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Strategie: Ausbau des Sortiments schafft eigene Firmenkonjunktur

Der alte Krämerkittel hat ausgedient: Aldi Nord rüstet seine 28 000 Mitarbeiter mit neuer Berufsbekleidung aus. Blusen, Hemden und Westen sehen Beobachter wie die „Lebensmittel Zeitung“ als ein Signal für den Aufbruch in andere Zeiten. Aufgemöbelte Filialen, Backstationen und Markenprodukte sollen mehr Geld in die Kassen spülen.

Aldi Süd gilt als die modernere der beiden Schwester-Ketten, doch Aldi Nord holt auf: Experten beobachten mit Interesse, wie sich die Discounter wandeln.
Aldi Süd gilt als die modernere der beiden Schwester-Ketten, doch Aldi Nord holt auf: Experten beobachten mit Interesse, wie sich die Discounter wandeln.
Foto: dpa

Auch das als moderner geltende Schwesterunternehmen Aldi Süd hat sein Sortiment erweitert. Mit dem Verkauf von Tickets für Fernbuslinien bauen Aldi Nord und Süd zudem ihre Reiseangebote im Internet aus. Champagnerlaune zeigt Aldi aber nicht: Es gibt keine Hinweise darauf, dass das Jubiläum „100 Jahre Familienunternehmen Albrecht“ groß gefeiert wird.

Fragen und Antworten zum Konzern:

Wie entwickelt sich Aldi im Jubiläumsjahr?

„Aldi schafft sich mit dem Ausbau der Filialen und des Sortiments eine eigene Firmenkonjunktur“, sagt Handelsexperte Wolfgang Adlwarth von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Besonders deutlich wird das aus seiner Sicht beim Discounter Aldi Nord, der in Deutschland nach einer mehrjährigen Stagnationsphase seit dem vergangenen Jahr wieder zulegt und Anschluss an die zuletzt schnellere Schwester im Süden findet. „Aldi kann vom Sterben der Fachhändler profitieren, insbesondere wenn der Bäcker oder Metzger um die Ecke zumacht.“

Umfangreichere Sortimente kommen gerade älteren Menschen entgegen, die nicht in mehreren Läden einkaufen wollen. Vor Feiertagen holt sich Aldi mit dem Premium- Angebot „Gourmet“ immer wieder viele Gelegenheitskäufer ins Haus, meint Adlwarth.

Wie steht das Unternehmen im Markt da?

Auch die Konkurrenz nimmt die Veränderungen wahr. „Aldi Nord ist erwacht“, sagte vor Kurzem ein hochrangiger Manager eines anderen Discounters anerkennend. Allerdings müsse das nicht automatisch ein Nachteil sein. Wenn Aldi Nord zulegt, könnten die Discounter bei den Verbrauchern insgesamt wieder stärker im Fokus stehen. Die GfK hält es für möglich, dass die Lebensmittel-Discounter insgesamt in diesem Jahr ein „Comeback“ erleben werden.

Darauf deuten Umsatzzuwächse seit August 2012 hin. Im Januar und im Februar 2013 belief sich das Plus auf insgesamt 5 Prozent. Wachstumstreiber sind laut der GfK Aldi Nord und Aldi Süd. Fünf von sechs Haushalten in Deutschland kaufen den Daten zufolge regelmäßig oder spontan bei Aldi Nord oder Süd ein.

Ist Aldi auf dem Weg zu einem Supermarkt?

„Was das Sortiment angeht, nähern sich beide tatsächlich an: Discounter erweitern ihre Sortimente, Aldi ergänzt um Markenartikel, Supermärkte haben ihre Eigenmarken ausgeweitet und folgen den Preisen von Aldi und Lidl“, stellen der Ex-Aldi-Manager Dieter Brandes und sein Sohn Nils, die Handelsunternehmen beraten, fest. Aldi tendiert demnach zu einem neuen Format: Durch den steigenden Non-Food-Anteil – also Artikel, die nicht zum Kernsortiment Lebensmittel gehören – wird Aldi zunehmend zu einer Art Warenhaus.

Aldi verkauft deutlich mehr als 3000 Non-Food-Artikel pro Jahr, haben die Brandes errechnet. „Der Umsatzanteil beträgt 20 Prozent, bald vielleicht 30 Prozent“, meinen die beiden Experten. Wie konsequent ist das veränderte Verhalten von Aldi? Dass nun auch Coca-Cola gelistet wurde, sehen Dieter und Nils Brandes als Verstoß gegen das Aldi- Prinzip. Zum Discountkonzept gehöre, möglichst viele Eigenmarken zu verkaufen. Experte Matthias Queck sieht Aldi im Spagat.

„Mit frischen Backwaren, Nutella und Coca-Cola wird Aldi Nord Boden gutmachen.“ Es nehme aber auch die Komplexität der Betriebsabläufe zu. „Da gilt es, die Kosten im Griff zu behalten.“ Wenn der führende Discounter einen neuen Artikel ins Sortiment nimmt, wird er über Nacht zu einem der größten Verkäufer. Der Marktanteil von Aldi Nord und Aldi Süd am gesamten deutschen Lebensmittelhandel liegt bei 15 Prozent. Bei einzelnen Produkten liegt die Quote laut Experten noch deutlich höher.

Von Volker Danisch

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