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Koblenz

Aschermittwoch der Künstler: Impulse für einen Perspektivwechsel

Lieselotte Sauer-Kaulbach

Perspektivwechsel. Das Thema des Gottesdienstes in der Koblenzer Herz-Jesu-Kirche zum „Aschermittwoch der Künstler“ steht bereits vor Beginn im Raum – und das ist wörtlich zu nehmen. Denn Kyra Spieker, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft bildender Künstler am Mittelrhein, vollzieht mit ihrer Installation den Perspektivwechsel am Altar der Kirche schon greifbar.

Chiho Kawabata vom Ballett Koblenz zeigt beim „Aschermittwoch der Künstler“ in der Herz-Jesu-Kirche einen Ausschnitt aus dem Ballettabend „Gefallene Helden“. Der Gottesdienst zum Auftakt der Fastenzeit wird traditionell künstlerisch gestaltet.  Fotos: Sascha Ditscher
Chiho Kawabata vom Ballett Koblenz zeigt beim „Aschermittwoch der Künstler“ in der Herz-Jesu-Kirche einen Ausschnitt aus dem Ballettabend „Gefallene Helden“. Der Gottesdienst zum Auftakt der Fastenzeit wird traditionell künstlerisch gestaltet. Fotos: Sascha Ditscher
Foto: Sascha Ditscher

Sie hat ihn in sieben symbolträchtige Bahnen silbern schimmernder perforierter Chromfolie gehüllt, die das Licht, den umgebenden Raum reflektieren. Glatt herabfallende Bahnen wechseln mit reliefartig gestalteten ab, in denen sich das aus dem Würfel gewonnene, für viele Arbeiten der Künstlerin charakteristische Modul wiederfindet. Rhythmisch gegliedert durch Einschnitte, durch die transparente Acrylglasröhren geschoben sind, für die im Westerwald lebende, von der Keramik her kommende Künstlerin Sinnbild für Luft, Atem, Geist.

Nikolaus Maler und Denise Sun am Fagott zeigten musikalische Perspektivwechsel auf.
Nikolaus Maler und Denise Sun am Fagott zeigten musikalische Perspektivwechsel auf.
Foto: Sascha Ditscher

„Wandeln“ hat sie ihre Arbeit betitelt, ein bewusst vielschichtiger Begriff für den Ort, an dem, wie es Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski, Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar, in seiner Predigt formuliert, die Eucharistie, die Wandlung stattfindet.

Kein absoluter Standpunkt

Perspektive, so Zaborowski, der Standpunkt, den jeder quasi naturgemäß einnehme, meine mehr als nur einen geografischen Ort, meine vielmehr „ein Netz unterschiedlichster Geschichten“. Gefahren ergäben sich dann, wenn diese Perspektive, dieser Standpunkt absolut gesetzt, wenn die damit verbundene Suche nach Wahrheit zur Verdrängung, zur Marginalisierung des Anderen würde.

„Neue Zeiten brauchen neue Antworten auf neue Fragen“, begründete Dechant Thomas Hüsch bei der Begrüßung die Notwendigkeit des Perspektivwechsels. Angebote, Anregungen für diesen Wechsel bietet schon an sich der von Künstlern des Theaters, der Rheinischen Philharmonie, vom Jugendkammerchor der Singschule Koblenz unter Leitung von Manfred Faig und von einem Ensemble des Koblenzer Jugendtheaters mitgestaltete Gottesdienst. Für viele Koblenzer ist er längst zur Tradition zum Beginn der Fastenzeit geworden.

Unterschiedliche Perspektiven prallen aufeinander in Joshua Sobols Schauspiel „Ghetto“. Es spielt im Winter 1941/42 in dem von deutschen Truppen besetzten Vilnius, in dem Viertel, in dem die Juden zusammengetrieben wurden.

Schauspiel und Musik

Reinhard Riecke und Markus Kirschbaum geben als Gens, Chef der jüdischen Gettopolizei, und Kruk, Vorsitzender des Arbeiterverbandes, einen Einblick in die Problematik des Stücks „Auf dem Friedhof spielt man kein Theater!“, das am 10. März Premiere hat. Musikalischen Perspektivwechsel vollziehen die Fagottisten Nikolaus Mahler und Denise Sun sowie der Schlagzeuger Michael Zeller unter dem Titel „Kanon in D und seine Folgen“ von Pachelbel bis zu „Let It Be“ von den Beatles, der Song, den auch Sänger des Jugendtheaters Koblenz aus der aktuellen Musicalproduktion „Surfin' Summer“ vorstellen.

Und letztlich wechselt auch in einem Ausschnitt aus dem Ballettabend „Gefallene Helden“, aus dem von Ihsan Rustem choreografierten und von Chiho Kawabata getanzten „Les autres“, die Perspektive. Da vermischen sich gestisch ausdrucksvoll – und das nicht nur dann, wenn sich die Tänzerin das blutende Herz von der T-Shirt-Brust reißt – Leid und Schmerz, die Situation des Opfers auf der einen Seite mit der dessen, der eben dieses Leid überwindet.

Um den verhüllten Altar der Herz-Jesu-Kirche, „die verhüllte Mitte, die es neu zu entdecken gilt“, wie Pfarrer Stephan Wolff sagte, geht es auch bei einem Gespräch mit Kyra Spieker beim Gottesdienst am Sonntag, 18. Februar, 18 Uhr. Im Anschluss an den Aschermittwoch wurde die Ausstellung „Ein Teil des Ganzen“ der Arbeitsgemeinschaft bildender Künstler am Mittelrhein im Haus Metternich eröffnet. Ein Bericht über diese Schau folgt.

Von unserer Mitarbeiterin Lieselotte Sauer-Kaulbach

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