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Dörscheid/Kaub

Dörscheider Heide: Bagger schafft 30 Hektar neue Lebensräume

Schweres Gerät ist derzeit auf der Dörscheider Heide im Einsatz. Auch wenn es für den Laien auf den ersten Blick schwer zu verstehen ist, dient der erstmals dort eingesetzte Forstmulcher an einem Bagger der Landschaftspflege und dem Artenschutz.

Mit dem Forstmulcher statt der Schaufel am Bagger hat Frank Staudt aus Kaub für einige Herbsttage den Arbeitsplatz mit einer der schönsten Aussichten in der Region. Zügig kann damit verbuschtes Gelände auf der Dörscheider Heide oberhalb der Burg Gutenfels im Dienste der Landschaftspflege und des Artenschutzes freigelegt werden. Foto: Andreas Jöckel
Mit dem Forstmulcher statt der Schaufel am Bagger hat Frank Staudt aus Kaub für einige Herbsttage den Arbeitsplatz mit einer der schönsten Aussichten in der Region. Zügig kann damit verbuschtes Gelände auf der Dörscheider Heide oberhalb der Burg Gutenfels im Dienste der Landschaftspflege und des Artenschutzes freigelegt werden.
Foto: Andreas Jöckel

Der Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord, Ulrich Kleemann, besuchte am Donnerstag die Dörscheider Heide im Fauna-Flora-Habitat (FFH) „Rheinhänge zwischen Lahnstein und Kaub“. Anlass war die erste Umsetzung des aktuellen Bewirtschaftungsplans. Diesen erstellt die SGD als Obere Naturschutzbehörde zum Schutz gefährdeter heimischer Lebensräume sowie Pflanzen- und Tierarten. „Die Dörscheider Heide zeichnet sich deutschlandweit durch eine sehr hohe Artendichte und -viefalt mit mediterranem Charakter aus. Das Land Rheinland-Pfalz finanziert hier seit mehr als 20 Jahren Biotoppflegemaßnahmen. Im Rahmen dieser werden mehr als 60 Prozent der Fläche maschinell, manuell oder durch Beweidung offen gehalten“, erklärte Kleemann.

Beim Besuch von SGD-Präsident Ulrich Kleemann (2. von rechts) zeigen Axel Schmidt und seine Kollegen kommunalen Vertretern die Arbeiten auf der auch im Herbst noch blühenden Dörscheider Heide. Foto: Andreas Jöckel
Beim Besuch von SGD-Präsident Ulrich Kleemann (2. von rechts) zeigen Axel Schmidt und seine Kollegen kommunalen Vertretern die Arbeiten auf der auch im Herbst noch blühenden Dörscheider Heide.
Foto: Andreas Jöckel

An der Exkursion von Dörscheid aus nahmen auch der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Loreley, Werner Groß, der Kauber Stadtbürgermeister Karl Heinz Lachmann, Bauamtsleiter Ewald Gabel und Gästeführerin Ute Grassmann teil. Nicht nur als Referent für Biotop- und Artenschutz, sondern auch als Fan der Dörscheider Heide von Kindesbeinen an, erläuterte Axel Schmidt, welche Erfolge die Pflegemaßnahmen bereits erzielt haben – unterstützt von den Biotopbetreuern Martin Unfricht und Lukas Dörr.

Mehr als 650 Schmetterlingsarten

Das Projekt sichert nicht nur die Artenvielfalt, es gibt stellenweise auch spektakuläre Blicke auf den Rhein wieder frei. Foto: Andreas Jöckel
Das Projekt sichert nicht nur die Artenvielfalt, es gibt stellenweise auch spektakuläre Blicke auf den Rhein wieder frei.
Foto: Andreas Jöckel

Einige Flächen, auf denen vor 20 Jahren noch drei Meter hohe Büsche wucherten, hat sich mittlerweile der blüten- und artenreiche Magerrasen weiter ausgedehnt. Die Blütenpracht hält sich von Frühjahr bis Herbst und bietet somit Lebensraum für viele Arten. Mehr als 650 verschiedene Schmetterlingsarten wie der Segelfalter und viele seltene Vögel sind hier heimisch. Hinzu kommen Reptilien wie die Smaragdeidechse oder Wärme liebende Heuschrecken wie die Rotflügelige Ödlandschrecke.

Wichtig ist laut Schmidt, dass die Lebensräume eine ausreichende Größe haben: „Je größer die Fläche, desto geringer der Einfluss von außen, etwa durch die Landwirtschaft.“ Der zentrale Bereich der Dörscheider Heide ist etwa 100 Hektar groß und liegt im Naturschutzgebiet „Rheinhänge von der Burg Gutenfels bis zur Loreley“. Beide zählen zum FFH-Gebiet „Rheinhänge zwischen Lahnstein und Kaub“, das rund 4500 Hektar umfasst.

45.000 Euro aus der "Aktion Grün"

Für die Dörscheider Heide ergab sich nun die Möglichkeit, die Arbeit in einigen Bereichen aufzunehmen, die in den vergangenen 20 Jahren noch zurückgestellt worden waren. Möglich wurde dies im Rahmen der „Aktion Grün“ zur Umsetzung der Biodiversitätsstrategie des Landes. Es werden weitere rund 30 Hektar verbuschtes Gelände mit sogenannten Forstmulchern teilweise freigestellt. „Mit dem schweren Gerät kann das Holzmaterial effizient zerkleinert werden. Die verbleibenden Hecken und Feldgehölze dienen als Rückzugsgebiet für Wildarten und zur Vogelbrut“, erklärte Kleemann. Das Land Rheinland-Pfalz finanziert die Arbeiten mit rund 45.000 Euro.

Nach den aktuellen Arbeiten ist der Umfang an Freistellungen auf der Dörscheider Heide laut Schmidt weitgehend abgeschlossen. Ziel der jüngsten Maßnahmen ist wie in den vergangenen Jahrzehnten die Wiederbegrünung mit blütenreichem Magerrasen. Künftig werde man sich auf die Pflege konzentrieren können. Dazu würden die neuen Flächen in das bereits bestehende Beweidungskonzept mit Schafen und Ziegen integriert.

„Es wird hier wohl nie wieder so werden wie in den 50er- oder 60er-Jahren mit bewirtschafteten, parkähnlichen Flächen entlang der gesamten Hänge im Mittelrheintal“, zog Schmidt eine gewisse Zwischenbilanz. „Aber das muss auch nicht sein.“ Vielmehr sei wichtig, die seit den 90er-Jahren durch Mulchen, Mahd und Beweidung freigestellten Flächen weiter zu pflegen. Die Artenvielfalt sei darauf zurückzuführen, dass sich das Biotop wie ein Mosaik aus kleinen Gebüschen, Wäldchen, Felsen und offenen Weinbergsbrachen mit Trockenmauern zusammensetzt.

Heimatkunde und Tourismus

Darüber hinaus verbergen sich dahinter auch Aspekte der Heimatkunde und des Tourismus. Denn die Dörscheider Heide macht deutlich, wie früher die typische Landschaft im Welterbe Oberes Mittelrheintal ausgesehen hat. Schon jetzt lockt das Biotop viele Gäste an. Auch für Besucher der geplanten Buga 2031 könnte eine Führung durch das Kleinod zu einem tollen Programmpunkt werden.

Der Bewirtschaftungsplanentwurf für das FFH-Gebiet „Rheinhänge zwischen Lahnstein und Kaub“ kann bis zum 29. Oktober unter www.naturschutz.rlp.de heruntergeladen oder bei den Kreisverwaltungen eingesehen werden. Nach Auswertung von Stellungnahmen werden die Pläne rechtskräftig im Internet veröffentlicht. Weitere Informationen unter www.sgdnord.rlp.de

Von unserem Redakteur Andreas Jöckel

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