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    Regisseur Christof Nel: Im Körper liegt die Wahrheit

    In den vergangenen Jahren haben sich viele profilierte Opernregisseurinnen am Mainzer Staatstheater vorgestellt. Jetzt kommt ein Regisseur erstmals nach Mainz, der seit Jahren mit seinen Deutungen in Schauspiel und Opern gleichermaßen die deutsche Theaterszene prägt: Christof Nel inszeniert Hans Werner Henzes Oper "Der Prinz von Homburg".

    Darf der einzelne sich einer Anordnung eigenmächtig widersetzen? "Der Prinz von Homburg" sucht eine Antwort auf diese Frage. Foto: Pipprich
    Darf der einzelne sich einer Anordnung eigenmächtig widersetzen? "Der Prinz von Homburg" sucht eine Antwort auf diese Frage.
    Foto: Pipprich

    Mainz - In den vergangenen Jahren haben sich viele profilierte Opernregisseurinnen am Mainzer Staatstheater vorgestellt: Vera Nemirova, Katharina Wagner und Tatjana Gürbaca - letztere so erfolgreich, dass sie mittlerweile als Operndirektorin am Staatstheater wirkt.

    Jetzt kommt ein Regisseur erstmals nach Mainz, der seit Jahren mit seinen Deutungen in Schauspiel und Opern gleichermaßen die deutsche Theaterszene prägt: Christof Nel inszeniert Hans Werner Henzes Oper "Der Prinz von Homburg", am Samstag ist Premiere.

    Nach Mainz geführt haben den in der Region bestens von großen Erfolgen an der Oper Frankfurt bekannten Regisseur einmal die Anfrage Tatjana Gürbacas, die er als Kollegin sehr schätzt - und die Aussicht auf eine erneute Auseinandersetzung mit dem Werk des jüngst verstorbenen Komponisten Henze. Gemeinsam mit Martina Jochem hatte Nel in München drei frühe Einakter Henzes erarbeitet.

    Jochem ist für "szenische Analyse" zuständig - ein Prozess, den man sich laut Nel als beständiges Untersuchen der Stückfassung Henzes und seiner Librettistin Ingeborg Bachmann vorstellen darf. "Wir haben ein dreiviertel Jahr lang alle Szenen immer wieder darauf untersucht, wie sie in Verbindung mit dem Kleist-Schauspiel zu sehen sind", erklärt Nel. Denn: "Der Text, den man hört - das ist alles Kleist!" Ingeborg Bachmann hatte im steten Ringen mit Henze das Libretto erarbeitet, dass zwar den Text deutlich strafft, dabei aber - was dem Mainzer Chefdramaturg Carsten Jenß sehr wichtig ist - "die Ambivalenz der Figuren erhält".

    Der stete Gegensatz zwischen Gewalt und Empfinden ist das, was Christof Nel am Stück interessiert - und was ihm durchaus auch die Arbeit mit dem Schauspiel Kleists einmal interessant machen könnte. Das will etwas heißen, denn Nel will sich künftig seine Projekte noch genauer aussuchen. Dieser Henze, so lautet jedenfalls seine zufriedene Bilanz der Probenzeit in Mainz, "war ein Stück sinnvoll verbrachter Lebenszeit".

    Eine zentrale Frage für ihn bei der Arbeit: Was ist dieses Grab, dass sich der Prinz bei Kleist nur erträumt, das in der Oper aber auf der Bühne zu sehen sein wird? "Kleist schrieb es unter dem Eindruck der Französchen Revolution und ihrer brutalen Auswirkungen - Henze und Bachmann spürten um 1960 noch die Nachwehen des Zweiten Weltkriegs. Im Grab könnten also alle Toten aller Kriege zu sehen sein - und der Prinz weiß, dass er der nächste sein könnte."

    Das Bühnenbild hat Roland Aeschlimann entworfen, der unter Intendant Georges Delnon schon oft in Mainz gearbeitet hat und den auch mit Nel eine intensive Zusammenarbeit verbindet. Zur besseren Verständlichkeit werden deutsche Übertitel eingeblendet, eine Technik, die Nel früher ablehnte, aber seit der Frankfurter "Frau ohne Schatten" (Richard Strauss) als ungeheuren Fortschritt empfindet. Trotz Texthilfe per Projektion für das Publikum bleibt für ihn aber das Wichtigste die Arbeit mit den Sänger an ihrer Verkörperung des Textes: "Wir Menschen haben es in uns, an der Haltung eines anderen selbst in weiter Ferne zu erkennen, was ihn umtreibt - ob wir etwa Angst vor ihm haben müssen oder ihn etwas bedrückt. Man könnte sagen, im Körper liegt die Wahrheit." Claus Ambrosius

    Kurzinfos: Handlung: Am Vorabend der Schlacht von Fehrbellin erträumt sich Prinz Friedrich von Homburg nachtwandelnd den Sieg und die Hand der Nichte des Kurfürsten,Natalie. Der Prinz ist noch wie benommen, als der Kurfürst ihm den Befehl erteilt, am nächsten Tag nicht eigenmächtig in das Kampfgeschehen einzugreifen. In den Kriegshandlungen des nächsten Tages lässt sich der Prinz genau diese Eigenmächtigkeit zuschulden kommen und wird zum Tode verurteilt. Leitungsteam: Hermann Bäumer (musikalische Leitung), Christof Nel (Inszenierung), Martina Jochem (szenische Analyse), Roland Aeschlimann (Bühne), Barbara Aigner (Kostüme), Carsten Jenß (Dramaturgie. Mit: Alexander Spemann (Kurfürst), Sanja Anastasia (Kurfürstin), Vida Mikneviciute (Natalie), Heikki Kilpeläinen (Feldmarschall Dörfling), Christian Miedl (Prinz Friedrich Artur von Homburg), Thorsten Büttner (Graf Hohenzollern), Ks. Hans-Otto Weiß (Obrist von Kollwitz) u.v.a. Karten für die Premiere und Folgevorstellungen unter Tel. 06131/285 12 22.

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