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auf Lesbos: Kleine Geste, große Wirkung
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    Kommentar Papst-Visite 
auf Lesbos: Kleine Geste, große Wirkung

    Überfüllte Turnhallen waren uns ganz nah, Idomeni ist weit weg. Aus den Augen, aus dem Sinn: Die Schließung der Balkanroute und das EU-Flüchtlingsabkommen mit der Türkei haben eine emotionale Distanz geschaffen. Zu den offenen Herzen hat sich die kalte Schulter gesellt. Thomas de Maizière, der Bundesinnenminister, formulierte es kurz und bündig: "Auch wenn wir jetzt einige Wochen ein paar harte Bilder aushalten müssen, unser Ansatz ist richtig." Harte Bilder, harte Worte.

    Redakteur Jochen Krümmel
    Redakteur Jochen Krümmel

    Redakteur Jochen Krümmel zur Papst-Visite 
auf Lesbos

    Nur eines hat sich trotz Rückgang der Flüchtlingszahlen in Deutschland nicht geändert: Immer noch machen sich Scharen von Menschen unter dramatischen Umständen auf den Weg nach Europa. Kinder, Frauen, Männer, Alte, die vor Krieg und Elend geflohen sind und denen nur das nackte Überleben geblieben ist. Muss man daran erinnern? Ja, man muss. Und "man", das ist Papst Franziskus. Der besuchte schon vor drei Jahren die italienische Insel Lampedusa und prangerte die "Globalisierung der Gleichgültigkeit" an.

    Wie recht er damit hatte, bewies die Reaktion darauf. Kaum einer hörte auf ihn. Vermutlich wird es jetzt wieder diejenigen geben, die das, was der Papst am Wochenende während seines Besuchs bei Flüchtlingen auf der griechischen Insel Lesbos angemahnt hat, einfach banal finden. Oder weltfremd. Was nützt es schon, wenn ein Papst ein paar gestrandeten syrischen Flüchtlingen die Hände schüttelt? Sich ein paar zu Tränen rührende Geschichten anhört? Wenn er die tröstet, die vor ihm verzweifelt weinen und darauf hoffen, dass Franziskus etwas für sie tun kann?

    Die Lösung der Flüchtlingskrise sehen wir gern sehr weit weg, als Herkulesaufgabe in Berlin, Brüssel, Moskau, Washington, Damaskus. Dazu müsse man Kriege beenden, Waffenverkäufe stoppen, eine zerstörte Wirtschaft wieder aufbauen, sagt die Regierungspolitik. Ja, das alles muss passieren. Aber wie wäre es, wenn die Lösung zunächst in etwas Mitmenschlichkeit liegt? In Respekt, in Menschenwürde? Und in einem echten Versuch zu helfen, den Menschen in Not nahe zu sein, jeder, wie er kann? Meinetwegen schimpfen Sie mich jetzt einen "Gutmenschen". Aber das ist das gute Beispiel, das Papst Franziskus gibt.

    E-Mail: jochen.kruemmel@rhein-zeitung.net

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