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Betzdorf

Sitzordnung am Altar: „Stuhlreform“ in der Ignatiuskirche wirft Fragen auf

Die Zahl der sonntäglichen Gottesdienstbesucher geht in der katholischen St. Ignatiuskirche in Betzdorf stetig zurück. Das Seelsorgeteam um Pastor Helmut Mohr stört etwas anderes: die bisherige Sitzordnung am Altar des Gotteshauses.

Die Sitzreihe mit Zelebrant, Messdiener und Lektor bildete bislang eine Einheit in der Ignatiuskirche in Betzdorf. Da aber der Priestersitz laut Seelsorgeteam nicht vor dem Tabernakel stehen dürfe, wurde er verrückt und eine Lücke gelassen.
Die Sitzreihe mit Zelebrant, Messdiener und Lektor bildete bislang eine Einheit in der Ignatiuskirche in Betzdorf. Da aber der Priestersitz laut Seelsorgeteam nicht vor dem Tabernakel stehen dürfe, wurde er verrückt und eine Lücke gelassen.
Foto: Claudia Geimer

Von unserer Mitarbeiterin Claudia Geimer

Diese wurde im Februar auch prompt geändert. Der Stuhl des Priesters dürfe nicht dort stehen, wo er bislang gestanden habe, heißt es. Der Pfarrgemeinderat wurde über die Änderung nicht informiert, geschweige denn im Vorfeld gefragt, was er zu dem Vorhaben sagt. So wirft dieses eigentlich banale Thema Fragen nach dem Klima in der Pfarrei und zudem nach den Prioritäten auf, die von Pastor Mohr und seinen Seelsorgerkollegen gesetzt werden.

Warum die Stühle verrückt wurden, das erläutert die Geistlichkeit in einem Beiblatt zum Pfarrbrief. Darin heißt es, dass der Priestersitz „ein besonderer Platz“ sei. Daraus folgt: „Der Priestersitz soll nicht im Scheitelpunkt der Kirche stehen, wenn im Tabernakel des vorhandenen Hochaltars die Eucharistie aufbewahrt wird.“

Vereinfacht ausgedrückt: Der Priester darf nicht mit dem Rücken zum Tabernakel sitzen, sondern so, dass er Blickkontakt zum Tabernakel hat. Zur Erläuterung heißt es: „Seit Alters her hat der Zelebrant der Heiligen Messe einen besonderen Platz. Er ist so zu platzieren, dass die zu leitenden liturgischen Vollzüge angemessen erfolgen können.“

Sinnvoll sei es daher, den Priestersitz und die der Assistenz – gemeint sind Messdiener und Lektoren – „so zu platzieren, dass der Priester den Blick zur Gemeinde sowie zum Tabernakel halten kann. In unserer Pfarrreingemeinschaft ist dies mit Ausnahme von Betzdorf der Fall.“ Die Gemeinde könne diese Veränderung gerne mitberaten, ruft Pastor Mohr am Ende der Ausführungen zum Dialog auf. Der Pfarrgemeinderat wurde vor vollendete Tatsachen gestellt. „Wir haben davon durch die Beilage in der Gottesdienstordnung erfahren“, teilt der Vorsitzende Fabian Bodora auf Anfrage mit.

Dies verwundert, denn der Pfarrgemeinderat ist das von den Mitgliedern der Pfarrei gewählte Sprachrohr der Gemeinde. Er hat die Aufgabe, in allen Fragen, die die Pfarrgemeinde betreffen, beratend oder beschließend mitzuwirken. Mit wem möchte Pastor Mohr und das Seelsorgeteam, bestehend aus dem neuen Kooperator Pater Willi von Rüden, Kaplan Anthoni sowie die Diakone Karl-Heinz Becher und Hans-Jürgen Benner, den Dialog denn führen, wenn die Maßnahme schon nicht mit dem Pfarrgemeinderat abgestimmt wurde? Auf eine entsprechende Frage per Mail antwortet Pastor Mohr nicht. Es wäre zudem interessant zu erfahren, warum ihm die Anordnung des Priestersitzes so wichtig ist.

Seit September 2011 ist Pastor Mohr leitendender Pfarrer in Betzdorf. So stellt sich auch die Frage, warum er erst nach bald sieben Jahren die Sitzordnung in Betzdorf moniert? Was entgegnet er Kritikern, die sich die Frage stellen, ob die Kirche nicht lieber vorwärts- statt zurückschauen sollte? Denn welchen normalen Gläubigen interessieren ernsthaft heute noch Sitzordnungen, die „seit Alters her“ gelten sollen? Die Kirche verliert insgesamt an Zustimmung. Das beklagt auch Papst Franziskus in seinen Reden, wenn er mahnt, das Kirche nicht „selbst bezogen“ sein und nicht um sich selber kreisen sollte. Hat die Pfarrei keine anderen Sorgen? Diese Frage geht auch an den Pfarrgemeinderat.

Er schreibt in auf Anfrag in einer Mail: „Im Pfarrgemeinderat sind wir bemüht, Antworten auf die Frage zu finden, wie wir in Zukunft Kirche sein können. Wir möchten mithelfen, die Synode des Bistums Trier vor Ort umzusetzen und auf die verschiedenen Charismen vertrauen, die jeder gewinnbringend in unsere Gemeinde einbringt. Dies bedeutet, dass wir das ehrenamtliche Engagement stärken und Orte der Begegnung schaffen möchten, damit unsere Gemeinde lebendig und die Kirche ein Ort ist, an dem sie gerne zusammenkommt.“

Altenkirchen Betzdorf
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