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St. Goarshausen

Egerländer und Oberkrainer musizieren vereint: Gruppen entfachen beim Publikum helles Entzücken

Norbert Schmiedel

Beim Gipfeltreffen der Blasmusik auf der Loreley-Freilichtbühne haben gleich fünf Musikgruppen ihr Publikum ganz schnell in helles Entzücken versetzt, welches im Halbrund der Arena vom ersten bis zum letzten Ton anhielt. Das sollte auch niemanden verwundern, denn die Namen bürgten für höchste Qualität.

Wenn der Meister, Ernst Hutter, auch ohne sein Tenorhorn erklingen zu lassen, den Ton angibt, dann steht Volksmusik vom Feinsten auf dem Programm. Die pure Freude am Musizieren war unübersehbar. Foto: Norbert Schmiedel
Wenn der Meister, Ernst Hutter, auch ohne sein Tenorhorn erklingen zu lassen, den Ton angibt, dann steht Volksmusik vom Feinsten auf dem Programm. Die pure Freude am Musizieren war unübersehbar.
Foto: Norbert Schmiedel

Wenn auch die „Junge Eifelländer Blasmusik“, die „Gasterländer Blasmusikanten“ aus der Schweiz oder die „Brauhaus Musikanten“ vor den großen Namen „Sašo Avsenik und seine Oberkrainer“ und auch „Ernst Hutter und die Egerländer Musikanten“ auf der Bühne ihre bekennende böhmische Blasmusik im Stile des weltbekannten Ernst Mosch erklingen ließen, so waren sie keineswegs nur die Vorgruppen, um das Publikum auf die großen Namen einzustimmen. Jedes der drei Orchester hatte seinen eigenen Stil, brachte Jazz- und Swingelemente ein, die dem Publikum ins Blut gingen. Die Brauhaus Musikanten aus dem Kaltental zum Beispiel waren 2017 beim Grand Prix der Blasmusik im Circus Krone Sieger geworden.

Die Veranstaltung auf der Loreley lockte viele junge Gäste an, absolute Fans dieser Musikrichtung. Einige hatten gerade das „Woodstock der Blasmusik“ vor wenigen Tagen in Österreich erlebt und sind fast auf dem direkten Rückweg zur Loreley gereist, um hier ihre Musiker erneut zu hören. Das einmalige Sonderkonzert brachte auch eine Premiere zustande, nämlich den gemeinsamen Auftritt von Sašo Avsenik und seine Oberkrainer und Ernst Hutter und die Egerländer Musikanten. Es entbrannte aber kein Wettbewerb, dazu waren die beiden Gruppen doch zu unterschiedlich. Jung, dynamisch, fröhlich und frech die Oberkrainer, etwas gesetzter, eher vornehm hinter den Notenständern agierend, die Egerländer Musikanten. Bei den Oberkrainern hatte Sašo mit seinem Akkordeon die Fäden in der Hand, bei den Egerländern schritt Ernst Hutter wie ein Zirkusdirektor die Reihe ab, entweder mit seinem Tenorhorn oder mit seinem Saxofon den Ton angebend.

Die Oberkrainer auf der Bühne: Das Publikum ließ sich mitreißen von Takt und Rhythmus der slowenischen Volksmusik.
Die Oberkrainer auf der Bühne: Das Publikum ließ sich mitreißen von Takt und Rhythmus der slowenischen Volksmusik.
Foto: Norbert Schmiedel

Ausgelassen und fröhlich jedoch waren sie alle. Beide Gruppen blicken auf eine lange Tradition zurück. Nach Opa Slavko und Vater Gregor, der allerdings als Gitarrist noch eifrig mitmischte, war es nun Sašo Avsenik, der in fröhlicher Einigkeit mit seinen sieben Musikern, dabei das Duo Dejan Zupan und Larisa Majcen mit ihren schönen Stimmen, das Publikum förmlich verzauberte.

Natürlich gehörte auch bei den Oberkrainern die Polka dazu, „Zwei weiße Schwäne“, und als Hommage an den Rhein und die Loreley dann „Glückliche Stunden am Rhein“. Die Oberkrainer hätten nicht aufzuhören brauchen, aber die Egerländer Musikanten drängten nach. Sie mussten sich nicht vorstellen, taten es aber mit dem ersten Lied „Wir sind die Egerländer Musikanten“, und schon war das Publikum in den nächsten Rausch verfallen, folgte es der ersten Polka, dann dem Rekrutenmarsch und entdeckte mit dem Orchester die „Egerländer Perle“.

Ernst Hutter hatte im Jahr 2003 die Regentschaft des legendären Ernst Mosch übernommen, ohne aber in jeden seiner Fußstapfen zu treten. Die Herren wirkten hinter den Notenständern mit den Namensbannern zwar etwas vornehm zurückhaltend. Dieser Anschein war mit den ersten Klängen sofort verflogen, ganz im Gegenteil zeigten sie sich spontan den Neuerungen des Dirigenten zugetan. Spielfreude und Leidenschaft der vergangenen Jahrzehnte blieben nicht nur erhalten, sie wurden mit neuen Rhythmen von Swing, Jazz und Pop noch gesteigert. Ernst Hutter schritt die Line ab, kleine Fingerzeige wie bei einem Löwendompteur reichten aus, Takt und Rhythmus übereinzubringen, um sich dann aber mit einem strahlenden Lächeln dem Publikum zuzuwenden, das sich von dieser unsagbar guten Laune gern anstecken ließ.

Hutter stellte seine „alten“ Musiker vor, die auch schon rund 30 Jahre dabei sind, ging über zu den „jungen“, die allerdings die Traditionen von Ernst Mosch mittragen, wie sich bei „Junges Leben“ in der originalen Fassung des alten Meisters zeigte. Diese alten Stücke darf man nicht verändern, man muss neues Schaffen. So hatte Ernst Hutter mit den „alten Hasen“ aus Ernst Moschs Zeiten ein Feuerwerk der Solisten aller Register geschaffen, wobei er einmal mit seinem Tenorhorn, dann mit der Posaune weitere gute Laune beisteuerte. Im Publikum ging die Post ab, viele waren längst aufgestanden und hatten die Lücken nach vorne geschlossen. Edi Graf hatte bis dahin alle Musikstücke angesagt, sie kommentiert, sodass sich das Publikum ein Bild der Entstehungsgeschichte machen konnte. In seine Ansprachen band er die drei Gruppen des Nachmittags mit ein. Jetzt aber strahlte dieser Mann ob einer ganz besonderen Ansage: „Eine Premiere, nicht nur hier auf der Loreley, steht uns bevor: Die Original Oberkrainer treten zusammen mit den Egerländer Musikanten auf.“ Das Publikum war nicht mehr zu halten, es strömte nach vorne, um ja nichts zu versäumen. Beide Gruppen mit ihren Duos Dejan Zupan/Larissa Majcen und Nik Loris/Katharina Proher (Egerländer) fanden großartig zusammen und verabschiedeten ihr Publikum nach vielen weiteren Liedern und Zugaben.

Von unserem Mitarbeiter Norbert Schmiedel
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