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Lahnstein

Stevens Vater: Wenn er nur gefunden würde

Viel ist spekuliert worden über die Umstände des Bootsunglücks auf der Lahn am vergangenen Wochenenende. Die Ursache ist jedoch noch immer unklar. Während die Suche nach den zwei jungen Männern weitergeht, hofft der Vater des vermissten 19-jährigen Steven, dass er seinen Sohn bald beerdigen kann.

Lahnstein – Seinen Sohn bringt es ihm nicht zurück, aber wenigstens kann Hans Werner Weis ein wenig Licht in das Dickicht aus Vermutungen und Gerüchten bringen, welches das Bootsunglück auf der Lahn am vergangenen Wochenende umrankt: Sein 19 Jahre alter Sohn Steven ist gemeinsam mit einem 22-Jährigen unweit einer Schleuse gekentert, als er gegen Mitternacht mit einem Schlauchboot auf der Lahn unterwegs war.

Zunächst war spekuliert worden, dass jemand das Unglück gefilmt hat. Die Familie des Vermissten ging außerdem davon aus, dass die Rettungsaktion in der Unglücksnacht zu früh beendet worden ist. Ein Gespräch mit dem Lahnsteiner Oberbürgermeister Peter Labonte und Vertretern der Hilfskräfte brachte dazu aber Klärung.

"Seit dieser Nacht habe ich mir eben unendlich viele Gedanken gemacht", sagt Weis, der immer noch nach einer Erklärung für den Unfall sucht. Der Bad Emser ist bei der Familie seines Cousins Hermann-Josef Bernd in Koblenz untergekommen – um den Schock besser zu überwinden und um Ruhe zu finden, mit den Gerüchten aufzuräumen, die sich nach dem Unglück in der Nacht auf Sonntag entwickelt haben. Von einem Handy war die Rede, das nach dem Unglück gefunden wurde, und von Mädchen auf der Schleusenbrücke, die das Unglück fotografiert oder gefilmt haben sollen. Außerdem fühlte sich Stevens Familie zunächst vernachlässigt von der Lahnsteiner Stadtspitze: "Wir dachten am Anfang, dass der Bürgermeister sich früher bei uns hätte melden sollen", sagen sie. Diesen Vorwurf haben sie inzwischen zurückgezogen.

"Im Gegenteil. Heute sind wir allen Rettungskräften sehr dankbar", sagt Bernd nach dem Gespräch mit Labonte, das zustande kam, nachdem sich die Familie an unsere Zeitung gewandt hatte. Jetzt erst ist ihnen so richtig bewusst geworden, dass Rettungskräfte in der eiskalten Lahn ihr Leben riskiert haben, erklärt Bernd. Und jetzt ist sich die Familie des Vermissten auch bewusst, was dazu geführt hat, dass der Stadtchef sie erst Tage nach der Tragödie kontaktieren konnte: Hans Werner Weis war in der Unglücksnacht nicht zu Hause in Bad Ems, sondern in Koblenz. Und von da aus kam er mit einem leichten Herzinfarkt in die Klinik. "Die Aufregung war einfach zu viel", sagt er. "Wir rätseln den ganzen Tag lang, auch wenn mir das meinen Sohn nicht zurückbringt."

Für Labonte war es "ein gutes Gespräch, das der Familie viel Erleichterung gebracht hat", erklärt er. Hinterher wirkt Hans Werner Weis ruhiger, gefasster. "Wir wissen jetzt, dass die Einsatzkräfte in der Nacht alles Menschenmögliche gemacht haben, um meinem Sohn zu helfen", sagt er. Dass die Suchaktion nach mehr als vier Stunden eine Pause einlegte, weil bei Dunkelheit, reißender Flut und eisiger Kälte nichts mehr zu machen war, dafür hat die Familie jetzt volles Verständnis. "Das war eine gemeinsame Entscheidung aller Hilfsorganisationen", bestätigt Hans-Josef Kadenbach, Wachleiter der Lahnsteiner Feuerwache Nord.

Was die angeblichen Fotos und Filme angeht, steht noch nichts fest. Zeugen hat die Polizei auch nicht gefunden. Von den vielen Gerüchten rund um die Unglücksnacht kann die Kripo auf Anfrage unserer Zeitung deshalb kein einziges bestätigen. "Aber es würde den Ermittlern sehr helfen, wenn sich die Leute bei uns melden, falls sie etwas wissen", sagt ein Polizeisprecher.

Auch am Freitag suchten Polizei und Feuerwehr mit Tauchern nach den beiden Vermissten – ohne Erfolg. Gemeinsam mit DLRG-Helfern, die aus Ransbach-Baumbach zur Unterstützung gekommen waren, durchkämmten sie das Lahnsteiner Hafenbecken. Die DLRG hatte ein spezielles Sonargerät dabei, das per Seil in die Tiefe herabgelassen werden kann, um auch unter Stegen und Bootsanlegern nachzuschauen. Bislang konnte die Polizei Lahn und Rhein nur mit einem auf dem Boot fest installierten Sonar absuchen.

Hans Werner Weis hat keine Hoffnung mehr, dass die beiden Vermissten noch leben. Er hat nur noch einen Wunsch: "Wenn mein Sohn doch bald gefunden würde, damit wir ihn beerdigen können. Dann fiele mir wenigstens der Abschied leichter."

Von unserem Reporter Alexander Hoffmann

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