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    Model-Show: Glitzer bis zur Schmerzgrenze

    Perfekter hätte das Finale von „Germany's Next Topmodel“ aus Koblenzer Sicht nicht laufen können: Nachdem die Finalistinnen Leticia und Romina bereits in den ersten beiden Entscheidungen am Donnerstagabend „rausgefallen“ waren (nett von Modelmama Heidi Klum, das Wort „rausgeflogen“ hier zu vermeiden), stakste nur noch Team Koblenz auf seinen 16-Zentimeter-Absätzen dem Traum vom Topmodelleben entgegen. Céline (18) gegen Serlina (22) – dass es da nicht zu einem Namensdreher kam, grenzt an ein Wunder.

    Um kurz vor 23 Uhr und nachdem Klum gefühlt 1000-mal die Frage in die Halle geschrillt hat, wer denn nun Germany's Next Topmodel 2017 wird, fällt im Centro in Oberhausen die Entscheidung: Die 18-jährige Céline Bethmann setzt sich in einem letzten und für diese Staffel so berüchtigten „Shootout“ (Fotoshooting, bei dem es am Ende nur eine geben kann) gegen ihre Konkurrentin Serlina durch. Vor einer schwarzen Leinwand werden die jungen Mädchen buchstäblich ins rechte Licht gerückt. Klack, klack, klack. Zwei dünne „Meeedchen“ (wie Klum ihre Kandidatinnen nennt) in glitzernden Abendkleidern, dazu Heidis Kommentare („Jetzt schaut mal ernst, Mund zu, nicht lächeln“). Die Schwarz-Weiß-Porträt-Aufnahme ist im Kasten.

    Célines freche Sommersprossen überzeugen. 16 Episoden und 49 Konkurrentinnen hat die Koblenzerin hinter sich gelassen, ihre Schullaufbahn für die Modelkarriere abgebrochen. „Ich bin total fertig“, quietscht Céline ins Mikrofon, während der obligatorische Glitzerregen auf das frischgebackene Topmodel niedergeht. „Das hätte ich niemals gedacht, bei den Proben ist noch alles schiefgegangen.“ Dann versagt ihr die Stimme. Gut, dass Célines Schwester, die Mutter und auch die Oma das ganze Finale aus der ersten Reihe neben der Bühne verfolgt haben. Sie eilen ihrem „Sonnenschein“, wie die Oma Céline nennt, in diesem Moment zu Hilfe. „Wir sind überwältigt“, bringt es Oma Rosemarie auf den Punkt. Würde es einen Award für den süßesten Moment des Abends geben, Oma Bethmann hätte ihn sicher.

    Wo Serlina da ist? Keine Ahnung. Vielleicht hat sich eine Klappe aufgetan. Die Zweitplatzierte ist wie vom Erdboden verschluckt. Zack. Schnelles Ende einer bis zur Schmerzgrenze durchchoreografierten Show, die die Zuschauer bisweilen ratlos zurückließ. Was zum Beispiel hat es zu bedeuten, wenn Heidi Klum jetzt auch noch singt? Playback. Madonna. Wo sie doch mit Helene Fischer und Beth Ditto gleich zwei Frauen eingeladen hat, die das professionell machen. Fragen über Fragen. Abgesehen davon gab es noch ein paar Neuerungen. Zum Beispiel die Awards, eine Art Trostpreis für alle ausgeschiedenen Meeedchen. Als wäre die Finalshow eine riesige Tombola. In den Kategorien „Personality“ (klingt besser als Persönlichkeit), bester Laufsteggang und bestes Fotoshooting. Da war er dann auch, der eine Augenblick, der in dem dreistündigen Bombast fast mehr im Gedächtnis blieb als die Kür der Siegerin selbst. Die „Personality“-Preisträgerin, das Transgender-Model Melina, bat in ihrer Dankesrede: „Fangt doch bitte an, andere Menschen zu tolerieren. Es ist doch egal, wie einer aussieht oder was einer wiegt.“ Da hätte man gern eine Sekunde drüber nachgedacht. Ging aber nicht. Die Show musste weitergehen.

    Und überhaupt, die Mädchen im Saal hatten andere Prioritäten: „Cééééélineee!“ „Serliiiinaaaa!“, quiekte es immer wieder von den Rängen, und zwischendrin einmal „Naomiiiii!“ Ja, denn auch Supermodel Naomi Campbell durfte kurz über den Laufsteg stöckeln – ein bisschen echte Prominenz muss im Finale schon sein. Denn auch wenn der ausstrahlende Sender mit allerlei Kameraschwenks versuchte, davon abzulenken: Die angehenden Topmodels wirkten auf der riesigen Showbühne häufig ziemlich verloren. Wie verunsicherte Kinder standen sie manchmal da, als wollten sie sich verstecken. Am liebsten in den gigantischen Taschen, mit denen sie Modedesigner und Ehrengast Wolfgang Joop zwischenzeitlich ausgestattet hatte.

    In den Werbepausen lotsten Helfer die Meeedchen auf ihre Positionen. Countdown. Klum knipste ihr Lächeln an, zeitgleich mit dem roten Licht an der aufzeichnenden Kamera. Wirklich echt waren am Topmodelfinale nur die Blumen, die die Kleider der Models beim gemeinsamen Abschlusslauf zierten. Und vielleicht noch Célines Überraschung am Ende der Show.

    Glücklich steht sie mit Mama und Oma vor der Kamera, sagt: „Die Schule abzubrechen, war ein großes Risiko, aber es hat sich gelohnt.“ Ein wenig entschuldigend fügt Mama Bethmann hinzu: „Ich hätte sie ohnehin nicht davon abhalten können.“ Für wenige Sekunden werden ihre Gesichtszüge ernst, dann lächelt sie wieder: „Ich hätte niemals gedacht, dass Céline es schafft, aber sie hat es wirklich verdient.“

    Verdient hat sich die 18-Jährige vor allem auch 100.000 Euro Bargeld, ein Auto und einen 140.000 Euro schweren Modelvertrag bei der Agentur von Klums Vater Günther. Mit dem großen Glitzerregen ist auch das Finale vorbei, enttäuschte Serlina-Fans bleiben fassungslos auf ihren Plätzen sitzen, GNTM-Teilnehmerin Sabine wird noch von der nächsten Modelgeneration in der Hoffnung auf ein Selfie belagert.

    Während die Topmodelfans ihren Donnerstagabend ab sofort also wieder anderweitig verplanen müssen, beginnt für Céline mit ihrem Sieg der Modelalltag. „Ich bin überzeugt, dass sie international mithalten kann“, sagt Modelpapa Thomas Hayo nach dem Ende der Show. Er betreute Céline während der Drehzeiten, begleitete sie auf ihrem steinigen Weg vom scheuen Reh zur Laufstegprinzessin. Vor allem ihre Natürlichkeit überzeugte ihn. Bleibt zu hoffen, dass sie sich die in der riesigen Topmodel-Maschine bewahrt.

    Celina de Cuveland/ Angela Kauer-Schöneich

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