enthaltungen beschlossen. Die Studie der BBE Handelsberatung aus Köln soll im Rahmen der Bauleitplanung zur Standortentwicklung beitragen. Erklärtes Ziel ist es, mehr Einzelhandelsbetriebe anzusiedeln, um zu verhindern, dass jährlich rund 70 Prozent der Kaufkraft aus der Verbandsgemeinde abfließen.

Laut Einzelhandelskonzept sollen in der VG Loreley nicht nur die Grundzentren Braubach (oben links) und St. Goarshausen (oben rechts) weiterentwickelt werden. Auch Kamp-Bornhofen kommt eine überörtliche Versorgungsbedeutung zu. Auch weitere Standorte wären denkbar. Foto: Jöckel (2), Müller
Laut Einzelhandelskonzept sollen in der VG Loreley nicht nur die Grundzentren Braubach (oben links) und St. Goarshausen (oben rechts) weiterentwickelt werden. Auch Kamp-Bornhofen kommt eine überörtliche Versorgungsbedeutung zu. Auch weitere Standorte wären denkbar.
Foto: Jöckel (2), Müller

Seit der Fusion mit Braubach ist die VG seitens der Landesplanung gebeten worden, ein solches Konzept für den größer gewordenen Zuständigkeitsbereich zu erstellen. Konkret wurde das Vorhaben jedoch erst im vergangenen Jahr, als weitere Gewerbeansiedlungen in Kamp-Bornhofen im Bereich des bestehenden Lidl-Marktes ins Gespräch kamen. Mit Blick auf den gültigen Landesentwicklungsplan (LEP IV) im Bereich Mittelrhein-Westerwald handelt es sich dabei aber um eine sogenannte „Zielabweichung“, die ausreichend begründet und in ein Gesamtkonzept der VG zur Steuerung des Einzelhandels eingebettet werden muss.

70 Prozent der Kaufkraft fließt ab

Die entscheidende Erkenntnis aus der BBE-Studie ist für Bürgermeister Werner Groß eindeutig: „Wir haben in der VG Loreley in etwa eine Kaufkraft von 100 Millionen Euro. Davon landen nur 30 Millionen Euro in Betrieben innerhalb der VG.“ Das bedeute nicht nur, dass weitere Angebote dringend nötig sind, es sei auch klar, dass mit neuen Ansiedlungen niemand etwas weggenommen werde: „Es wäre ein Gewinn für uns alle.“ 75 Betriebe gibt es in der Verbandsgemeinde Loreley in den Bereichen Einzelhandel und Ladenhandwerk. Diese erwirtschaften laut Studie mit knapp 30 Millionen Euro Jahresumsatz nur etwa 30 Prozent der Kaufkraft der Einwohner. 70 Prozent der Kaufkraft fließt in andere Regionen ab.

Grundsätzlich stellen die Autoren des Konzepts fest, dass es sich bei der VG Loreley unter quantitativen Gesichtspunkten um einen schwach ausgeprägten Einzelhandelsstandort handelt, der auch in Bezug auf Neuansiedlungen alles andere als einfach zu behandeln ist: schwierige Topografie, zahlreiche kleine Gemeinden mit nur wenig Einwohnern.

Versorgungszentren in Braubach und St. Goarshausen

Beim Ziel, mehr Kaufkraft in der Verbandsgemeinde zu halten, kommen vor allem die Sparten Lebensmittel und Drogerie infrage. Derzeit gelten innerhalb der Verbandsgemeinde die Städte Braubach und St. Goarshausen als Grund- bzw. Mittelzentren. Mit Ausnahme von jeweils einem Lebensmittelmarkt zeichnen sich beide Stadtkerne durch einen kleinteiligen Einzelhandelsbesatz aus. Eine Weiterentwicklung beider Standorte sollte gefördert werden, unter anderem im Hinblick auf den Tourismus, der in der VG Loreley einen nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor darstellt. Die Stadtkerne von St. Goarshausen und Braubach sollten als zentrale Versorgungsbereiche ausgewiesen werden, um zentren- und nahversorgungsrelevante Sortimente anzusiedeln. Probleme bereiten in den Städten aber sowohl eine kleinteilige historische Bausubstanz als auch die Ermangelung größerer Entwicklungsflächen.

Ergänzungsstandorte

Laut Studie wäre Kamp-Bornhofen, wo sich derzeit bereits ein Discounter befindet, ein idealer Ergänzungsstandort für die Nahversorgung. Die Ortsmitte könne als zentraler Versorgungsbereich eingestuft und eine weitere Entwicklungsfläche im Norden herangezogen werden. Einen weiteren potenziellen Standort für einen Lebensmittelmarkt sieht die Studie im südlichen Bereich der Verbandsgemeinde bei Kaub, Bornich und Weisel. Als dritter potenzieller Ergänzungsstandort wird Dachsenhausen im nördlichen Bereich betrachtet, wobei dort die verkehrsgünstige Lage mit Pendlerströmen an der L335 und die Funktion als ÖPNV-Knotenpunkt eine zentrale Rolle spielt. Dabei werden auch potenzielle Kunden aus Orten der Verbandsgemeinden Bad Ems und Nastätten einkalkuliert.

Planungsgemeinschaft hält Kritik aufrecht

Der Beschluss des Einzelhandelskonzeptes hatte sich um einige Monate verzögert. Der Grund dafür war ein Verfahrenswunsch der Planungsgemeinschaft Mittelrhein-Westerwald: Zu dem geplanten Ergänzungsstandort Kamp-Bornhofen sollte zuvor die Zustimmung der Räte in den Grundzentren Braubach und St. Goarshausen eingeholt werden. Und auch der Kamp-Bornhofener Rat selbst solle dazu noch mal befragt werden. Obwohl alle drei Gremien dem Konzept zustimmten, blieb die Planungsgemeinschaft Mittelrhein-Westerwald bei einer kritischen Stellungnahme. Demnach steht insbesondere die Entwicklung in Kamp-Bornhofen nicht im Einklang mit LEP IV. Der Rat nahm diese Einschätzung, die sich nicht unmittelbar auf die Bauleitplanung auswirkt, zur Kenntnis.

Von unserem Redakteur Andreas Jöckel

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