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    Mainz

    Schülerinnen gelingt großartiges Musiktheater

    Die Kinderoper "Das Geheimnis um das blaue Tor" hat im Großen Haus des Staatstheaters eine gelungene Premiere gefeiert. Die Maria-Ward-Schülerinnen überzeugten mit einer erstaunlichen Bühnenpräsenz.

    Maria-Ward-Schülerinnen in der Oper "Das Geheimnis um das blaue Tor" im Staatstheater.
    Maria-Ward-Schülerinnen in der Oper "Das Geheimnis um das blaue Tor" im Staatstheater.
    Foto: Martina Pipprich

    Mainz - Schulkinder, Verkäufer und Passanten, ein altes Ehepaar, ein Manager und ein Tourist, eine Sekretärin und ein Obdachloser, eine feine Dame und ein Punker - mit etwas Glück kann man diese bunte Mischung von Typen auch vor dem Staatstheater finden.

    In Michael Jakumeits Kinderoper "Das Geheimnis um das blaue Tor", die die Maria-Ward-Schule mit dem Staatstheater produziert hat, stehen sie auf der Bühne des Großen Hauses.

    Gespielt werden sie von Schülerinnen in wunderbar charakteristischen Kostümen, für die Theater-Bühnenbildnerin Ute Noack und die Klasse 8 b gesorgt haben. Für einige der Figuren hat die Kunst-AG überdimensionierte Requisiten gefertigt, die sie wie Ballast mit sich herumtragen. Dass sich die Darstellerinnen auf dem engen und schwer einsehbaren Raum zwischen Orchestergraben und Vorhang herumdrücken müssen, ist bühnentechnisch zwar keine gute Lösung, doch die Aussage der Szene wird schnell klar: In unserer fragmentierten Gesellschaft regiert der Ellenbogen, und die Menschen haben sich untereinander nichts mehr zu sagen.

    Dass sich das ändert, liegt an der Plakatkleberin (Mira Lausen), die das Träumen noch nicht verlernt hat und dabei auf ein rätselhaftes blaues Tor stößt, an dem kein Plakat haftet. Das Tor führt in eine andere Welt jenseits des Alltags, und diese Welt beginnt in den Alltag hinein zu strahlen. Plötzlich erwacht das Mitgefühl. Das Schicksal eines kranken Mädchens (Mariella Rinke), dem die Mut machende Lieblingsmelodie verloren gegangen ist, bewegt die Menschen so, dass sie ausschwärmen, um die verlorenen Melodiebruchstücke zu suchen.

    Da ziehen nun vier ungleiche Paare hinaus in die andere Welt hinter dem Vorhang - in vier verschiedene Himmelsrichtungen, um dort die Musik der vier Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer zu finden. Sie geraten in Fantasielandschaften, die Regie (Anja Kühnhold), Bühnenbild (Kathrin Krause) und Choreografie mit mal mehr, mal weniger Glück zu charakterisieren versuchen. Für die Zuschauer ist hier die ausführliche Inhaltsangabe der Dramaturgie-Gruppe aus der Klasse 6 b eine große Hilfe. Deutlich wird: Die Denkmuster des Alltags reichen jenseits des blauen Tores nicht mehr aus.

    Wie feine Dame und Punker sich angesichts frierender Menschen miteinander arrangieren, spielen Friederike Heckmann und Adrianna Wozny ebenso witzig wie eindringlich aus. Und was die gehetzte Sekretärin (Julia Grünewald) aus ihrem Leben berichtet, entspricht genau dem gnadenlosen Spiegel, den der amerikanische Soziologe Richard Sennett unserer Gesellschaft in seinem Buch "Der flexible Mensch" vorgehalten hat. Doch dabei muss es nicht bleiben, zeigt die Kinderoper. Nach der Rückkehr sind die Melodiebruchstücke schnell zusammengesetzt, fröhlich springt das kranke Mädchen wieder auf, und die Menschen können wieder auf ihre Träume hören.

    Im Orchestergraben spielt dazu sehr sorgfältig und stimmungsvoll eine kleine Besetzung des Philharmonischen Staatsorchesters unter der Leitung von Generalmusikdirektor Hermann Bäumer. Michael Jakumeits Musik erzählt eigentlich die ganze Zeit über von einer anderen Welt, die fremd, aber doch vertraut ist, denn in ihr klingen der Neoklassizismus der 1920er- und der Jazz der 30er-Jahre nach. Sie ist nie massiv, aber durchaus pointiert und wie mit feinem Pinsel gezeichnet. Die manchmal etwas spröden Gesangslinien werden von den jungen Sängerinnen eindrucksvoll mit Leben erfüllt.

    Große Bewunderung verdienen das Engagement und die Bühnenpräsenz der insgesamt 49 Schülerinnen, die singend, spielend und tanzend die Bühne bevölkern. Und große Bewunderung verdient auch die Fähigkeit und Bereitschaft der Maria-Ward-Schule, sich auf ein solch großes Vorhaben einzulassen. Wer das Räderwerk Schule von innen kennt, weiß, wie solche jahrgangs- und fächerverbindenden Projekte die alltäglichen Abläufe sprengen. Umso schöner, wenn auch hier Träume wahr werden. Andreas Hauff

    Hinweis: Nächste Vorstellung am Montag, 26. März, 11 Uhr, Kartentelefon 06131/285 12 22

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