Archivierter Artikel vom 29.01.2011, 10:10 Uhr
Cape Canavarel

Sieg bei der Auswahl brachte ihr kein Glück

Vor 25 Jahren, am 28. Januar 1986, hob die Raumfähre Challenger zu ihrem zehnten Flug ab.

Sieg bei der Auswahl brachte ihr kein Glück
Christa McAuliffe sollte eine Schulklasse aus dem Weltraum unterrichten und Laien das Raumfahrtzeitalter aus der Sicht des Laien erklären.
Foto: dpa

Von Marco Mierke

Nach mehreren Tagen Startverzögerung wegen Computerproblemen ging scheinbar endlich alles nach Plan. „Triebwerke laufen normal“, stellte Steve Nesbitt von der Bodenkontrolle 45 Sekunden nach dem Start fest. Keine halbe Minute später explodierte der Raumtransporter in einem riesigen Feuerball. Die Lehrerin Christa McAuliffe und weitere sechs Besatzungsmitglieder verbrannten. Die Welt war geschockt.

Noch heute zählt das Unglück für die Amerikaner zu den schlimmsten Ereignissen der jüngeren Geschichte. Das traurige Jubiläum ist schon Tage zuvor Thema auf den Titelseiten der großen Zeitungen, überall im Land sind Gedenkfeiern geplant. Videos halten die Erinnerung an die Katastrophe wach. Millionen schon schauten sich das Unglück auf der Internetplattform YouTube an.

Die Bilder zeigen auch die fassungslosen Zuschauer auf der Tribüne im Kennedy Space Center. Sie mussten mit ansehen, wie erstmals in der stolzen US-Raumfahrtgeschichte Astronauten während eines Fluges starben. Ein Symbol des Schreckens: wie die Eltern der 37 Jahre alten Lehrerin, die vom Weltraum aus Schüler unterrichten wollte, erst ungläubig, dann hilflos in den Himmel starrten, als Nesbitt per Lautsprecher verkündete, dass es „offensichtlich eine massive Fehlfunktion“ gab.

Die Ursache war schnell klar: Für Florida ungewöhnlich niedrige Temperaturen in der Nacht vor dem Start haben Dichtungsringe an einer der Antriebsraketen porös werden lassen. Während des Abhebens konnten heiße Gase entweichen, eine Kettenreaktion war unvermeidbar. Probleme mit der Dichtung waren der Nasa lange bekannt, auch die möglichen Folgen. Doch Konsequenzen gab es erst nach dem Drama – zweieinhalb Jahre mussten die Shuttles am Boden bleiben und umkonstruiert werden. Es dauerte Monate, die Überreste der Astronauten im Atlantik zu finden. Ein Gedenkstein auf dem Militärfriedhof Arlington bei Washington, wo nicht mehr identifizierbare Leichenteile begraben sind, zählt heute zu den Pilgerstätten der Amerikaner. Sieben Helden seien gestorben, sagte der damalige Präsident Ronald Reagan am Abend des Unglücks in seiner TV-Ansprache. Sie hätten den Pioniergeist der Menschheit mit ihrem Leben bezahlt. „Die Zukunft gehört den Mutigen“, lautete seine Botschaft, die Raumfahrt werde erfolgreich bleiben.