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Kirchen/Oslo

Halbe-Rahmen: Großauftrag des Munch-Museums in Oslo

Wenn das Kirchener 50-Mann-Unternehmen Halbe-Rahmen in seiner Sparte nicht schon längst in der Weltspitze mitmischen würde, so hätte es der alteingesessene Familienbetrieb (Jahresumsatz: rund 5 Millionen Euro) spätestens jetzt geschafft: Mit einem anspruchsvollen Großauftrag von rund einer Million Euro, den Halbe bereits Anfang des Jahres in Norwegen ergattern konnte.

Foto: sel

Dort wird in der Landeshauptstadt Oslo derzeit ein neues Edvard-Munch-Museum gebaut – und rund 1000 Gemälde des weltbekannten norwegischen Malers sollen dann hier hinter Rahmen aus Kirchen hängen. Das ist der bisherige Höhepunkt einer Erfolgsgeschichte, mit der es die Firma schon zuvor nicht nur in Wohnhäuser, Ateliers und Geschäftshäuser geschafft hat, sondern immer öfter auch in große Museen.Der Grund liegt auf der Hand: Holzrahmen enthalten immer einen kleinen Säureanteil, der die alten hochempfindlichen Leinwände der Gemälde angreift; Halbe-Rahmen dagegen werden aus chemisch absolut neutralem Stahl und Aluminium hergestellt. Nicht ohne Stolz sagt Juniorchef David Halbe: „Wir dürften weltweit die einzigen sein, die solche Rahmen für Gemälde komplett aus Metall herstellen können.“ Das hatte sich in der Branche schon länger herumgesprochen. So war Seniorchef Heinrich Halbe (63) bereits vor zehn Jahren mit einem Münchner Spezialisten in Kontakt getreten, dem in diesem Bereich sehr renommierten Werner Murrer. Murrer hat sich seinen Namen mit historischen Zierrahmen aus Holz gemacht, die in Museen gefragt sind, wenn man sich dort die Frage stellt: Womit hätte wohl dieser oder jener Meister seine Werke gerahmt? Wie stellten sich Rubens, Van Gogh, Picasso und Co. die passenden Rahmen zu ihren Bildern vor? Murrer liefert das entsprechende „Outfit“ für die Werke der Maler, meistens sind es „auf alt“ gemachte Holzrahmen von hoher Qualität. Doch die oft sehr betagten Bilder mit ihren unschätzbaren Werten müssen auch sicher gerahmt sein: Da liefern die Stahl/Alu-Rahmen von Halbe das richtige „Innenleben“ für so ein „Gesamtkunstwerk“... Kurz: Murrer und Halbe Senior kannten sich schon vor ihrem ersten Telefonat, und als es um das Museum in Oslo ging, fanden sie – beide Meister ihres Fachs – erstmals zusammen.

Während im Hafen von Oslo das neue Munch-Museum gebaut wird, hat man im alten parallel dazu bereits begonnen hat, die Werke des modernen Symbolisten und Wegbereiters für den Expressionismus neu zu rahmen, für die Ewigkeit sozusagen. „Es war sehr komplex und anstrengend, bis wir eine gemeinsame Lösung gefunden hatten“, berichtet David Halbe. „Die Norweger sind sehr stark auf Konsens aus, und hier ging und geht es darum, vier Parteien zufrieden zu stellen: Den Kurator, der eine perfekte Optik für die Exponate will; den Restaurator, der den größtmöglichen Schutz für die Werke will; den Museumstechniker, der eine möglichst einfache Hänge- und Ausstellungstechnik möchte und die Museumsleitung, die einen guten Preis im Sinn hat.“

Doch das Geschäft wurde eingefädelt, die ersten Rahmen aus Kirchen bereits im Frühjahr nach Oslo geliefert. Sobald der Neubau fertig ist – wahrscheinlich im Jahr 2020 – sollen auch die Munch-Werke in den Rahmen mit einem „Innenleben“ von Halbe und dem Zierrahmen von Murrer fertig sein.

Mit seiner optimalen Konservierung der alten Meister hat Halbe den Einzug in die erste Liga der internationalen Rahmenhersteller geschafft. „Obwohl wir die Früchte dieses Erfolgs wohl erst in fünf oder zehn Jahren ernten können“, meint Junior David, „denn die Museen haben sehr lange Planungszeiten.“

Ein Novum ist es für Halbe dabei übrigens, dass erstmals das Magnetrahmenprinzip – als Alleinstellungsmerkmal der Firma – auch auf Gemälde übertragen wurde. Für den Munch-Auftrag indes wurden die Murrer-Holzrahmen zusätzlich diebstahlsicher auf den magnetischen Innenrahmen von Halbe geschraubt. Und dieser schützt die Werke zugleich vor schädlichen UV-Strahlen, Berührungen, Staub und Diebstahl. Da es die Halbe-Technik aber vor allem erlaubt, die Rahmen von vorne auf das jeweilige Bild zu setzen, wird die Arbeit von Restauratoren und Experten immens vereinfacht. Deswegen, aber auch wegen ihrer Stabilität, entsprecht das Produkt aus dem AK-Land sämtlichen Erwartungen der Museumsmacher von Oslo.

Nun ist man in den Hallen unweit des Kirchener Bauhofs dabei, zahllose dieser Spezialrahmen für Oslo zu herzustellen, und dies auch noch in vielen verschiedenen Größen – denn natürlich sind nicht alle Munch-Werke gleich groß. Dafür waren Experten von Halbe auch schon in Oslo zum Maßnehmen. Die Größen reichen von 40 mal 50 Zentimetern bis hin zu 160 mal 220. „Da sind wir natürlich noch Jahre beschäftigt“, sagt Heinrich Halbe.

Doch auch, wenn man dann die Halbe-Rahmen unter dem Zierrahmen von Murrer im Museum nicht sehen kann, so haben es das Design und die Technik aus Kirchen doch bei Insidern zu einem Ruf gebracht, den ihnen kaum wieder jemand wird nehmen können. So schaffte es eines der Hautwerke von Munch, „Pubertät“, in einem der Halbe-Rahmen in die USA: Für das Gemälde kann somit eine vom Außenklima unabhängige konstante relative Feuchtigkeit garantiert werden. Als Leihgabe aus Oslo war das Bild bis Oktober in San Francisco zu sehen – aktuell hängt es in einem Halbe-Rahmen in einer New Yorker Ausstellung.

Die Firma Halbe öffnet übrigens ihre Produktionsstätten zu einem Tag der offenen Tür am Donnerstag, 23. November. Von 9 bis 18 Uhr kann man sich das spezielle Prinzip der Spezialrahmen erklären lassen.

Von unserem Redakteur Peter Seel

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