Archivierter Artikel vom 12.09.2013, 07:00 Uhr
Mainz/Berlin

Vita Rainer Brüderle: Ein erfahrener Stratege mit Überzeugungskraft

Es ist schon erstaunlich: Drei Jahre lang kam die FDP nach ihrem 15-Prozent-Wahltriumph von 2009 nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Die Beschäftigtenzahl stieg, und die Wirtschaft brummte trotz anhaltender Euro-Krise.

Von Christian Kunst

Trotzdem verbanden viele Bürger dies nicht mit der schwarz-gelben Koalition, geschweige denn mit der FDP. Jetzt im Bundestagswahlkampf richten sich alle Augen auf Spitzenkandidat Rainer Brüderle. Von der FDP-„Boygroup“ um Parteichef Philipp Rösler und Gesundheitsminister Daniel Bahr ist kaum etwas zu hören.

Stattdessen scheinen sie allein auf die große Erfahrung des Pfälzers zu setzen: Der als „Mister Mittelstand“ titulierte Brüderle hat nicht nur Koalitionserfahrungen mit Roten und Schwarzen in Rheinland-Pfalz – er hat vor allem ein feines Näschen für die richtige Strategie im Wahlkampf. Gerade ließ er sich öffentlichkeitswirksam mit CDU-Altkanzler Helmut Kohl ablichten.

Selbstverständlich gibt Brüderle auf Nachfrage nicht zu, dass dies auch ein Signal an die CDU-Wähler sein soll, der FDP die Zweitstimme zu geben. Doch viele konservative Wähler werden sich ihren Teil denken. Brüderle gilt vielen von ihnen als glaubwürdiger Mann mit Überzeugungen. Viele haben nicht vergessen, wie er sich gegen eine Opel-Rettung durch den Staat stemmte – obwohl dies wenig populär war.

Glaubwürdigkeit ist etwas, was der FDP in den schwarzgelben Jahren viele absprachen. Am 22. September wird sich zeigen, ob sie mit Rainer Brüderle zurückgekehrt ist.