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    Neuer Streitum Tanzverbotan Ostertagen

    Alle Jahre wieder: Das Feiertagsgesetz von Rheinland-Pfalz sieht ein Tanzverbot über die Ostertage vor. Für die einen ist das nicht mehr zeitgemäß, für die anderen zu bewahrender Respekt vor der christlichen Kultur.

    Foto: mrz

    Mainz – Ist das österliche Tanzverbot noch zeitgemäß? In Rheinland-Pfalz dürfen von Gründonnerstag, 4 Uhr, bis Ostersonntag, 16 Uhr, keine öffentlichen Tanzveranstaltungen stattfinden. Während dies Clubbetreiber und Partygäste auch dieses Jahr wieder auf die Palme bringt, nutzt insbesondere die evangelische Kirche diesen Anlass, um für die christlichen Osterfeiertage zu werben. Unsere Zeitung hörte sich zudem bei den Stadtratsfraktionen um.

    Simone Schwab, die Chefin vom Red Cat in Mainz, schimpft: "Ich würde gerne selbst entscheiden, ob meine Gäste tanzen dürfen oder nicht." Viele Clubbetreiber tun das, indem sie ihre Veranstaltungen pro forma einfach als Privatparty deklarieren. Hier gilt das Tanzverbot nämlich nicht.

    Rüdiger Stephan, Mit-Geschäftsführer des Kulturzentrums KUZ: "Wenn es nur der Karfreitag wäre, hätte ich kein Problem, aber das Ostertanzverbot gilt in Rheinland-Pfalz ja gleich mehrere Tage."

    Das Ordnungsamt setzt sogar extra Kontrollteams in Bewegung, die die Einhaltung des Tanzverbots in Mainz überwachen und Bußgelder verhängen.

    Und was sagen die Mainzer Kommunalpolitiker? "Ich halte die Tradition mit unseren kirchlichen Feiertagen für überholt", meint Dieter Hofem von den Linken. "Kirchliche Feiertage sollten nach und nach durch gesellschaftliche Feiertage ersetzt werden."

    Die Grünen treten für eine Liberalisierung ein, erläuterte Ratsmitglied Gunther Heinisch. Er ist gegen ein generelles Tanzverbot zwischen Gründonnerstag und Ostersonntag. Aber auf keinen Fall dürften Gottesdienste oder Prozessionen beeinträchtigt werden, betonte er.

    Doch die Mehrheit der Ratsfraktionen steht hinter dem Gesetz. Hannsgeorg Schönig (CDU): "Wir halten das Tanzverbot von Gründonnerstag bis Ostersonntag für zeitgemäß und gerechtfertigt." Es habe auch etwas mit Respekt vor den hohen christlichen Feiertagen und unserer Kultur zu tun.

    Martin Kinzelbach, stellvertretender SPD-Fraktionschef: "Das Tanzverbot an Ostern ist nicht nur eine religiöse Frage, sondern ein Stück unserer kulturellen Identität." Der Karfreitag stamme originär aus dem Christentum. Daher sei an diesem Tag als Tag des Innehaltens unbedingt festzuhalten. Im Übrigen sei es keinesfalls sinnvoll, gesellschaftliche Regeln weiter auszuhöhlen, die auch zum Schutz der Arbeitnehmer dienen. "Ich kann auch nachts um drei Uhr nicht einkaufen gehen."

    Walter Koppius, FDP-Fraktionschef: "Es gibt eine gesellschaftliche Verpflichtung, die christlichen Rituale zu akzeptieren und sich ihrer bewusst zu machen. Grundsätzlich sollte man Toleranz gegenüber Christen zeigen, wenn man sie auch von anderen Gruppen fordert." Claudius Moseler, ÖDP-Fraktionschef: "Wir sind in Deutschland von einem christlich-humanistischen Weltbild geprägt. Man sollte daher einmal im Jahr bereit sein, Stille und Einkehr für einen Zeitraum zu ermöglichen – und dafür Toleranz aufbringen."

    Die Evangelische Kirche nutzt die Diskussion indes zur Eigenwerbung. Das Dekanat hat an der Münsterkirche und der Friedenskirche in Mombach Banner angebracht. Sie zeigen einen lachenden Menschen, einmal mit verdunkeltem Gesicht und verknüpft mit Karfreitag, daneben mit hellem Gesicht und verknüpft mit Ostern. Schlüsselwort der Banner ist das "Wiedersehen". Die evangelische Kirche möchte damit die Zuversicht ausdrücken, dass das gemeinsame Leben weitergeht – wie der Tod und die Auferstehung Christi. Armin Thomas

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