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    Denkmal schlummert im Dornröschenschlaf

    In Biersdorf wird der schleichende Verfall eines alten Fachwerkhauses beklagt. Der Eigentümer weist Kritik diesbezüglich aber zurück.

    Von unserem Redakteur Daniel Weber

    Eigentlich hat es Hannelore Schneider ja ganz nett in ihrem Zuhause in Biersdorf. Hier im Oberen Mühlhof, im alten Ortskern, gibt es viele gut erhaltene und schmucke Fachwerkhäuser - so viele, dass im Verzeichnis der Kulturdenkmäler für den Kreis Altenkirchen sogar von einer Denkmalzone die Rede ist. Wenn Hannelore Schneider aus ihrem Küchenfenster schaut, blickt sie auf ein besonders imposantes Exemplar. Das Haus Oberer Mühlhof 2 wird ebenfalls im Denkmalverzeichnis gelistet: "Stattliches Fachwerkhaus, teilweise verschiefert, erbaut um 1800", heißt es da.

    "Das war mal ein schönes Haus"

    Doch von stattlich kann derzeit keine Rede sein. Denn seit geraumer Zeit schon fristet das Gebäude ein eher trauriges Dasein: Das Fachwerk ist brüchig, die Fenster sind teils kaputt oder gar nicht mehr vorhanden, auch sind etliche Schieferplatten locker. Kurzum: Die Fassade sieht ziemlich mitgenommen aus. Sehr zum Bedauern von Hannelore Schneider, die das Haus noch aus besseren Tagen kennt. Als kleines Kind ist sie sogar mal drin gewesen, weiß einiges darüber von alten Fotografien und Erzählungen ihrer Mutter. "Ein schönes Haus war das", sagt sie. "Mittlerweile ist es aber nur noch ein Schandfleck."

    Der Verfall kam schleichend, erzählt sie. Zuletzt habe dort eine Kindergärtnerin mit ihrer Schwester gewohnt. Deren Vater war Obersteiger auf Grube Füsseberg, der erste Aufseher auf dem "Fuss", die Familie eine besser situierte in ärmeren Zeiten. "Nachdem beide Eltern gestorben waren, ging es mit dem Haus bergab", berichtet die Nachbarin. Den letzten Anstrich habe das Gebäude um 1967 erhalten, das Dach wurde letztmals 1982 neu eingedeckt, und irgendwann mussten im Erdgeschoss notgedrungen ein paar neue Fenster her. "Das war aber wirklich das letzte, dass da mal gemacht worden ist."

    Nachbarin beklagt "Baustopp"

    Vor fünf, sechs Jahren dann hat ein Bauunternehmer das Haus gekauft. Getan hat sich seitdem jedoch wenig, beklagt Hannelore Schneider. "Da liegen Steine und Baumaterial rum. Durch die offenen Fenster regnet's rein. Mittlerweile nisten Vögel darin, und wer weiß, was da noch so alles kreucht und fleucht." Der neue Eigentümer, beklagt die Nachbarin, lasse sich nur selten blicken. "Letzten Sommer waren mal Leute da, die ein paar Sachen ausgeräumt und den Rasen gemäht haben. Inzwischen wächst das Gras aber wieder, und im Winter wird auch nicht geräumt." Da das Haus nicht verschlossen ist, hat die Anwohnerin große Sorge, dass dort etwas passieren könnte. Vor zwei, drei Jahren habe sie Jugendliche erwischt, die im Haus geraucht haben. "Was, wenn da jemand mal eine Silvesterrakete reinschießt?"

    Dass das Haus trotz seines kläglichen Zustands immer noch Charme besitzt, zeigen Reaktionen von vorbeikommenden Wanderern und Radfahrern, die laut Hannelore Schneider des Öfteren davor stehen bleiben. "Gewiss könnte man da was draus machen. Aber der Besitzer hat offensichtlich kein Interesse mehr daran, und die Gemeinde kümmert sich auch nicht drum." So bleibe am Ende irgendwann wohl nur der Abriss, sagt Schneider. "Mich ärgert es, dass man das Haus einfach so verfallen lässt."

    Eigentümer möchte das Haus erhalten

    Davon könne keine Rede sein, betont der Eigentümer gegenüber der RZ. Er habe das Haus vor ein paar Jahren in einem "grauseligen Zustand" übernommen, entmüllt und entrümpelt und bereits einen fünfstelligen Betrag in die Teilentkernung gesteckt. Nun stehe da ein Gerippe - "sicher nicht schön, aber schon mal besser als der jahrelange Zustand zuvor". Die Arbeiten werde er schrittweise fortführen, sich dabei aber "gewiss nicht unter Druck setzen lassen". Gerne, so betont er, würde er das Haus erhalten, doch noch sei gar nicht endgültig entschieden, ob es am Ende doch abgerissen werden muss. Bei einer Sanierung sei in jedem Fall ein neues Dach vonnöten. In der Zwischenzeit werde das Grundstück gepflegt und regelmäßig gemäht.

    Ortsbürgermeister Walter Strunk verweist auf RZ-Anfrage darauf, dass es sich um ein Privatgrundstück handelt. Die Gemeinde habe daher keine Handhabe, zumindest solange keine Ordnungswidrigkeit besteht. Grundsätzlich sei zu wünschen, "dass die alte Bausubstanz, wenn sie denn erhalten werden kann, auch erhalten wird", sagt Strunk. "Insofern würde ich mich freuen, wenn der Eigentümer sein Vorhaben nun zügig umsetzt."

    Behörden werden aktiv

    Inzwischen ist die Denkmalschutzbehörde der Kreisverwaltung auf den Fall aufmerksam geworden. Man werde zum Eigentümer bezüglich einer denkmalschutzrechtlichen Genehmigung kurzfristig Kontakt aufnehmen, heißt es dort. Hinsichtlich der "Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung" habe man die zuständige Bauaufsichtsbehörde informiert.

     

     

    Denkmaleigentümer haben gesetzliche Erhaltungspflicht

    Nach Auskunft der Unteren Denkmalpflege bei der Kreisverwaltung Altenkirchen hat ein Eintrag in der Denkmalliste zunächst mal nur nachrichtlichen Charakter für die Eigentümer und ist „nicht mit Rechtswirkungen verbunden“. Allerdings bestehe vom Grundsatz her eine gesetzliche Erhaltungspflicht. Die Eigentümer sind „aufgerufen, ihre Kulturdenkmäler im Rahmen des Zumutbaren zu erhalten und zu pflegen. Dies schließt Instandhaltung, Instandsetzung und Abwehr von Gefahren ein“. Geplante Veränderungen (auch ein Abriss) sind demnach genehmigungspflichtig. Außerdem gilt: Wer wissentlich ein denkmalgeschütztes Haus erwirbt, kann sich im Nachhinein nicht wegen zu hoher Instandsetzungskosten auf wirtschaftliche Unzumutbarkeit berufen. Unter dem Titel „Hilfe, mein Haus ist ein Denkmal!“ hat die Landesdenkmalpflege Rheinland-Pfalz eine „Kleine Anleitung zum Umgang mit Kulturdenkmälern“ veröffentlicht – zu finden im Internet auf der Seite www.landesdenkmalpflege.de daw

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