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    Wiesbaden

    Achims Rat-Haus hilft Leuten aus der Patsche

    Der Wiesbadener Ex-OB Achim Exner betreibt im Stadtteil Biebrich ein Bürgerbüro. In Achims Rat-Haus wird Hifesunchenden aus der Patsche geholfen.

    Der Macher und die gute Seele des Rat-Hauses: Achim Exner und Uschi Kath. 
Foto:Andreas Arnold
    Der Macher und die gute Seele des Rat-Hauses: Achim Exner und Uschi Kath.
    Foto:Andreas Arnold

    Wiesbaden - Seine Frauen sagen, er habe ein Helfersyndrom. Und da Achim Exner, Kavalier der alten Schule, dem weiblichen Geschlecht nur ungern widerspricht, gibt er eben dieses Syndrom als Grund für sein soziales Engagement an. Seit zehn Jahren setzt sich der 67-jährige Wiesbadener Ex-OB für Menschen ein, die Hilfe benötigen - schnell und unkompliziert.

    Eigentlich sollte Achims Rat-Haus ihm damals zu einem Direktmandat für den Landtag verhelfen. "Ich wollte keine platten Sprüche machen, sondern Hilfe vor Ort anbieten", sagt Exner. Aus dem Mandat wurde nichts, Exners politische Karriere war zu Ende. Das kleine Bürgerbüro gibt es heute jedoch noch immer - obwohl der Alt-OB seit einigen Jahren fast die Hälfte des Jahres in der Karibik verbringt. Wie gesagt: nur die Hälfte. Die andere Zeit ist er in Wiesbaden zugegen und schaut, wie er Leuten aus der Patsche helfen kann.

    Immer mittwochs und donnerstags ist Sprechstunde in der Diltheystraße 3a. Dann kommen Menschen aller Nationalitäten und Schichten zum Rat-Haus-Team, das zu zweit zur Stelle ist: Entweder haben Achim Exner und Uschi Kath Dienst oder Jochen Carl übernimmt. "Erzähl doch mal von der Russin und dem Reisepass", raunt der Exner zu. Und erzählt dann schließlich selbst von dem harten Fall.

    "Die russische Künstlerin arbeitete bei einem Winzer in Rheinhessen. Um ihrer Arbeit besser nachgehen zu können, wollte sie einen deutschen Pass beantragen und gab dafür ihren russischen ab. Monatelang war sie ohne Papiere unterwegs und lief Gefahr, ihre Arbeit zu verlieren." Nachdem Exner beim Regierungspräsidenten angerufen und die Sekretärin bezirzt hatte - "Ich kann sehr charmant sein" - hatte die Russin vier Tage später einen neuen Pass.

    Rund 4000 Ratsuchende sind in den vergangenen zehn Jahren zum Rat-Haus-Team gekommen. Natürlich konnte nicht immer geholfen werden, aber in vielen Fällen brachten die Kontakte, die das Trio über die Jahre geknüpft hat, die Hilfesuchenden weiter.

    Immer wieder fallen Achim Exner neue Geschichten ein. Zum Beispiel die des kürzlich verstorbenen Wiesbadener Musikers Pete Lancaster. "Der hatte krank und verarmt in Kaiserslautern gelebt und rief mich irgendwann an, weil er nach Wiesbaden zurück wollte", sagt Exner. Doch da Städte keine Luftsprünge machen, wenn ein Sozialhilfeempfänger in eine andere Stadt übersiedeln will, erforderte es Überredungskunst - und Charme: Dann durfte Lancaster umziehen.

    Je mehr Exner aus dem Nähkästchen plaudert, desto mehr merkt man, wie ihm diese ehrenamtliche Arbeit am Herzen liegt. "Ich bekomme meine Pension vom Steuerzahler, deshalb soll der auch etwas zurückbekommen." Er selbst erhält für sein Engagement nichts, zumindest kein Geld, aber ein Lächeln, strahlende Augen und Dankbarkeit.

    So erzählt er fast ein bisschen gerührt von einem Deutschen, der eine Thai geheiratet hatte, aber kein Visum für sie erhielt. "Erst dachten wir alle an eine Scheinehe, aber der junge Mann blieb hartnäckig, so dass wir uns doch an den Fall machten." Lange Zeit wusste Exner nicht, ob seine Mühen erfolgreich waren. Irgendwann traf er den Mann auf dem Weinfest wieder, im Schlepptau eine hübsche Thai. "Da wusste ich, es hat geklappt." Blieb Achims Rat-Haus in den vergangenen Jahren im Sommer geschlossen, ist es jetzt geöffnet. "Dafür schließen wir im Winter."

    Mittwochs und donnerstags sind die Helfer von 15 bis 18 Uhr vor Ort und beraten, ohne Geld zu nehmen. Zur Finanzierung haben sie den Club "Der blaue Salon" gegründet. Die Mitgliedsbeiträge werden für die Miete verwendet. Doch nicht im kommenden Jahr. Denn das wohl beste Geschenk zum Zehnjährigen hat der Vermieter, die Wohnungsbaugenossenschaft Geno50, dem Club gemacht: Er muss ein Jahr lang keine Miete zahlen. Ute Fiedler

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