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Grimburg

Hexenwahn: Die traurige Geschichte von Herrichs Traud

Die Krämersfrau Herrichs Traud aus Niederkell fleht ihre Peiniger bei der hochnotpeinlichen Befragung im Hexenprozess auf der Grimburg vergeblich an, ihr zu glauben, dass sie nicht zaubern könne. 1626 wird sie dennoch lebendig verbrannt. Der ungefähr 70-Jährigen wird sogar die „Gnade“ des vorherigen Strangulierens verwehrt. Ihr bewegendes Schicksal steht im Mittelpunkt eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, die in einem ehemaligen Bauernhaus gegenüber der Kirche im Grimburger Burgen- und Hexenmuseum aufgearbeitet ist.

Der Hexenturm ist heute ein beliebter Rastplatz für Wanderer. Fotos: Heidrun Braun/RLP-Tourismus
Der Hexenturm ist heute ein beliebter Rastplatz für Wanderer. Fotos: Heidrun Braun/RLP-Tourismus
Foto: Heidrun Braun

Auf der Grimburg, Verwaltungs- und Gerichtssitz des kurfürstlichen Amtes Grimburg, fanden 47 Hexenprozesse statt. Das Amt Grimburg mit 40 Orten war eines der Verwaltungsgebiete im Kurfürstentum Trier, das mit dem benachbarten Herzogtum Lothringen zur Kernzone der Hexenverfolgung in Europa zählte. Die als Hochwald bezeichnete Region im südwestlichen Teil des Hunsrücks erstreckte sich von der Saar bis nach Thalfang. Hier fanden zwischen 1523 und 1630 mehr als 300 Hexenprozesse statt.

Es bedurfte nicht viel, um vor ein Hexengericht gestellt zu werden. Eine verhagelte Ernte, ein plötzlicher Kälteeinbruch, krankes Vieh in den Ställen oder ein plötzlich verstorbenes Baby waren Grund genug, einen Nachbarn oder eine Rothaarige dafür verantwortlich zu machen. Für eine Anzeige genügte der bloße Verdacht, der die Festnahme und Befragung nach sich zog.

So erging es auch der Krämersfrau Herrichs Traud, die vielleicht einmal zu oft das Herz auf der Zunge getragen hatte. Sie war schon in der ersten Trierer Hexenwelle zwischen 1580 und 1600 in das Visier der Hexenjäger geraten, als sie im Streit mit einem Nachbarn seinem Pferd und Kuh den Tod gewünscht haben soll. Ihre Schwangerschaft verhinderte eine Verurteilung. Als aber 1625 in Mandern-Niederkell ein neuer Hexenausschuss gebildet wird, reichte die Begründung, dass sie schon einmal „mit dem abscheulichen Laster der zauberey verdechtig gewest“ aus, um sie erneut vor ein Hexengericht zu stellen.

Herrichs Traud ahnt, was ihr blüht, und flieht. Drei ihrer Kinder stehen zu ihr, auch aus dem Grund, dass sie nicht die hohen Prozesskosten zahlen wollen, mit denen die Familien verurteilter Hexen belangt werden. Ihre Tochter Barbel aber meint, dass es besser wäre, die Seele ihrer Mutter im Hexenfeuer der Gnade Gottes anzuempfehlen und verrät ihr Versteck. 14 Tage lang wird Herrichs Traud im unwirtlichen Hexenturm der Grimburg gefangen gehalten. Weil sie nicht gestehen will, wird sie an drei aufeinanderfolgenden Tagen „in die Schnur gestellt“.

Trierer Rosenkranz und der Stein, der bei der Streckfolter an den Fuß gebunden wurde.
Trierer Rosenkranz und der Stein, der bei der Streckfolter an den Fuß gebunden wurde.
Foto: Heidrun Braun

Im Museum ist diese grausame Foltermethode dargestellt. Helga Arm vom Förderverein der Burg Grimburg erklärt wie das ablief: „Die Arme wurden nach hinten gebunden und das Seil über die oberste Sprosse der an eine Wand gelehnten Leiter nach oben gezogen. Um die Schmerzen zu erhöhen, klemmte der Befrage ein Brett, den sogenannten Trierer Rosenkranz, zwischen die Füße und trat darauf, um die Streckung zu verstärken.“ Im Fall der Krämersfrau wurde die Qual noch mit einem schweren Stein, der ihr an den Fuß gebunden wurde, erhöht. Schließlich gibt auch Herrichs Traud auf und gesteht. Sie benennt in ihrer Not 14 weitere vermeintliche Hexen.

Einige von ihnen sowie ihr Sohn Kuno und ihre Nichte Anna werden wenige Jahre nach ihrem Tod ebenfalls verurteilt und verbrannt. Im Burgen- und Hexenmuseum ist die lange Liste der Opfer der Hexenverbrennungen zu sehen. Rund ein Drittel davon waren Männer. Der soziale Stand spielte keine Rolle. Es traf auch Bürgermeister und Geistliche. Im Kurfürstentum Trier ist das prominenteste Beispiel der Feuertod des kurfürstlichen Rates und Professors an der Theologischen Universität Trier, Dietrich Flade. Auch die Tatsache, dass er selbst als Richter bei Hexenprozessen Todesurteile sprach, schützte ihn nicht.

Die Grimburg, die in den 1970er-Jahren nicht mehr als ein Haufen Steine war, wurde auf Initiative des Fördervereins und mit vielen freiwilligen Arbeitsstunden wieder aufgebaut und ist heute nicht nur ein ganz und gar friedlicher, sondern auch ein sehr gastlicher Ort. Der Hexenturm ist ein Schmuckstück und ausgestattet mit Tisch und Bänken ein beliebter Rastplatz für Wanderer auf dem Saar-Hunsrück-Steig. Im Burghaus werden Paare getraut und Feste gefeiert. Das Burg- und Hexenmuseum in der Hauptstraße 16 in Grimburg hat von Oktober bis März sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet, im Sommerhalbjahr auch samstags. Der Eintritt kostet für Erwachsene 2 Euro und für Kinder zwischen sechs und 15 Jahren 1 Euro. Heidrun Braun

Infos: Hunsrück-Touristik GmbH, Gebäude 663, Hahn-Flughafen, Tel. 06543/507.703, E-Mail info@hunsruecktouristik.de, www.gastlandschaften.de .

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