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Remagen

Die Verpflegung wurde immer besser

Lothar Tille wurde an seinem 16. Geburtstag am 19. Februar 1945 einberufen. Mit anderen Kindersoldaten geriet er in US- Gefangenschaft und war im Rheinwiesenlager von Remagen inhaftiert. Über die Verpflegung im Lager schrieb Tille im Dezember 1946.

Lothar Tille zu Kriegszeiten
Lothar Tille zu Kriegszeiten
Foto: honorarfrei

Remagen – Lothar Tille wurde an seinem 16. Geburtstag am 19. Februar 1945 einberufen. Mit anderen Kindersoldaten geriet er in US- Gefangenschaft und war im Rheinwiesenlager von Remagen inhaftiert. Über die Verpflegung im Lager schrieb Tille im Dezember 1946:

Ein Lager von 300.000 Mann zu verpflegen, ist ein schwieriges Problem. Doch es wurde von den Amerikanern gut gemeistert. Autos fuhren die Verpflegung in die einzelnen Camps. Hier empfing sie der Campführer. Dieser teilte sie in viele Teile, als im Camp Tausendschaften waren. Die Tausendschaftsführer empfingen ihren Teil und teilten ihn wieder in zehn Teile. Nun empfingen die Hundertschaftsführer ihren Teil und verteilten diesen an die zehn Gruppen. Vom Gruppenführer empfingen endlich wir die Verpflegung (...). Sogar der Gruppenführer, der ja genauso wie wir ein Gefangener war, versuchte, uns zu übervorteilen, indem er bei der Verteilung versuchte, seine Löffel voller zu machen als die unsrigen.

Wäre der Beschiss nicht gewesen, könnten auch die Herren Lagerleiter und ihre untergebenen Führer keinen Grießbrei mit Rosinen oder fettige Eierkuchen essen. Kein Wunder, wenn sich alle Gefangenen gegen diese Subjekte verschworen haben. Ein Beweis ist, dass wir, als ein Ami selbst einmal das Brot in unserem Camp verteilte, die doppelte Menge bekamen als sonst. Außerdem sind bei Kontrollen durch die Amis viele der Führer ins Straflager gekommen, da man in ihren Zelten größere Mengen Verpflegung fand. Nach und nach wurde die Verpflegung besser.

Zuletzt erhielten wir pro Tag Folgendes: 1/4, 1/3 oder 1/2 Weißbrot, 3 Esslöffel Corned Beef, 4 Esslöffel Gemüse, 2 Esslöffel Milchpulver, 4 Esslöffel weiße Bohnen, 3 Esslöffel Bohnenkaffee, 3 Esslöffel Erbspulver, 2 Esslöffel Zucker, 2 Esslöffel Haferflocken, Nudeln oder Grieß, 3 Backpflaumen, Feigen oder 1/2 Löffel Rosinen, 2 Teelöffel Brauselimonade, Salz.

Zur gesundheitlichen Betreuung schrieb Tille:

Im großen Umfang wurde für das Wohl der Insassen gesorgt. Jedem Camp waren drei Revierzelte beigegeben. In diesen wurden von deutschen Sanis und zwei Ärzten die kleinen Fälle behandelt. Die schweren Fälle kamen ins Lazarett. Hier arbeiteten ein amerikanischer Arzt und mehrere deutsche Ärzte. Besonders schwere Fälle kamen außerhalb des Lagers ins Stadtkrankenhaus. Mehrere Male sind wir im Lager entlaust worden. Auch baden durften wir gehen. (...)

Aus alten Heeresbeständen wurden wir mit Sachen versorgt. Es gab Unterwäsche, Mäntel, Tarnjacken und Hosen. Auch Schuhe wurden einige Paare verteilt. Doch auch hier erhielten das Beste die Führer.

Lothar Tille verstarb am 4. April 2012. jl

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