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Mainz

Mainzer Staatstheater: Mehr als eine Million Euro veruntreut

Eine Personalbuchhalterin des Staatstheaters hat in den vergangenen zehn Jahren mehr als eine Million Euro veruntreut. Das ergab die Untersuchung eines Wirtschaftsprüfers, der in Auftrag des Theaters sämtliche Lohnabrechnungen des vergangenen Jahrzehnts geprüft hat.

Das Mainzer Staatstheater.
Das Mainzer Staatstheater.
Foto: Harry Braun

Mainz – Eine Personalbuchhalterin des Staatstheaters hat in den vergangenen zehn Jahren mehr als eine Million Euro veruntreut. Das ergab die Untersuchung eines vom Theater beauftragten Wirtschaftsprüfers.

Nach Angabe des kaufmännischen Direktors des Theaters, Volker Bierwirth, habe die Frau insgesamt 1 050 000 Euro in kleinen Summen auf 18 verschiedene Konten verschoben. „Hinter dieser Tat steckt eine ungeheuer hohe kriminelle Energie“, erklärt Bierwirth. Es seien kontinuierlich kleine, unauffällige Summen abgezweigt worden.

Bereits Ende März diesen Jahres gab es erste Hinweise auf die Unterschlagung (wir berichteten). Bierwirth: „Damals hat sich die Frau zum ersten Mal Geld auf ihr eigenes Girokonto überwiesen. Das fiel einem Mitarbeiter auf.“

Das Theater erstattete sofort Strafanzeige und suspendierte die Frau vom Dienst. Die strafrechtlichen Ermittlungen dauern noch an. Die Staatsanwaltschaft hat noch keine Anklage erhoben. „Wir geben keine Auskunft über laufende Verfahren“, sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Klaus-Peter Mieth auf MRZ-Anfrage.

Das Staatstheater hat eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zur Ermittlung des Schadens beauftrag. Über die hohe Summe sei man im gesamten Haus fassungslos, sagt Bierwirth. „Wir hatten nach unseren ersten Ermittlungen mit einem Schaden von 250 000 Euro gerechnet. Das, was jetzt herausgekommen ist, ist katastrophal.“ Die Mitarbeiterin habe ein ausgeklügeltes System gehabt, mit dem sie Gelder abzweigte, aber dann auch wieder zurückbuchte. „Die Buchhaltung stimmte immer. Das Vorgehen ist jahrelang auch externen Prüfern nicht aufgefallen“, sagt Bierwirth. Auch der jetzt beauftragte Wirtschaftsprüfer Ralf Reinhart erklärt: „So trickreich habe ich Unterschlagung noch nie erlebt. Es steckte ein enormer Aufwand dahinter.“

Anwälte haben die privatrechtlichen Ansprüche des Theaters bereits teilweise geltend machen können: 320 000 Euro sind von verschiedenen Konten zurückgebucht worden. Darüber hinaus fließen im Januar 140 000 Euro aus der Lebensversicherung der Frau an das Staatstheater. Außerdem soll das Wohnhaus der ehemaligen Mitarbeiterin, die in der näheren Umgebung von Mainz wohnt, verkauft werden. Das Theater rechnet mit einem Verlaufserlös von rund 300 000 Euro. Der Nettoschaden für das Theater beläuft sich dennoch auf etwa 300 000 Euro.

Keine kleine Summe, auch im Hinblick auf die anstehende Sparmaßnahmen in Millionenhöhe. Intendant Mathias Fontheim sagt: „Der Vorfall ist zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt passiert. Das Vertrauen ist intern wie extern beschädigt.“ Bierwirth fügt hinzu: „Der ganze Betrieb spart wie verrückt und dann passiert so was.“

Die ehemalige Mitarbeiterin war 20 Jahre im Staatstheater beschäftigt. Sie war mit zwei Kollegen für die Lohnabrechnung von insgesamt 700 Mitarbeitern zuständig, darunter 350 Festangestellte. Sie galt im Haus als „besonders korrekt“. Gerade deswegen sei der Vorfall für die gesamte Belegschaft ein Schlag gewesen, so Bierwirth.

Aus dem Vorfall zieht das Theater Konsequenzen: Derzeit wird eine neue Stelle „Controlling und Rechnungsprüfung“ eingerichtet, die zum 1. März besetzt werden soll. Sämtliche Überweisungswege, vor allem Online-Überweisungsverfahren werden kontrolliert. Außerdem müssen Abrechnungen künftig von den Kollegen untereinander überprüft werden.

Andrea Wagenknecht

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