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Neuwied

Im Kinderwunschzentrum geht´s ums Paar

Wer auf den Stühlen vor den Behandlungszimmern Platz nimmt, kann sie sehen: all die Fotos von glücklichen Kindern. Es sind die Babys, die es ohne die Hilfe des Kinderwunschzentrums Mittelrhein in Neuwied nicht gäbe.

Dr. Josef Beran hat sich im Jahr 2000 im ehemaligen Hallenbad an der Marktstraße niedergelassen und zieht zufrieden Bilanz: 3000 Kinder sind durch seine medizinische Hilfe bislang auf die Welt gekommen.

Seit der Bundestag die Regeln zur Kostenerstattung im Jahr 2004 geändert hat, sind die Behandlungszahlen allerdings stark gesunken. Während die Mitarbeiter des Kinderwunschzentrums früher rund 1000 Patienten im Jahr behandelten, sind es jetzt nur noch 300. Der hohe Eigenanteil ist es, der viele Paare vor einer Behandlung zurückschrecken lässt.

Wer die Leistungen von Dr. Josef Beran und Dr. Birgit Müller in Neuwied in Anspruch nehmen will, muss zunächst zum Frauenarzt. "Der Gynäkologe ist immer der erste Ansprechpartner", betont Beran. Das hat seinen guten Grund: Der Frauenarzt prüft zunächst einige Standards, macht zum Beispiel eine Ultraschalluntersuchung, erstellt eine Temperaturkurve und prüft, wie es um den Eisprung bestellt ist. Erst wenn nach diesen Untersuchungen feststeht, dass tatsächlich beim Mann oder bei der Frau etwas nicht stimmt, kommt der Reproduktionsmediziner ins Spiel.

Das erste Gespräch dient dem lockeren Kennenlernen, wobei Mann und Frau schon beim ersten Termin Blut abgenommen wird. Ein Spermiogramm ist ebenfalls notwendig - allerdings nicht sofort beim ersten Termin. Wichtig ist Dr. Beran, dass er immer das Paar behandelt, nie nur den Mann oder nur die Frau. "Wir nehmen grundsätzlich beide unter die Lupe." Mit gutem Grund: Nach Berans Erfahrung liegen die Ursachen rund zur Hälfte beim Mann und zur anderen Hälfte bei der Frau. Der Arzt stellt auch klar: "Unsere Leistungen enden mit der Schwangerschaft." Das bedeutet: Nach der Behandlung im Kinderwunschzentrum ist wieder der Frauenarzt zuständig und begleitet die Schwangerschaft. Die Erfolgsaussichten sind Beran zufolge relativ gut. Rund 70 Prozent der Frauen, denen im Kinderwunschzentrum geholfen wird, sind nach Abschluss der Behandlung schwanger.

Wenn der Neuwieder Mediziner ein Paar behandelt, bekommt er immer auch die Belastungen zu spüren, unter denen die Partner stehen. Daher arbeitet das Kinderwunschzentrum auch mit psychologischen Beratern zusammen, die den Eheleuten helfen können. Gerade dann, wenn die Behandlung in einem Zyklus nicht zum Erfolg geführt hat, kann die Stimmung kippen und die Beziehung in ernsthafter Gefahr sein. Sein medizinischer Rat ist dann immer, es weiter zu versuchen. Denn wenn es Eizellen, Spermien und Befruchtungen gibt, dann besteht die reelle Chance, schwanger zu werden. Dr. Josef Beran sagt aber auch: "Es gibt keine Garantie."

Was der Frauenheilkundler, der Vater zweier Kinder ist, überhaupt nicht verstehen kann: warum die Kostenerstattung bei künstlicher Befruchtung halbiert wurde - und das angesichts des demografischen Wandels. Dr. Josef Beran hat darauf für sich eine Antwort gefunden: weil junge Paare, die ein Kind haben wollen, keine Lobby haben.

Von Marcelo Peerenboom

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