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Frankfurt

Tatort-Preview: Ein Krimidrama als Gesellschaftskritik

Das Ende des kleinen Malte Rahmani muss grausam gewesen sein. Eingesperrt in einem Versorgungsschacht im Keller des Frankfurter Sportleistungszentrums ist der Junge elendig verdurstet. „Ich muss eine Bestie fangen“, stellt Paul Brix (Wolfram Koch) folglich fest. Die Mordermittlungen, die er mit Kollegin Anna Janneke (Margarita Broich aus Neuwied) im siebten „Tatort“ der beiden Frankfurter Kommissare führt, geraten dennoch in der Folge fast zur Nebensache. Der Krimi „Unter Kriegern“ entwickelt sich vielmehr zur Gesellschaftskritik, zu einem – immer spannenden – Drama um übersteigerten Ehrgeiz und Gewalt in der Großstadt.

Redakteur Ulf Steffenfauseweh hat sich den neuen „Tatort“ angesehen. Sein Urteil: Ein Krimi, der spannend bleibt, obwohl die Tätersuche zur Nebensache wird.

Brix und Jannecke nehmen auch Joachim Voss, den ehrgeizigen Leiter des Sportzentrums, und seinen verzogenen Stiefsohn Felix ins Visier.  Foto: HR
Brix und Jannecke nehmen auch Joachim Voss, den ehrgeizigen Leiter des Sportzentrums, und seinen verzogenen Stiefsohn Felix ins Visier.
Foto: HR

Schon zu Beginn wird Kripochef Fosco Cariddi Opfer einer so sinnlosen wie brutalen Attacke. Die Szene, die schwer an den Berliner U-Bahn-Treter erinnert, der zu Drehzeiten vor einem Jahr vor Gericht saß, bleibt jedoch nur Randepisode.

Das gilt nicht für den Hausmeister des Leistungszentrums, der sich öfter mit dem nun toten Jungen getroffen hat und so zum Verdächtigen mutiert. Hatte Hooligan Sven Brunner (toll gespielt von Ex-Tatort-Dortmund-Ermittler Stefan Konnarske) einen Rückfall? Konnte die zweifelhafte Konfrontations-Therapie von Kristof Waldner (Marek Harloff) einen unkontrollierten Ausbruch nicht verhindern?

Oder ist der Mörder doch in Familie Voss zu suchen, um die dieser Film vor allem kreist? Vater Joachim (Golo Euler) führt das Sportzentrum knallhart leistungsorientiert, ist persönlich von Ehrgeiz zerfressen und hat seinen zwölfjährigen Stiefsohn Felix (Juri Winkler) zu einem diabolischen Kotzbrocken verzogen. Bei beiden geht es immer ums Gewinnen, und sei es im spielirischen Kämpfchen, bei dem am Ende die Aufgabe des Kindes erzwungen wird.

Beim Training auf der Rudermaschine kotzt der Junge vor Erschöpfung auf den Boden – um dann gleich weiterzumachen. Gemeinsam terrorisieren die beiden Männer Mutter Meike, (Lina Beckmann) die sich in die Liebe zu ihrem Pferd flüchtet, in der aber spürbar die Aggressionen brodeln.

Die schauspielerischen Leistungen in diesem „Tatort“ sind durchweg überdurchschnittlich, die Theaterausbildung der verschiedenen Protagonisten ist erkennbar. Dabei kontrastieren die überzeichneten Verdächtigen hervorragend mit den zurückgenommenen, „normalen“ Kommissaren. Deren Privatgeschichte wird ansonsten nicht weiter erzählt – mit einer Ausnahme: Brix wohnt im Wohnwagen. Er findet in Frankfurt keine bezahlbare Wohnung, auch weil seine Vorstellungen nicht (mehr) realistisch sind. Das bleibt einfach so stehen und passt damit zu einem Film, der die moderne (Großstadt-)Gesellschaft kritisiert, ohne oberlehrerhaft zu werden. So kann, wer will, über die Kritik nachdenken. Alle anderen können einen spannenden Film am Sonntagsabend genießen.

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