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    Koblenz

    Wieso die AfD ins Museum einladen darf: Tagung im Ludwig Museum steht an

    Eigentlich dürfen Parteien die Museen der Stadt nicht mehr für Veranstaltungen nutzen, doch jetzt will die AfD im Ludwig Museum tagen. Das Haus bereitet sich vor und will ein Protestsignal setzen.

    Foto: Sascha Ditscher

    Von unserer Redakteurin Anke Mersmann

    Alles andere als glücklich ist Museumsdirektorin Beate Reifenscheid über einen Termin, der Ende dieses Monats im Ludwig Museum stattfindet: Die Alternative für Deutschland (AfD) hat das Haus für eine Veranstaltung gebucht, der rheinland-pfälzische Landesverband will dort am 30. Juni sein Kulturprogramm vorstellen und über Bildungs- und Kulturpolitik diskutieren. Die Koblenzer Ratsfraktion der AfD lädt zu dieser Präsentation ein – und das, obwohl der Stadtrat erst im April beschlossen hatte, dass in den städtischen Museen generell keine parteipolitischen Veranstaltungen mehr stattfinden sollen.

    Anfrage kam vor dem Beschluss

    Allerdings: Die AfD hatte schon eine Etage des Museums für eine Abendveranstaltung angefragt, bevor dieser Beschluss getroffen wurde. Und sie bestand auf der Vermietung und schaltete das Verwaltungsgericht ein, als die Stadt mit der Zusage für das Museum auf sich warten ließ und stattdessen auf die geänderte Nutzungsordnung hinwies. Das Gericht entschied zugunsten der AfD – und so musste die Stadt, wie Kulturdezernentin Margit Theis-Scholz erläutert, das Museum zur Verfügung stellen. „An eine solche gerichtliche Vorgabe haben wir uns zu halten. Eine andere Möglichkeit gab es leider nicht“, sagt sie. Museumsleiterin Reifenscheid sieht das anders.

    Sie sagt: „Die Stadt hätte es meiner Meinung nach auf eine gerichtliche Auseinandersetzung ankommen lassen sollen. Selbst wenn sie verloren hätte, wäre das ein Zeichen gewesen.“ Da die AfD nun aber eingemietet ist, will Reifenscheid der umstrittenen Partei das Haus beziehungsweise die gemietete erste Etage aber nicht mitsamt der ausgestellten Kunst überlassen.

    Sämtlich Kunstwerke will die Museumschefin für diesen einen Abend aus dem Obergeschoss entfernen lassen – als Protestsignal. Und weil es Reifenscheid zu riskant ist, dass die im Museum ausgestellten Kunstwerke in irgendeiner Weise öffentlichkeitswirksam mit der AfD in Verbindung gebracht werden könnten. Natürlich bleibt da noch das Museumsgebäude, das Deutschherrenhaus (benannt nach dem Deutschen Orden) als solches. „Aber das kann ich leider nicht verhindern“, sagt Reifenscheid. Die Kunst hingegen könne sie schützen – dass die Werke abgehängt werden, hat sie bereits mit der Versicherung abgeklärt.

    Arbeitswaufwand für das Museum

    Das Ganze bedeutet einen gewissen Arbeitsaufwand, den das Museum aus eigenen Mitteln zahlen muss und wird. „Der AfD dürfen wir das Ab- und Aufhängen nicht in Rechnung stellen“, sagt die Museumschefin. Knapp 1000 Euro dürfte die Aktion kosten, schätzt Reifenscheid. Das Geld ist es ihr wert, auch weil sie um einen Imageschaden für das Museum fürchtet, sollte sie das Haus sang- und klanglos der AfD überlassen – sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Kunstwelt. Sie erzählt davon, dass sie einzelnen Künstlern und Galeristen bereits erläutern musste, wieso die AfD das Gebäude nutzen darf.

    Die Idee, eine leere Etage zur Verfügung zu stellen, lässt die Museumsleiterin jedenfalls etwas entspannter auf den 30. Juni schauen. Sie selbst wird an diesem Abend nicht im Haus sein, sondern den seit Monaten feststehenden Abiball ihrer Söhne besuchen. Kulturdezernentin Margit Theis-Scholz hingegen wird am 30. Juni im Ludwig Museum sein – wohlgemerkt nicht bei der AfD, sondern bei der Abschluss der Leseaktion „Koblenz liest ein Buch“ ab 21.30 Uhr auf der Dachterrasse des Museums. „An diesem Termin halten wir natürlich fest, das wäre es ja noch ...“, sagt Theis-Scholz. Sie ist zudem davon überzeugt, dass die AfD mit Beginn des Programms das Ludwig Museum wieder verlassen hat: Die Partei hat die Museumsetage nur von 18 bis 21 Uhr gemietet.

    Künftig kann aber weder die AfD noch eine andere Partei eines der städtischen Museen für eine Veranstaltung mieten – die seit April geltende Nutzungsänderung untersagt dies. „Die Öffnung von Museen für Veranstaltungen erfolgt nur noch, wenn sie zweckbestimmt in einem kulturellen Sinne sind“, erinnert die Dezernentin an den Beschluss. Und das sei auch gut so.

     

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