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Nachlese: Wenn das Postfach dreimal klingelt

Elektronische Post ist eigentlich eine feine Sache. Gerade wir Zeitungsmacher sind darauf angewiesen, schnelle Informationen zu erhalten, um sie ohne Zeitverlust verarbeiten zu können. Aber ehrlich gesagt: Manchmal wünsche ich mir auch den guten alten Brief zurück, der zugeklebt auf dem Schreibtisch landet. Wie ich darauf komme? Wahrscheinlich werden Sie mich nach den drei Beispielen verstehen, die ich in dieser Woche aus dem Mailfach gefischt habe.

Markus Kratzer
Markus Kratzer

Ein Recht auf Rente: „Sehr geehrter Herr Holl“ ist eine Mail an mich persönlich adressiert. Gut, der geschätzte Ex-Kollege hat auch einmal für unser Haus gearbeitet. Aber das ist schon so lange her, dass selbst der Vorgänger meines Vorgängers zu Recht behaupten wird, dass der Herr Holl nicht sein direkter Vorgänger war. Noch verwunderlicher, dass die Mail ohne Umschweife den Weg in mein Postfach gefunden hat. Heißt: die schnelle Post wäre in meinen Augen noch effektiver, wenn so mancher Absender sein Namensverzeichnis mal mit dem Adressverzeichnis in Einklang bringen würde. Denn jeder hat schließlich ein Recht auf Rente.

Hallo Herr Rhein-Zeitung: Da musste ich zweimal hinschauen. „Hallo Herr Rhein-Zeitung“ stand dort in der Mail eines Instituts zu lesen, das mir verschiedene Fortbildungsangebote schmackhaft machen wollte. Unabhängig davon, dass das grammatikalische Geschlecht der Rhein-Zeitung nun doch eher weiblich ist, hielt es der Absender stringent durch, mich so anzusprechen. Das gipfelte in dem Schlusssatz: „Sollten Sie, Herr Rhein-Zeitung, nicht der richtige Ansprechpartner in Ihrem Hause sein, leiten Sie die Mail bitte an Kollegen weiter. Wer wird da gemeint sein? Der Herr Express? Der Herr FAZ? Oder vielleicht der Herr Generalanzeiger?

Schneller ging es nicht: Um 14.03 Uhr kam die Mail eines Studenten, der für seine Diplomarbeit eine Umfrage unter Journalisten machen wollte. Fünf Minuten meiner Zeit wollte er haben. Die wollte ich ihm dann zwischen 14.30 Uhr und 14.35 Uhr auch einräumen, nachdem ich mich von der Seriosität der Quelle überzeugt hatte. Doch was las ich, als ich die Internetadresse eingab? „Leider ist diese Umfrage bereits beendet.“ Hoffentlich erging es nur mir alleine so, sonst muss sich der Jungakademiker echt Sorgen um sein Diplom machen.

Altenkirchen Betzdorf
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