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    Händler: Grenze der Belastbarkeit erreicht

    Dem Gewerbe in der Stadt geht es gut – zumindest am Stadtrand von Niederlahnstein ist Aufbruchstimmung zu spüren: Sollte das Genehmigungsverfahren positiv abgeschlossen werden, entsteht in der Koblenzer Straße ein neues, 13 000 Quadratmeter großes Fachmarktzentrum. Und im neuen Nahversorgungszentrum an der Hermsdorfer Straße rollen bald die Bagger an. Die Ortsmitte floriert ebenfalls, zumindest das dortige Warenhaus: Denn nicht erst seit dem Neubau des Getränkecenters wird die Stadtmitte von dem Warenhaus dominiert. Das genaue Gegenteil dieser Entwicklung lässt sich in der Innenstadt von Oberlahnstein beobachten: Dort herrscht bei den Einzelhändlern Frust.

    Seit Monaten steht das Ladenlokal leer, in dem eine Drogerie für hohes Kundenaufkommen sorgte. Dies ist nach Meinung von Geschäftsleuten einer der Gründe für die aktuellen Probleme in der Burgstraße.
    Seit Monaten steht das Ladenlokal leer, in dem eine Drogerie für hohes Kundenaufkommen sorgte. Dies ist nach Meinung von Geschäftsleuten einer der Gründe für die aktuellen Probleme in der Burgstraße.
    Foto: Tobias Lui

    Lahnstein – Dem Gewerbe in der Stadt geht es gut – zumindest am Stadtrand von Niederlahnstein ist Aufbruchstimmung zu spüren: Sollte das Genehmigungsverfahren positiv abgeschlossen werden, entsteht in der Koblenzer Straße ein neues, 13 000 Quadratmeter großes Fachmarktzentrum. Und im neuen Nahversorgungszentrum an der Hermsdorfer Straße rollen bald die Bagger an. Die Ortsmitte floriert ebenfalls, zumindest das dortige Warenhaus: Denn nicht erst seit dem Neubau des Getränkecenters wird die Stadtmitte von dem Warenhaus dominiert. Das genaue Gegenteil dieser Entwicklung lässt sich in der Innenstadt von Oberlahnstein beobachten: Dort herrscht bei den Einzelhändlern Frust. 

    In der Burgstraße war sicherlich schon mal mehr los. Immer mehr kleine, meist inhabergeführte Geschäfte müssen schließen. Unter den verbliebenen Geschäftsleuten kommt Existenzangst auf. Ähnlich ist der Eindruck in der Hochstraße. Doch lässt sich der Trend zur Grünen Wiese überhaupt noch aufhalten? Hat die Politik die Innenstadt vielleicht längst aufgegeben? Gibt es Wege, die Probleme in den Griff zu bekommen? Und was bedeutet diese Entwicklung für die umliegenden Immobilien? Diese und andere Fragen versuchen wir in einer kleinen Serie zu beantworten. Zum Auftakt haben wir uns bei Geschäftsleuten umgehört.

    „Seit 23 Jahren sind wir in der Stadt. Aber so schlecht wie jetzt ist es uns noch nie ergangen.“ Hussain Grenz redet nicht lange um den heißen Brei herum, als er von unserer Zeitung auf seine wirtschaftliche Situation angesprochen wird. Die Grenze der Belastbarkeit sei erreicht – sowohl nervlich wie auch finanziell, stellt der Pakistaner fest, der in der Hochstraße mit dem „Fashion House“ ein kleines Modegeschäft führt. „Ich erwarte wirklich nicht viel, aber wenn das so weiter geht, ist die Innenstadt spätestens in zwei Jahren ganz tot.“ Das Aus des Schlecker-Marktes in der Hochstraße und die Schließung der Drogerie „Ihr Platz“ in der Burgstraße haben die Situation seiner Ansicht nach entscheidend verschärft. „Seither ist hier Wüste.“ Parallel dazu stiegen die Kosten für Miete, Strom und Wasser. Auch Ehefrau Fida weiß noch nicht, ob sie ihr Schuhgeschäft wenige Meter weiter noch lange wird halten können. Dabei liegt die Eröffnung Mitte September 2012 noch nicht lange zurück, schon nach wenigen Monaten wird's schwierig. „Wir brauchen dringend eine höhere Publikumsfrequenz“, sagt Fida Grenz und appelliert an Politik und Verwaltung. „Es muss gelingen, wieder eine Drogerie oder einen Lebensmittelladen anzusiedeln.“ Familie Grenz fühlt sich alleingelassen. Von Politik und Verwaltung, aber auch von den Kunden, die einerseits das Aussterben der Innenstadt beklagen, andererseits aber mit ihrem Einkaufsverhalten genau dazu beitragen. „Alles muss möglichst an einem Platz sein, mit kostenlosen Parkplätzen direkt vor der Tür und langen Öffnungszeiten“, kritisiert Familie Grenz.

    Auch Angelika Rinneberg, seit fünf Jahren Inhaberin der Modeboutique „Cleo“ in der Burgstraße, beschäftigen die Probleme der Innenstadt. Das Modegeschäft, seit 30 Jahren an dieser Stelle zu finden, hat viele Stammkunden, die gezielt zum Einkauf kommen. Doch auch Rinneberg bemerkt das Ausbleiben von Laufkundschaft. Sie stört sich vor allem an der „Konzeptlosigkeit“ von Politik und Verwaltung. Die Geschäftsfrau nennt Beispiele: „Mit ,Kindermoden Sturm’ hat man ein gut laufendes Geschäft wegen der Freilegung des Alten Rathauses zugemacht, es sollte abgerissen werden. Und was ist auch nach Jahren passiert? Nichts“, redet sich Rinneberg in Rage. „Und wie kann jemand, der bei Sinn und Verstand ist, eine Fußgängerzone schaffen, die so holprig ist, dass die Leute nur in der Mitte gehen können, wenn sie nicht stolpern wollen?“ Beispiel drei: die Schiffsanlegestelle. „Da kommen unglaublich viele Touristen an, es könnte das Tor zur Stadt werden. Warum wird dieser Bereich nicht attraktiv gestaltet und die Leute von dort gezielt in die Innenstadt geführt?“ Angelika Rinneberg ist überzeugt, dass erfolgreicher Tourismus nur mit einem attraktiven Ortskern funktionieren kann. „Wegen der Industriegebiete kommen die Touristen bestimmt nicht.“ Ihre Erfahrung: Haben die Leute die Läden der Innenstadt erst einmal entdeckt, kaufen sie hier auch ein. „Wir brauchen aber auch wieder mehr Auswahl, vor allem ein Lebensmittelgeschäft. Die Leute wollen alles in einem Zug einkaufen. Das muss gefördert werden.“ In Lahnstein würden vor allem die großen Filialisten am Stadtrand gebauchpinselt. „Gleichzeitig macht man den kleinen, inhabergeführten Geschäften das Leben doppelt schwer. Sie glauben gar nicht, was wir zum Beispiel beim Hexenmarkt alles für Auflagen erfüllen müssen“, kritisiert die engagierte Geschäftsfrau. „Da wird nicht mal gefragt, wo können wir helfen, sondern nur gefordert.“ Wer die Geschäfte in der Innenstadt erhalten wolle, müsse dafür auch etwas tun. Das vermisse sie bei Rat und Verwaltung.

    Nach ihrem 60. Geburtstag wollte es Reingard Emmel eigentlich ruhiger angehen lassen und weniger arbeiten. 24 Jahre leitete sie ein Sonnenstudio in der Frühmesserstraße, am 31. Dezember war Schluss. „Aber nun hocke ich doch wieder hier“, schmunzelt Emmel, nachdem sie gerade eine Kundin in „Namado“, einem Geschäft für Damenmode, in Schmuckfragen beraten hat. Die eigentliche Inhaberin gibt Ende Februar auf, kann es wirtschaftlich nicht mehr stemmen. Spontan springt Reingard Emmel gemeinsam mit Ehemann Manfred ein und übernimmt – auch aus Verbundenheit mit den Geschäftsleuten der Innenstadt.

    "Es darf doch nicht noch einer zumachen“, bedauert Emmel die Entwicklung. Das Angebot an Bekleidung will sie beibehalten, zusätzlich soll ihre Arbeit als Schmuckdesignerin Kunden anlocken. Nachdem die Drogerie geschlossen hat, habe sich die Situation in der Burgstraße zu einem „Trauerspiel“ entwickelt. Täglich schlendern rund 100 Menschen weniger durch die Einkaufsstraße, schätzt die Geschäftsfrau. Potenzielle Kunden, die auch „Namado“ fehlen. Für Reingard Emmel sind die Gründe für die Probleme der Innenstadt durchaus hausgemacht. „Fast jeder beschwert sich zum Beispiel über die deutliche Erhöhung der Parkgebühren.“ Außerdem seien die Mieten zu hoch, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Auch die Unterstützung der Stadt lasse zu wünschen übrig, ergänzt Ehemann Manfred Emmel und zieht den Vergleich mit Nastätten. „Warum stehen dort so wenige Ladenlokale leer? Weil die Stadt dort viel für die kleinen Gewerbetreibenden tut. Alle ziehen an einem Strang.“ Als Beispiel nennt er die 1500 Parkplätze, die den Kunden dort kostenlos zur Verfügung gestellt werden. „Und schauen Sie mal, was Händler und Stadt in Nastätten alles an Festen und Märkten gemeinsam auf die Beine stellen.“ In Lahnstein hingegen werde nicht mit- sondern gegeneinander gearbeitet. Zum Beispiel beim Hexenmarkt. „Da meldet sich die Verwaltung genau einmal: Um uns zu sagen, was wir alles nicht dürfen.“

    Von unserem Redakteur Tobias Lui

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