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Mülheim-Kärlich

Kriminellen schreibend auf die Schliche kommen: Dieter Aurass lässt Krimi in Koblenz spielen

Früher war Dieter Aurass Terroristen und Spionen auf den Fersen, heute jagt er Verbrecher in seinen Kriminalromanen. Seinen neusten lässt er in Koblenz spielen.

„Verborgen“ heißt der neue Thriller von Dieter Aurass. Der in Mülheim-Kärlicher hat erstmals Koblenz als Handlungsart gewählt.
„Verborgen“ heißt der neue Thriller von Dieter Aurass. Der in Mülheim-Kärlicher hat erstmals Koblenz als Handlungsart gewählt.
Foto: Anke Mersmann

Damals, zu Zeiten der RAF, arbeitete Dieter Aurass beim Bundeskriminalamt in der Terrorismusbekämpfung. Später war er in der Spionageabwehr tätig, und zuletzt arbeitete der Kriminalbeamte im IT-Management der Bundespolizei. Mehr als vier Jahrzehnte war der in Mülheim-Kärlich lebende Aurass Kriminellen auf der Spur – wenn er jetzt als Autor Krimis und Thriller schreibt, sollte er aus seiner beruflichen Vergangenheit genug Stoff für seine Geschichten schöpfen können. Oder nicht?

Lebenserfahrung als Ermittler fließt ein

Ein klares Jein kommt als Antwort, begleitet von einem Lachen. „Natürlich kann ich mein Wissen aus der Ermittlungsarbeit so realitätsnah wie möglich einfließen lassen“, sagt Aurass, der seit zwei Jahren im Ruhestand ist. Und sicherlich würden manche Figuren oder Tathergänge von seinen Erfahrungen beeinflusst, die er in seiner Laufbahn als Kriminalbeamter erlebt hat. „Ich schreibe aber nicht über konkrete Fälle“, erzählt der Autor. Dafür lasse er viel zu gern seine Fantasie spielen. Und: „In den Großstädten wie Frankfurt gibt es zwar an 365 Tagen im Jahr Mord und Totschlag. Aber das sind überwiegend Einzeltaten mit einem Beziehungshintergrund. Es gibt im realen Leben glücklicherweise nicht so viele Serientäter, über die ich schreiben könnte.“ Aber die haben es ihm angetan.

Dieter Aurass liest beim Krimitag am 9. Dezember in der Stadthalle Boppard. Er ist neben Gabriele Keiser, dem Koblenzer Autor Jörg Schmitt-Kilian (ebenfalls Ex-Kriminalbeamter) und Jutta Siorpaes zu Gast. Beginn ist um 20 Uhr. Weitere Infos unter www.boppard-stadthalle.de

Es sind Serienkiller, die Aurass in seinen ersten, im Gmeiner-Verlag erschienenen Krimis wüten lässt, in Frankfurt, dort, wo Aurass 1955 geboren wurde und lange arbeitete. Jetzt aber ist kürzlich sein erstes Buch erschienen (Hein-Verlag), in dem nicht mehr die Stadt am Main eine Rolle spielt, sondern die Stadt an Rhein und Mosel: Koblenz. Wenn auch in nur angedeutetem Maße, denn eigentlich ist der Thriller „Verborgen“ ein kriminalistisches Kammerspiel: Die Handlung spielt vor allem in einer Villa in einem Koblenzer Stadtteil am Rhein.

Mit „Verborgen“ und dem Koblenzer Bezug will sich Dieter Aurass ein neues Publikum erschließen, bislang hat sein Aktionsradius vor allem im Frankfurter Raum gelegen. Jetzt aber möchte er mehr mit Fokus auf seine Heimatregion arbeiten, hier Lesungen halten, sich noch stärker mit der Autorenszene vernetzen.

Schreibend in den Ruhestand

Seit vier Jahren schreibt Aurass intensiv. Als er damals auf den Ruhestand zusteuerte, beschloss er, sich künftig mehr auf das Schreiben zu konzentrieren. Seit Kindheit und Jugend hatte er Freude daran, schrieb in den zurückliegenden Jahren immer wieder ein paar Seiten, begann auch einen Roman. Aber die Zeit fehlte, um die Geschichte zu beenden. Letztlich gelang es vor drei Jahren, das Buch und ein weiteres gab Aurass im Selbstverlag unter dem Pseudonym Francis Fein heraus.

Inzwischen ist das Pseudonym verschwunden, Aurass hat Erfahrungen in Verlagswesen und auf dem Buchmarkt gesammelt, mehr Routine im Schreiben: Aus dem Hobby ist seit dem Eintritt in den Ruhestand eine zeitintensive Beschäftigung geworden. „Das Schreiben ist zu meinem zweiten Beruf geworden, ich arbeite jeden Tag“, meint er. Das sei auch gut so. „Ich bin 62 Jahre alt – da will ich nicht den ganzen Tag auf der Couch sitzen.“ Obwohl er dort gut schreiben kann, sogar dann, wenn seine Frau neben ihm fernsieht, erzählt Aurass. Ihn stört das nicht: Wenn er arbeitet, sich in seine Geschichte stürzt, ist er konzentriert.

Seine Story entwickelt er meistens während des Schreibens. Er ist keiner der Autoren, die zuvor ein detailliertes Konzept der Handlung ausarbeiten: „Ich habe Anfang und Ende der Geschichte im Kopf, der Mittelteil baut sich während des Schreibens auf“, erzählt der Autor. Gerade dann ist es nützlich, dass er in Fragen rund um Ermittlungsarbeit und -technik firm ist, in diesem Themenfeld kann er sich aufwendige Recherchen sparen. Anders übrigens als bei einem anderen Buchprojekt, dessen Manuskript bereits fertig in der Schublade liegt, für das aber noch kein Verlag gefunden ist: Es ist ein historischer Krimi, spielt 1924, also Jahrzehnte bevor Dieter Aurass sich selbst auf die Fersen von Kriminellen begab – sei es als Kriminalbeamter, sei es als Autor.

Von unserer Redakteurin Anke Mersmann

In „Verborgen“ brechen zwei Männer und eine Frau zeitgleich in eine Villa am Koblenzer Rheinufer ein – ohne voneinander zu wissen. Zunächst jedenfalls. Dann aber machen die drei, obwohl sie offenkundig wenige Gemeinsamkeiten haben, recht zügig gemeinsame Sache, um an ihr Ziel zu kommen. Ihre Beweggründe für den Einbruch sind unterschiedlich, sie alle wollen aber die Wahrheit ans Licht bringen. Denn der Besitzer der Villa, Heinz Helmholtz, hat jedem von ihnen übel mitgespielt. Nach und nach offenbart sich, welch kriminelle Energie Helmholtz hat – und das bringt die drei Einbrecher in Lebensgefahr. Der erzählte Kriminalfall ist originell, die Figurenkonstellation ist es auch – wenngleich Aurass die Charaktere recht stereotyp ausgestaltet hat. Generell ist „Verborgen“ ein schnell zu lesendes Buch, das zwar erzählerisch hier und da schwächelt, aber Krimifans dank des ungewöhnlichen Falls und unerwarteter Wendungen über weite Strecken auf ihre Kosten kommen lässt. ame

Dieter Aurass: „Verborgen“, Hein-Verlag, 309 Seiten, 10 Euro. Weitere Infos online unter www.dieter-aurass-autor.de

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