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Koblenz

Ehrenamt: 36 Jahre für das Theater Koblenz stark gemacht

Anke Mersmann

Fast auf den Tag genau sind es 36 Jahre: Es war der 5. Mai 1982, als sich unter dem Vorsitz von Hubert Scherer der Freundeskreis des Theaters Koblenz gründete. Eine lange Erfolgsgeschichte begann. Jetzt, am 3. Mai 2018, endet nicht nur ein Kapitel dieser Geschichte, sondern eine Ära. Die des Hubert Scherer.

Seine
 Leidenschaft gilt dem Theater Koblenz, jetzt aber tritt er aus der 
ersten Reihe der Theaterförderer zurück: Hubert Scherer gibt nach 36 
Jahren im Amt den Vorsitz des Freundeskreises Theater Koblenz auf. Foto: Mersmann​
Seine Leidenschaft gilt dem Theater Koblenz, jetzt aber tritt er aus der ersten Reihe der Theaterförderer zurück: Hubert Scherer gibt nach 36 Jahren im Amt den Vorsitz des Freundeskreises Theater Koblenz auf.
Foto: Mersmann​

Wenn heute Abend die Mitglieder des Freundeskreises zur jährlichen Sitzung zusammenkommen, steht turnusgemäß der komplette Vorstand zur Wahl – Hubert Scherer aber tritt nicht mehr an. Er gibt sein Amt als Vorsitzender auf, will es in jüngere Hände legen, wie er im Gespräch mit der Rhein-Zeitung sagt. Ein schwerer Schritt? Der 84-Jährige lächelt bei dieser Frage. Sicherlich, das Theater und der Verein lagen und liegen ihm sehr am Herzen, sagt er, pausiert kurz, um die Spannung zu steigern: „Aber: Ich fühle mich erleichtert, das Amt weitergeben zu können“, sagt er bestimmt. So bereichernd er die 36-jährige Tätigkeit als Vorsitzender des Freundeskreises empfand, so gern er sich für das Theater starkmachte, so hält er jetzt den Zeitpunkt für richtig, die Verantwortung abzugeben. „Platz machen für neue Ideen“, meint Scherer dazu.

Heute geht es um die Nachfolge

Dass sich der verdiente Theaterförderer mit einem Gefühl der Erleichterung aus der Vorstandsspitze verabschiedet, hat allerdings auch damit zu tun, dass er seine Nachfolge geregelt weiß. Es war ihm ausgesprochen wichtig, einen jungen, versierten und engagierten Kulturfreund als Kandidaten zu gewinnen, der sich heute Abend zur Wahl stellen wird. Einen Namen möchte Scherer noch nicht offiziell nennen, ist aber zuversichtlich, dass das Votum am Abend entsprechend ausfällt.

Wichtig ist ihm außerdem: Der gesamte restliche Vorstand stellt sich zur Wiederwahl, kann den „Neuen“ dann also in den nächsten zwei Jahren unterstützen. Alles scheint bestens geregelt und geplant, damit Hubert Scherer den Freundeskreis in seiner verantwortungsvollen Position verlassen kann – etwas anderes wäre für ihn allerdings auch nicht infrage gekommen.

Nach 36 Jahren ist also Schluss. Keines seiner Ehrenämter hat der Diplom-Wirtschaftsingenieur so lange ausgeführt wie das des Freundeskreis-Vorsitzenden – und es waren viele Ämter, die Scherer, ehemaliger IHK-Präsident und Gründungsmitglied der WHU in Vallendar, innehatte. Für sein vielfältiges Engagement steht, dass er zweimal mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, hinzu kommen weitere Auszeichnungen, darunter beispielsweise der Kulturpreis der Stadt Koblenz.

Hubert Scherer blickt mit einem gewissen Stolz auf die dreieinhalb Jahrzehnte zurück, in denen der Freundeskreis die Institution Theater stärken konnte. Da ist natürlich all das Geld, mit dem der Verein das Theater all die Jahre unterstützte und dies immer noch tut, gut 1 Million Euro sind es bislang. Da ist aber auch der ideelle Wert, den der Freundeskreis über all die Jahre gespendet hat: Die zwölf Gründer des Freundeskreises traten 1982 mit dem Ziel an, das öffentliche Bewusstsein für das Theater zu stärken. Das ist gelungen, mit heute mehr als 500 Mitgliedern steht der Verein gut da. Das Haus hat viele Fürsprecher in der Stadt, und der profilierteste ist Hubert Scherer.

Er war seinerzeit auch derjenige, der die Idee verfolgte, einen Förderverein für das Theater Koblenz zu gründen. Der leidenschaftliche Pianist – ein Wort, das Scherer in vornehmer Bescheidenheit selbst niemals gebrauchen würde, um seine Fähigkeiten am Klavier zu beschreiben – war dem Theater stets zugetan. Als dann aber sein Sohn Markus, heute Pressesprecher des Theaters, die ersten Rollen als Schauspieler in der damaligen Studiobühne übernahm, wurde die Verbindung noch enger, wie Scherer erzählt. Mit Mitstreitern aus dem Lions Club und befürwortet von dem damaligen Intendanten Hannes Houska ging man ans Werk, den Freundeskreis zu gründen.

Der Gedanke schwelte damals schon eine Weile, zumal das Startkapital quasi bereitlag: Zwei Jahre zuvor, 1980, waren die späteren Vereinsgründer auf die Oper „Loreley“ des italienischen Komponisten Alfredo Catalani aufmerksam geworden. „Es stellte sich heraus, dass sie nie im deutschsprachigen Raum aufgeführt worden war“, erzählt Scherer. Das sollte sich ändern: „Wir haben dafür gesorgt, dass Houska das Werk hier in Koblenz auf die Bühne bringen konnte.“ Die Produktion wurde ein riesiger Erfolg. Ein Mitschnitt wurde auf Schallplatte gepresst. Diese verkaufte sich so gut, dass der Erlös dem später gegründeten Freundeskreis als gutes finanzielles Polster für den Anfang diente – zumal viel Geld direkt in die Sanierung der Studiobühne floss, der Vorgängerbühne der inzwischen ebenfalls nicht mehr existenten Kammerspiele am Florinsmarkt.

Dem Bedürfnis entsprechend

Etliche solcher finanziellen Unterstützungen sollten folgen, etwa zur Generalsanierung des Hauses Mitte der 80er-Jahre. „Wir orientieren uns mit der Förderung an den Bedürfnissen des Theaters“, sagt Scherer dazu. Mal fließt Geld, um eine Inszenierung künstlerisch noch besser auszustatten, um einen Gastsänger einzuladen oder Ähnliches. „Das sind oft kurzfristige Anfragen, die sich während der Probephase ergeben, für die der Etat aber keinen Spielraum mehr lässt“, erklärt Scherer.

Sei es der Ankauf von Instrumenten, Hilfe für die Jugendarbeit, Stipendien: Der Verein springt dann mit seinen Mitteln ein – und oft genug stemmt er auch teurere Anschaffungen, die das Theater über das eigene Budget nicht leisten kann. Die technische Ausstattung der vor einigen Jahren neu gebauten Probebühne inklusive Flügel zählt dazu – ein sechsstelliger Betrag. Oder die aufwendige Sanierung des historischen Vorhangs im Theater.

Natürlich sind solche großen Projekte Hubert Scherer über all die Jahre in Erinnerung geblieben, zusätzlich zu den kleinen und großen Erfolgen der Theaterförderer, zu all den Begegnungen mit Gleichgesinnten, mit Künstlern – und natürlich mit den Künsten, schließlich ging es Scherer in seinem Amt stets um das Theater. Dort wird er natürlich noch regelmäßig Vorstellungen besuchen, wie er sagt. Vielleicht sogar noch häufiger als ohnehin schon. Denn auf die Frage, wie Scherer die nun freie Zeit nutzen möchte, die er nicht mehr für den Freundeskreis aufbringen muss, antwortet er lächelnd: „Ins Theater gehen.“ Seine Leidenschaft für die Bühne ist ungebrochen. Anke Mersmann

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