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Berlin

Gaming-Serie Teil 1: Videospiele von heute sind erwachsen und komplex

Martin Boldt

Klobige Pixel, begrenzte Farbpaletten, simple Spielideen – trotz seiner anfänglich technischen wie inhaltlichen Limitationen ist es dem Videospiel gelungen, sich als Konkurrenzmedium zu Kino und Fernsehen zu etablieren. Während diese Branchen um Publikum kämpfen müssen, stehen die digitalen Nachfahren von Super Mario und Space Invaders so gut da wie nie.

Szene aus dem Spiel  "God of War".
Szene aus dem Spiel "God of War".
Foto: Sony

Allein in Deutschland ist der Umsatz 2017 der Gaming-Branche im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf mehr als 3,3 Milliarden Euro gewachsen. „Der Markt entwickelt sich bereits seit vielen Jahren so dynamisch wie kein anderer Medien- und Kulturbereich“, konstatiert Felix Falk, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Games-Branche (game).

Ein Grund ist, dass Videospiele längst auch ein erwachsenes, zahlungskräftiges Publikum ansprechen: So liegt das Durchschnittsalter 2018 laut des Marktforschungsunternehmens GfK erstmals bei 36,1 Jahren. Vor allem die Altersgruppe der über 50-jährigen Gamer wächst stark. Dass die Kinder von einst ihren Controller noch immer in den Händen halten, mag an einem besonderen Alleinstellungsmerkmal des Videospiels liegen: Getrieben durch den technischen Fortschritt werden Designer, Programmierer und Produzenten nicht müde, am Status quo des grafisch als auch des erzählerisch Machbaren zu kratzen. Die interaktiven Bilderwelten haben dabei längst eine Qualität und kompositorische Dichte erreicht, die kaum noch eine Unterscheidung von den Vorgängermedien Kino und Fernsehen erlauben.

Serie: Kleine Pixel, großes Kino

In einer fünfteiligen Serie beleuchtet unser Reporter Martin Boldt Trends der Spielekultur. Heute: Blockbuster-Games

Fokus auch auf innere Werte

Die Gemeinsamkeiten beschränken sich aber nicht allein auf Äußerlichkeiten: Orchestrale Soundtracks gehören bei großen Spieleproduktionen ebenso zum guten Ton wie prominente Drehbuchautoren und Stars, die ihren digitalen Alter Egos nicht nur ihre Stimmen, sondern oft auch noch ihre Bewegungen leihen. Kommt alles zusammen, spricht man in der Branche gern, mit Verweis auf den Film, von einem Blockbuster-Game.

Der jüngste Spross dieser Familie von Vorzeigeprojekten ist der exklusiv für die Sony Playstation 4 erschienene Titel „God of War“. Dabei handelt es sich um eine Neuauflage der ursprünglichen und gleichnamigen Spielereihe, deren Teile zwischen 2005 und 2010 erschienen sind. Protagonist ist erneut der griechische Halbgott Kratos. Ungewohnt für Fans ist allerdings die Umgebung, in der sich das neue Abenteuer abspielt. Statt in der Mythenwelt der Peloponnes steuert der Spieler den Spartaner nun durch Schnee und Eis der nordischen Sagenwelt – Trolle und Midgardschlange inklusive. Begleitet wird der wortkarge Krieger dabei erstmals in der Serie von Sohn Atreus. Er unterstützt in den zahlreichen Kämpfen dank sauber programmierter künstlicher Intelligenz mit Pfeil und Bogen. Aber nicht nur das Spielgeschehen gewinnt an Abwechslung, auch die tiefe Charakterzeichnung profitiert von den vielen Dialogen des ungleichen Paars.

Ein Erlebnis wie aus einem Guss

Bemerkenswertes gelingt den Machern mit der eigentlichen Inszenierung der Heldenreise: War es in früheren Serienteilen gang und gäbe, zwischen der eigentlichen Spielgrafik und vorproduzierten Zwischensequenzen hin und her zu wechseln, um die Filmhaftigkeit der Spiele zu betonen und die Handlung fortzuspinnen, besteht der neueste Teil im Prinzip aus einer einzigen Kamerafahrt. Statt des Einsatzes von Schnitten, die zwangsläufig zu Brüchen in der Immersion, also dem Eintauchen in die Spielwelt, führen, werden sämtliche Perspektivwechsel ausschließlich durch Kameraschwenks erreicht. Das Resultat: Mit dem Verzicht auf Schwarzblenden und Ladebildschirmen beim Betreten neuer Abschnitte wirkt das Abenteuer von der ersten bis zu letzten Minute wie aus einem Guss. Die Nähe zum Film setzt sich im Drehbuch fort: Kratos-Darsteller Christopher Judge („Stargate“) hielt das Skript zunächst für eine Verfilmung des Stoffs, und auch seine Kollegin Danielle Bisutti, die im späteren Verlauf als Göttin Freya eine wichtige Rolle übernimmt, verriet in Interviews, dass sie anfangs glaubte, eine Episode der erfolgreichen Fantasyserie „Game of Thrones“ in den Händen zu halten.

Dass „God of War“ auch ein finanzieller Erfolg ist, soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden. Das Spiel ging in den ersten drei Tagen nach Erscheinen weltweit 3,1 Millionen Mal über die Ladentheke und ist damit das am schnellsten verkaufte Playstation-4-Exklusivspiel seit Einführung der Spielkonsole im Jahr 2013. Die dabei erzielten rund 200 Millionen Dollar Einspielergebnis stehen auf einer Stufe mit Kinoerfolgen wie „The Avengers“ oder „Star Wars“.

Für die Branche ist das ein klares Signal: Die heutigen Spielekonsumenten sind bereit für komplexe und anspruchsvoll erzählte Inhalte. Wer bereit ist, alte Muster zu überdenken und etablierte Marken weiterzuentwickeln, wird perspektivisch gesehen keine Probleme haben, am Markt zu bestehen.

Von unserem Reporter Martin Boldt
Was die wichtigsten Spielkonsolen sind und was sie kosten: Um Videospiele erleben zu können, bedarf es neben einem modernen TV-Gerät einer Spielekonsole. Zu den wichtigsten aktuellen Geräten zählen die Sony Playstation 4 Pro (ab 390 Euro), die Microsoft Xbox One (ab 300 Euro) sowie die Nintendo Switch (ab 319 Euro). Während manche Spieletitel für alle drei Konsolen erscheinen, gibt es auch sogenannte Exklusivtitel, die ausschließlich für eine der genannten Konsolen veröffentlicht werden. Vollpreisspiele kosten in der Regel je nach Anbieter zwischen 50 und 70 Euro. Ältere Spiele werden oftmals in Budgetreihen angeboten und kosten dann 20 bis 30 Euro.
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