Archivierter Artikel vom 21.05.2011, 08:27 Uhr

RZ-INTERVIEW mit Mittelalter-Expertin: Sehnsucht nach Fremdem

Dr. Christine Klein-Jung forscht an der Universität Mainz zum Früh- und Hochmittelalter.

Dr. Christine Klein-Jung forscht an der Universität Mainz zum Früh- und Hochmittelalter. Drei Fragen an die Expertin:

Wie erklären Sie sich den Mittelalterboom?

Die Sehnsucht nach etwas Fremdem jenseits des Alltags lässt Mittelalterfans Wünsche auf diese projizieren. Auch die Gruppenerfahrung etwa als Ritter – im Mittelalter wurde man ja in einen Stand mit festen Gepflogenheiten hineingeboren – spielt eine Rolle.

Sind Mittelalterfeste authentisch?

Natürlich nicht. Aber sie stehen sowieso nicht in Konkurrenz zur wissenschaftlichen Rekonstruktion. Auch das 19. Jahrhundert war vom Mittelalter fasziniert, wie die Burgen am Rhein zeigen. Damals sehnten sich die Menschen aber, anders als heute, nach einem geeinten Reich unter einem starken Kaiser, wie es Barbarossa im Mittelalter war.

Wird das Mittelalter in der Schule angemessen vermittelt?

Gegenüber der Moderne kommt es sicher zu kurz. Aber die Lehrpläne werden flexibler. Die vielen Burgen vor unserer Haustür regen die Fantasie an, über den konkreten Alltag des Lebens im Mittelalter wissen wir jedoch wenig. Je weniger man weiß, desto blühender kann die Fantasie sich entwickeln.

Das Gespräch führte Dorothea Müth