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    Krunkel/Epgert

    Ein spannendes Stück Zeitgeschichte

    Hubert Oswald ist Krunkeler mit Herz und Seele. Der 81-Jährige ist in seinem Heimatdorf geboren und lebt noch heute mit seiner Frau Maria in seinem Elternhaus.

    Der mittlerweile pensionierte Schuhmachermeister hat aber seit seinem (Un-)Ruhestand eine neue Leidenschaft entdeckt: Die Geschichtsforschung. Nachdem die Oswalds vor einigen Jahren schon maßgeblich an der Entstehung der Kirchenchronik beteiligt waren, haben sie nun in monatelanger Arbeit die für andere kaum mehr lesbare Sütterlinschrift des Lehrers Karl Weckbecker entziffert und aus dessen Aufzeichnungen eine spannende Chronik der Dorfschule Epgert zusammengestellt. „Ganz früher waren die Schulbezirke ja nach den Pfarreien aufgeteilt. Krunkel gehörte zur Pfarrei Horhausen, und die Kinder gingen auch dort zur Schule. Epgert und Obersteinebach gehörten zu Peterslahr. Die Kinder mussten bei Wind und Wetter sieben Kilometer hin und zurück durch den Wald laufen", erklärt Oswald. 1836 wurde dann in Epgert eine Schule für beide Dörfer gebaut. Diese brannte jedoch am 29. Oktober 1894 ab. Nachdem der Unterricht einige Zeit in einem Privathaus in Obersteinebach (bei Peter Rüth) abgehalten wurde, eröffnete man die neue Dorfschule Epgert im Juli 1899. Bis 1970 reichen die Aufzeichnungen, bis 1973 drückten hier auch noch Grundschüler die Schulbank. Danach wurde die Schule geschlossen, die Kinder gehen seither nach Horhausen. Hubert Oswald hat hier natürlich das Lesen und Schreiben gelernt, genauso, wie seine drei Kinder. „Die Schulchronik hat mich schon immer interessiert", sagt der Hobbyforscher und erinnert sich, wie 1994 der damalige Bürgermeister Josef Becker mit den unzähligen Aufzeichnungen der Dorfschullehrer – bis 1941 noch komplett in Sütterlin – zu ihm kam und bat, die Oswalds mögen sich doch der Sache annehmen. Da beide Oswalds in der Schule noch in Sütterlin unterrichtet wurden, hatten sie zumindest mit dem Entziffern der Originale weniger Schwierigkeiten, als ein Heimatforscher jüngeren Baujahrs.  „Nicht alle Lehrer hatten allerdings eine schöne Schrift, meine Frau und ich haben manchmal bis tief in die Nacht über den Aufzeichnungen gesessen", erinnert sich Oswald. Die abgeschriebene Chronik lag dann erst ein mal ein paar Jahre im Regal, bis die Idee kam, ein Buch daraus zu machen – ergänzt durch Fotomaterial, Zeitungsausschnitte und andere historische Dokumente. „Wir mussten unsere alten Aufzeichnungen mit dem PC abschreiben, alles musste gesammelt, zugeordnet und aufbereitet werden. Das war noch mal ein schönes Stück harter Arbeit", sagt der 81-Jährige, der betont, dass er es ohne „seine Maria" nicht geschafft hätte. Herausgekommen ist ein spannendes Stück Zeitgeschichte. Neben den für den Schulalltag relevanten Anmerkungen über die Klassen und Lehrer sind immer wieder historische Ereignisse eingeflochten, so etwa die Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajewo, die den Ersten Weltkrieg zur Folge hatte, oder auch der strenge Winter 1921/22, der eine schlechte Ernte und Preissteigerungen nach sich zog. Oswald selbst fand die Abschnitte über den Beziehungsmord in Obersteinebach (1907) und die Kindssuche (1938) am interessantesten. „Bei der Vermisstensuche waren alle Schüler dabei, ich war aber in der ersten Klasse, wir wurden nach Hause geschickt", so Oswald. Damals war der dreijährige Franz-Josef Rüth verschwunden. Einen Tag war das Kind vermisst, dann fanden Schulkinder aus Fernthal, die an der Suche beteiligt waren, den Kleinen in der Nähe von Hombachs-Mühle. Von September 1944 bis Oktober 1945 war die Schule wegen des Krieges geschlossen. Ansonsten, so der Krunkeler, seien die Klassen der zweizügigen Schule immer voll gewesen. „Ich könnte die Chronik immer wieder von vorne lesen und jedes Mal etwas Neues entdecken. Und man lernt viel über die eigene Familie", freut sich Ortsbürgermeister Werner Eul, der ebenfalls nicht ganz „unschuldig" an der Entstehung des Werkes war. sr

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